Modellgebiete

Im BROMMI-Projekt waren die fünf Biosphärenreservate Schorfheide-Chorin, Schaalsee, Mittelelbe, Rhön und Schwarzwald beteiligt. Lesen Sie im Folgenden, was die Modellgebiete auszeichnet und welche Maßnahmen dort schwerpunktmäßig umgesetzt wurden.
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- ↓ Biosphärenreservat Mittelelbe
- ↓ Biosphärenreservat Rhön (bayerischer Teil)
- ↓ Biosphärenreservat Schaalsee
- ↓ Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin
- ↓ Biosphärengebiet Schwarzwald
Biosphärenreservat Mittelelbe
Naturräumliche Ausstattung
Das 1.260 km2 große Biosphärenreservat Mittelelbe ist Teil des größten inländischen UNESCO-Biosphärenreservats Flusslandschaft Elbe, für das die Elbe von zentraler Bedeutung ist. Die vielfältige Pflanzen- und Tierwelt des Biosphärenreservats hat sich den wechselnden Wasserständen angepasst. Durch die periodisch auftretenden Überflutungen ist in den Flussniederungen der Elbe ein besonders fruchtbarer Boden entstanden. Die Landschaft ist geprägt von Auenwäldern, Auenwiesen, Wasser- und Sumpfvegetation. Diese besondere Vielfalt wird noch bereichert durch eingestreute Dünen, Trocken- und Magerrasen, auf denen eine Vielzahl seltener Pflanzen- und Tierarten vorkommt.
Landwirtschaftliche Besonderheiten
Im Biosphärenreservat Mittelelbe dominieren Grünlandbewirtschaftung und Ackerbau. Die Böden in den Überflutungsbereichen sind dank Anteilen von Auenlehm und -ton überwiegend fruchtbar und erreichen Bodenwertzahlen zwischen > 70 und 50 (Ertragsfähigkeit hoch). In diese gliedern sich Flächen mit niedrigen Bodenpunkten ein. Diese sind meist etwas höher gelegen. Die landwirtschaftliche Nutzung ist geprägt durch teilweise sehr große Betriebsflächen, welche durch die Kollektivierung der Landwirtschaft in der DDR entstanden sind. Überregional beträgt die mittlere Betriebsgröße 281 ha. Der Anteil ökologisch wirtschaftender Betriebe ist mit 19 % relativ gering (2020).
Kommunale Strukturen
Eine intensivere Zusammenarbeit besteht mit der Hansestadt Havelberg sowie den Städten Sandau, Oranienbaum und weiteren Kommunen. Überdies pflegt die Biosphärenreservatsverwaltung enge Kooperationen im Bildungsbereich, darunter zu zahlreichen Biosphärenschulen und -kitas. Auch die Kulturstiftung Dessau-Wörlitz ist als Träger der Weltkulturerbestätte Gartenreich Dessau-Wörlitz ein wichtiger Partner.
Rolle der Biosphärenreservats-Verwaltung
Die Biosphärenreservatsverwaltung steht Landnutzenden und Naturschutzbehörden hinsichtlich einer möglichst naturverträglichen Bewirtschaftung beratend zur Seite. Im jahrelangen Austausch mit den Landnutzenden hat sich eine kooperative Zusammenarbeit entwickelt, wodurch sich Möglichkeiten zur Unterstützung insektenförderlicher Landbewirtschaftung ergeben. In Zusammenarbeit mit dem Förder- und Landschaftspflegeverein Biosphärenreservat Mittelelbe e. V. wird die Biotoppflege im Gebiet zielgerichtet verfolgt und es wurden bereits diverse Projekte, die auch den Insektenschutz berücksichtigen, umgesetzt.
