Nisthilfen dienen Insekten, vor allem Wildbienen, als Brutstätte und Unterschlupf. © pixabay/Der Herr

Dieses Praxisbeispiel zeigt, wie Nisthilfen richtig gebaut und platziert werden, damit Wildbienen und Wespen tatsächlich einen sicheren Lebensraum finden. Sie erfahren, welche Materialien, Standorte und Pflegemaßnahmen sinnvoll sind und welche Fehler vermieden werden sollten.

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Zusammenfassung

Nisthilfen sind in vielen Formen und Farben mittlerweile in fast jedem Super- oder Baumarkt erhältlich. Allerdings sind die wenigsten im Handel angebotenen Nisthilfen von Nutzen für Insekten. Einige sind sogar eher schädlich für die Tiere.

Zu den häufigsten Besiedlern einer Nisthilfe zählen Wildbienen und Wespen. Wer eine Nisthilfe selbst bauen möchte, sollte auf folgende Dinge achten:

  • die Verwendung unbehandelter Materialien wie Bambus- oder Schilfröhrchen sowie Holzblöcke aus heimischen Harthölzern
  • saubere Verarbeitung ohne scharfe oder zerfaserte Kanten
  • Verzicht auf Materialien wie Tannenzapfen und Stroh, um keine Fressfeinde der Wildbienen anzulocken
  • ein sonniger, geschützter Standort für die Nisthilfe.

Künstlich erschaffene Nisthilfen sind in erster Linie eine gute Gelegenheit für den Menschen, Wildbienen bei der „Arbeit“ zu beobachten. Sie sollten immer in der Nähe zu ausreichend artenreichen Blühflächen aufgestellt werden und idealerweise mit anderen Nistmöglichkeiten kombiniert werden.


Mehrwert für den Insektenschutz

Künstliche Nisthilfen bieten Wildbienen und anderen Insekten einen Platz für die Eiablage und „Aufzucht“ der nächsten Generation. Doch auch die besten Nisthilfen können nur einen kleinen Beitrag zum Schutz der Insekten leisten, da dadurch nur wenige und oftmals häufig vorkommende Arten gefördert werden. Je nachdem wie eine Nisthilfe gestaltet ist, können ganz unterschiedliche Besiedler einziehen.


Mehrwert für den Menschen

Der Mehrwert von künstlichen Nisthilfen ist maßgeblich dadurch gegeben, dass sie den Menschen die Insekten näherbringen und erfahrbarer machen.

Nisthilfen können grundsätzlich von allen Nutzer-Gruppen gefertigt werden (z.B. Privatleute, Botanische Gärten, Landwirte, Gemeinden, Bauhöfe, Kita- und Schulgruppen etc.), die Wildbienenschutz hautnah erleben und einen praktischen Beitrag dazu leisten möchten.


Standortvoraussetzungen

Die Nisthilfen sollten im Frühjahr an einem vor Wind und Witterungseinflüssen geschützten Ort aufgestellt werden und eine süd- bis süd-östliche Ausrichtung der Nistausgänge aufweisen. Sie sollten mindestens in einer Höhe von 50 cm über dem Boden angebracht werden, um eine Besiedlung durch Ameisen weitestgehend zu vermeiden. Ist eine Nisthilfe einmal installiert, sollte sie an diesem Ort stehenbleiben, auch über die Wintermonate.

Die Nutznießer der Nisthilfen benötigen neben den „Räumlichkeiten“ auch eine gute Versorgung mit Nektar, Pollen und Nistmaterial. Daher sollten in unmittelbarer Nähe der Nisthilfen viele, möglichst verschiedene Blütenpflanzen zur Verfügung stehen. Einheimische Wildarten sollten dabei die große Mehrheit bilden. Gegen Kulturarten (z.B. verschiedenste Rosensorten) und auch „Exoten“ wie Sonnenhut, Fackellilien oder Steppenkerzen ist nichts auszusetzen, so lange deren Blüte ungefüllt sind (gelbe Staubbeutel sind erkennbar).

Offenbodenstellen, Totholz- und/oder Lesesteinhaufen in räumlicher Nähe zu den Nisthilfen, steigern die Vielfalt an natürlichen Strukturen und schaffen zusätzlichen Lebensraum für Wildbienen und andere Insekten.


Umsetzung

Für die Gestaltung einer Nisthilfe sind grundsätzlich der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Wichtig ist nur, dass ausschließlich geeignetes Material benutzt und sauber verarbeitet wird:

Bambus- oder Schilfröhrchen:

  • Innendurchmesser 2-9 mm, wobei der Durchmesser von 3-6 mm überwiegen sollte; Länge mind. 10 cm
  • ein Ende muss geschlossen sein, dafür Röhrchen hinter Nodium (natürlicher Knoten) durchsägen, so erhält man einen natürlichen Verschluss
  • bei Bambus: Mark mit einem geeigneten Bohrer, stärkerem Draht