Schwerpunkt-Maßnahmen
Folgende Maßnahmen wurden im Biosphärenreservat Mittelelbe schwerpunktmäßig umgesetzt:
• Lichtacker
• Minimalmahd
• Hecken pflanzen
• Mehrjährige Blühflächen
Biosphärenreservat Rhön (bayerischer Teil)
Naturräumliche Ausstattung
Das UNESCO-Biosphärenreservat Rhön im Dreiländereck Bayern, Hessen und Thüringen ist eine einzigartige Kulturlandschaft im Herzen Deutschlands. Der bayerische Teil umfasst mit 1.295 km² rund die Hälfte der Fläche des länderübergreifenden Biosphärenreservats Rhön (2.433,23 km² Gesamtfläche).
Die Rhön ist bekannt für ihre artenreichen Bergwiesen und mageren Weideflächen, die über Jahrhunderte durch Mahd und Beweidung entstanden sind. Mit ihrer charakteristischen Pflanzen- und Tierwelt gilt die Rhön als bundesweiter Hotspot der Biodiversität. So lassen sich hier beispielsweise fast 40 verschiedene Orchideenarten zählen und rund 3.000 Pilzarten bestimmen. Diese Vielfalt hat ihren Ursprung in abwechslungsreichen Landschaftsformen, zu denen Hochmoore, naturnahe Fließgewässer, Blocksteinhalden, Heckengebiete, extensiv genutzte Wiesen und Weiden sowie naturnahe Laubwälder gehören.
Landwirtschaftliche Besonderheiten
48% der Fläche des UNESCO-Biosphärenreservats Rhön werden landwirtschaftlich genutzt. Durch die Kargheit des Bodens und das raue Klima wird in den Hoch- und Mittellagen überwiegend extensive Landnutzung betrieben. Diese kleinbäuerliche Nutzungsform führte in Kombination mit der kleinflächigen Realteilung zum heutigen mosaikartigen Landschaftsbild.
Das Biosphärenreservat Rhön (bayerischer Teil) umfasst den landesweiten Schwerpunkt des Vertragsnaturschutzes auf Grünlandflächen in Bayern. So wird in einer freiwilligen Zusammenarbeit mit den Bewirtschaftenden die Erhaltung der Kulturlandschaft gefördert. Insgesamt wirtschaften im bayerischen Teil 1630 landwirtschaftliche Betriebe, davon 78 % im Nebenerwerb. Die mittlere Betriebsgröße liegt bei 38,5 ha. Mit insgesamt 316 zertifizierten Biobetrieben im bayerischen Teil des Biosphärenreservats Rhön ist der Anteil der Biolandwirte vergleichsweise hoch (Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft Stand Juli 2025).
Die hohe Pflanzendiversität bedingt sich auch durch die Vielfalt der Böden. Es findet sich ein breites Spektrum verschiedener Böden von Braunerde, Pseudogley und Pararendzina über Lehm bis Ton sowie Muschelkalk. Landwirtschaftlich prägen die Rhön magere, montane Standorte in den Hochlagen, frische, nährstoffreiche und tiefgründige Bereiche bis hin zu sub-mediterranen trockenen Flächen in Tieflagen. Die landwirtschaftlichen Flächen bewegen sich überwiegend in einem Bereich von 20 bis 60 Bodenpunkten.
Kommunale Strukturen
Im Biosphärenreservat Rhön (bayerischer Teil) besteht durch eine mehr als 35 Jahre währende Zusammenarbeit der Biosphärenreservats-Verwaltung mit regionalen Akteuren wie Flächenbesitzenden, Gemeinden, Landnutzenden, Naturschutzverbänden und -behörden für eine gute Vernetzung in die gesamte BR Kulisse. Dabei unterstützt die Verwaltung die Vernetzung der Kommunen zu regionalen Allianzen.
Rolle der Biosphärenreservats-Verwaltung
Die Bayerische Verwaltungsstelle des Biosphärenreservats Rhön berät die Gemeinden im BR vor dem Hintergrund der UNESCO MAB Ziele und unterstützt die Umsetzung von Projekten mit Modellcharakter.
Große Teile der Weideflächen und Mähwiesen im Gebiet, darunter auch der landesweite Schwerpunkt an Vertragsnaturschutzflächen, sind im Eigentum der Gemeinden bzw. der beiden Landkreise. Diese führen Flächenankäufe und Verpachtungen durch, arbeiten in enger Abstimmung mit den Landschaftspflegeverbänden und der Verwaltung. Ein Wichtiger Schwerpunkt ist die Förderung und der Erhalt von Insekten
Der Erhalt der Insektenvielfalt im Biosphärenreservat Rhön ist für den Großteil der lokalen Bevölkerung von hoher Bedeutung und hat in der mehrjährigen Erarbeitung des aktuellen Rahmenkonzepts starken Rücklauf von verschiedenen Akteur*innen aus den Bereichen Landwirtschaft, Naturschutz und Tourismus erfahren.
Schwerpunkt-Maßnahmen
Folgende Maßnahmen wurden im Biosphärenreservat Rhön (bayerischer Teil) schwerpunktmäßig umgesetzt:
• Schonstreifen im Grünland/Ackerfutter
• Insektenwälle (Beetle Banks)
• Anlage von Hecken
• Mehrjährige Blühflächen im Ackerbau
• Untersaaten
Biosphärenreservat Schaalsee
Naturräumliche Ausstattung
Das 310 km² große UNESCO-Biosphärenreservat Schaalsee hat nicht nur den tiefsten See Norddeutschlands, sondern ist vor allem durch seine vielfältige Landschaft charakterisiert. Geprägt durch Grund- und Endmoräne umgibt den Schaalsee ein biotop- und artenreiches Mosaik aus naturnahen Buchen- und Bruchwäldern, Mooren und Feuchtwiesen, Kleingewässern und Seen sowie halboffenen Weidelandschaften und Äckern. Durch die ehemalige Grenzlage und die engagierte Naturschutzarbeit der vergangenen drei Jahrzehnte finden hier viele Tier- und Pflanzenarten Lebensräume, die andernorts in Deutschland sehr selten geworden sind. Ausgedehnte Ackerschläge dienen im Frühling und Herbst tausenden Zugvögeln, hauptsächlich Kranichen und nordischen Gänsen, als Rast- und Nahrungsflächen.
Landwirtschaftliche Besonderheiten
Etwa die Hälfte der Flächen des Biosphärenreservats ist Ackerland mit größtenteils sehr produktiven Böden (40 bis 60 Bodenpunkte, v. a. lehmig-sandige Böden). Diese sind Grundlage einer hochproduktiven, vorwiegend konventionellen Landwirtschaft mit überwiegend geringer Ackerfruchtdiversität. Die Landwirtschaft ist großräumig strukturiert mit großen bis mittleren Betriebsgrößen (durchschnittlich 249 ha), einem hohen Anteil an Pachtflächen und nicht als Einzelunternehmen auftretenden Betrieben. Von den rund 15.200 Hektar Ackerland wird lediglich ein kleiner Anteil ökologisch bewirtschaftet. Weniger als ein Viertel aller Betriebe im Biosphärenreservat arbeiten ökologisch. Eine wichtige Aufgabe im Biosphärenreservat ist es daher, die intensive Landwirtschaft mit einer nachhaltigen ökologischen Entwicklung in Einklang zu bringen und die Biodiversität in und zwischen den großen Monokulturflächen zu steigern.
Kommunale Strukturen
Die Schaalsee-Region ist mittlerweile ein touristischer Insider-Tipp für Naturfreunde. Vor allem im Ort Zarrentin – mit dem Biosphären-Infozentrum Pahlhuus sowie regelmäßigen Biosphären-Märkten – rückt das Biosphärenreservat seine Naturschutzarbeit und naturtouristischen Angebote in den Fokus der Öffentlichkeit. Das seit 1998 existierende und stetig wachsende Partner-Netzwerk “Für Leib und Seele” vereint zudem regionale Partner, die sich nicht nur der Schaalsee-Landschaft verbunden fühlen, sondern auch durch ihre umweltfreundliche Wirtschaftsweise zu dessen Erhalt beitragen. Mittlerweile sind 109 regionale Anbieter (z.B. von Ferienhäusern und Restaurants bis hin zu Landwirtschaftsbetrieben und Kunsthandwerk) Teil des Netzwerkes.
Rolle der Biosphärenreservats-Verwaltung
Das Biosphärenreservatsamt Schaalsee-Elbe verwaltet nicht nur die beiden UNESCO-Biosphärenreservate Schaalsee und Flusslandschaft Elbe MV, sondern ist zudem Fachbehörde für Naturschutz, untere Naturschutzbehörde und Verpächter von landeseigenen Naturschutzflächen. Ihre Hauptaufgabe ist die Bewahrung und Förderung der biologischen Vielfalt sowie die Sicherung natürlicher Ressourcen, unter Berücksichtigung des Klimawandels. Als hoheitlich tätige Verwaltung verfügt sie über verschiedene unmittelbare Möglichkeiten der Einflussnahme auf die Förderung naturschutzgerechter Landnutzung sowie einen direkten Kontakt zu lokalen Akteuren
Die Naturschutzarbeit im UNESCO-Biosphärenreservat Schaalsee konzentriert sich vor allem auf die Renaturierung von Mooren, die Sanierung von Gewässern und die Extensivierung von Grünland. Im BROMMI-Projekt wurde die Zusammenarbeit mit Landwirt*innen intensiviert und die Maßnahmenumsetzung auf Ackerland ausgeweitet.
Schwerpunkt-Maßnahmen
Folgende Maßnahmen wurden im Biosphärenreservat Schaalsee schwerpunktmäßig umgesetzt:
• Mehrjährige Blühflächen im Ackerbau
• Kleinstrukturen: Erdanrisse und Sandarien
• Kleinstrukturen: Totholz- und Lesesteinhaufen
• Aufwertung bestehender Landschaftselemente
Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin
Naturräumliche Ausstattung
Mit seinen sanften Hügeln und weiten Fluren auf 1.300 km² zählt das Biosphärenreservat zu den größten (Binnen-)Schutzgebieten Deutschlands. Das Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin ist eine dünn besiedelte, eindrucksvolle Kulturlandschaft mit rund 240 Seen, tausenden Mooren, Wiesen, Äckern und ausgedehnten Buchenwäldern, die zu den größten Deutschlands gehören. Alleinstellungsmerkmale sind die großen zusammenhängenden Tieflandbuchenwälder, darunter das UNESCO-Weltnaturerbe-Teilgebiet „Buchenwald Grumsin“.
Viele verschiedene Insektenarten profitieren von der Vielfältigkeit der Landschaft, ganz besonders von den Trocken- und Steppenrasen. Typisch für das Gebiet sind jedoch auch die vielen Kleingewässer und die bis zu 550 Kranich-Brutpaare. Zudem leben hier große Bestände stark bedrohter und in Deutschland sehr seltener wildwachsender Pflanzenarten (z. B. Sommeradonisröschen, Gelber Günsel, Sumpf-Glanzkraut, Lämmersalat, Sumpfporst) und Tierarten (z. B. Hirschkäfer, Rotbauchunke, europäische Sumpfschildkröte, Schreiadler).
Landwirtschaftliche Besonderheiten
Beinahe 70 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche werden im Biosphärenreservat ohne Pflanzenschutzmittel bewirtschaftet (Stand 2025). Damit ist das Biosphärenreservat die größte zusammenhängende Ökolandbauregion Deutschlands. Auf verbleibenden Flächen findet weiterhin intensive Landwirtschaft statt, Tendenz allerdings aktuell weiter abnehmend (Umstellungsbetriebe).
Sowohl im konventionellen als auch im Ökolandbaubereich dominieren flächenmäßig Großbetriebe von mehreren hundert bis mehreren tausend Hektar (privatisierte Staatsgüter und LPG-Nachfolgebetriebe). Dazu kommen aber auch viele nach 1990 neu entstandene Klein- bzw. Familienbetriebe, die gerade bei der Bewirtschaftung und Pflege hochwertiger Naturschutzflächen eine große Bedeutung haben. Zahlreiche Förderprogramme unterstützen die naturfreundlichen Wirtschaftsmethoden auf Acker, Wiese und Weide.
Kommunale Strukturen
In der Biosphärenreservats-Verwaltung besteht ein gutes Netzwerk zu zahlreichen kommunalen Akteuren, welche in der Kulturlandschaft zur Einrichtung und Pflege insektenfreundlicher Lebensräume beitragen. Es bestehen enge Partnerschaften beispielsweise mit dem Verein Kulturlandschaft Uckermark e.V. (KLU) als Förderverein des Biosphärenreservats, dem NABU-Naturerlebniszentrum „Blumberger Mühle“ als Hauptbesucherzentrum sowie dem Landschaftspflegeverband (LPV) Uckermark-Schorfheide.
Rolle der Biosphärenreservats-Verwaltung
Die Biosphärenreservats-Verwaltung steht Landnutzenden und Naturschutzbehörden hinsichtlich einer möglichst naturverträglichen Flächenbewirtschaftung beratend zur Seite. Die Verwaltung des Biosphärenreservates unterstützt Betriebe bei der Umstellung auf umweltverträgliche Landnutzung durch Beratung, durch Einflussnahme auf entsprechende Förderprogramme des Landes, durch umfangreiche Vertragsnaturschutz-Projekte sowie durch Vergabe des Prüfzeichens des Biosphärenreservates.
Schwerpunkt-Maßnahmen
Folgende Maßnahmen wurden im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin schwerpunktmäßig umgesetzt:
• Schonstreifen
• Insektenwälle (Beetle Banks)
• Minimalmahd
• Mehrjährige Blühflächen
• Wildbienen-Nisthilfen
Biosphärengebiet Schwarzwald
Naturräumliche Ausstattung
Das Biosphärengebiet Schwarzwald ist eine alte Kulturlandschaft in einem der vielfältigsten Mittelgebirge Europas. Erste Anzeichen einer Besiedlung reichen in die Römerzeit zurück. Nach Gründung bedeutender Klöster, wie z. B. in St. Blasien, wurde die Besiedlung und Urbarmachung intensiviert. In keiner anderen Mittelgebirgslandschaft Deutschlands gibt es solche Höhenunterschiede auf engstem Raum (von 310 bis 1.415 Meter Höhe allein innerhalb des Biosphärengebiets). Artenreiche Bergmischwälder, Hochweiden, Bergbäche, Blockhalden, Felsen, Moore, Stillgewässer und glazial überformte Täler machen das Biosphärengebiet zu einem besonders abwechslungsreichen Landschaftsraum. Herausragendes Alleinstellungsmerkmal sind die durch den Menschen beeinflussten und naturschutzfachlich hochwertigen, extensiv genutzten Weideflächen. Die sogenannten Allmendweiden sind Lebensraum vieler bedrohter FFH-Arten sowie Arten der Roten Liste.
Landwirtschaftliche Besonderheiten
Steile Hänge und die nur wenig fruchtbaren Böden machen das Gebiet für den konventionellen Ackerbau seit jeher unattraktiv. Die Hochlagen sind geprägt von einer geringen-moderaten Bodenfruchtbarkeit (< 25 bis 34 Bodenpunkte), während die Tallagen moderat-fruchtbar sind (35-59 Bodenpunkte). Insgesamt macht das Ackerland lediglich 0,3 Prozent der Fläche aus (Stand: Jahr 2016).
Stattdessen bedecken 68 Prozent des Biosphärengebietes naturnahe Bergmischwälder, ein Viertel der Fläche wird als Grünland extensiv bewirtschaftet – überwiegend von Nebenerwerbslandwirten. Nur drei Prozent dienen als Siedlungsflächen (Stand: Jahr 2016). Die kleinen landwirtschaftlichen Betriebe wirtschaften bereits heute oft nach ökologischen Kriterien. Sie verbinden ihr Wirtschaften mit Umweltschutz oder stellen durch Vertragsnaturschutz eine Landschaftspflege im Sinne des Naturschutzes sicher.
Kennzeichnend für das Biosphärengebiet sind die sogenannten Allmendweiden, die es in dieser naturräumlichen Ausstattung nur noch hier und in Südbayern gibt. Das Vorkommen dieses Lebensraumtyps konzentriert sich auf Flächen innerhalb des Schutzgebiets. Es sind ehemals gemeinschaftlich genutzte, meist großflächige, schwer zu bewirtschaftende Bergweiden, die bis in die höchsten Lagen reichen und durch die nachhaltige landwirtschaftliche Beweidung ihre einzigartige Form angenommen haben. Dazwischen liegen klein parzellierte private Grundstücke, die als Berg- und Flachland-Mähwiesen genutzt werden.
Trotz ihrer naturschutzfachlich hohen Wertigkeit wurden viele Mähwiesen auf Gunststandorten intensiviert, während bei den Allmendweiden eher das Problem einer Unternutzung besteht (Grenzertragsstandorte). Durch die Unternutzung verbuschen wertvolle Offenlandflächen. Der Erhalt der Offenlandflächen stellt daher eine wichtige Aufgabe im Biosphärengebiet dar.
Kommunale Strukturen
Die drei Landkreise Lörrach, Breisgau-Hochschwarzwald und Waldshut sowie 28 Kommunen und zu Teilen die Stadt Freiburg bilden die räumliche und kommunale Basis des Biosphärengebiets. Durch das Engagement verschiedenster Akteur*innen in der Region entwickelt sich daraus eine enge, kooperative Zusammenarbeit. Seit jeher gestalten kommunale und landwirtschaftliche Partner das Biosphärengebiet aktiv mit. Großen Raum für die aktive Mitgestaltung bieten vor allem die sogenannten Säulen aus den verschiedensten Tätigkeitsfeldern und Interessensgruppen (Landnutzung, Naturschutz und Landschaftspflege, Bildung für nachhaltige Entwicklung, Kultur und Soziales, nachhaltiger Tourismus, Mobilität und Regionalvermarktung). Hier können sich alle interessierten Bürger*innen mit ihren Projektideen und eigenen Angeboten einbringen.
Dieses Engagement findet sich auch im Beirat des Biosphärengebiets wieder, welcher das beratende Parlament des Lenkungskreises darstellt. Auch in diesem Gremium sind alle wesentlichen Interessengruppen der Region vertreten, zusätzlich aber auch alle Kommunen. Das entscheidende Gremium ist der Lenkungskreis; auch hier sind Akteure der Säulen vertreten und haben bei finanziellen und personellen sowie grundsätzlichen Entscheidungen ein Mitspracherecht. Damit existiert eine breit aufgestellte Beteiligung für die Bevölkerung und regionale Akteure.
Rolle der Biosphärenreservats-Verwaltung
Die Verwaltungsstelle selbst ist nicht hoheitlich tätig und kann beispielsweise keine Verpachtungen vornehmen, Flächen erwerben oder Landschaftspflegeverträge abschließen. Die Rolle der Geschäftsstelle in Schönau im Schwarzwald besteht vielmehr in der Vermittlung, Kooperation und Organisation von gemeinschaftlichen Projekten. Die Offenhaltung und die Bewahrung der charakteristischen Kulturlandschaft sind daher ein wichtiges Ziel des Biosphärengebiets Schwarzwald.
Zu vielen Landwirt*innen der Region besteht ein Vertrauensverhältnis durch intensive Beratung seitens der Landschaftserhaltungsverbände, der unteren Verwaltungsbehörden und durch persönliche Kontakte von Mitarbeitenden der Geschäftsstelle. Die Geschäftsstelle des Biosphärengebiets unterstützt außerdem landwirtschaftliche Projekte im Rahmen des Förderprogramms (z. B. Geräte für die Pflege von Steillagenflächen; Grundlage: Landschaftspflegerichtlinie) und informiert über aktuelle Themen.
Schwerpunkt-Maßnahmen
Folgende Maßnahmen wurden im Biosphärengebiet Schwarzwald schwerpunktmäßig umgesetzt:
• Staffelmahd
• Schonstreifen
• Verwendung insektenfreundlicher Mähtechnik
• Totholz- und Lesesteinhaufen
• Nistbiotope
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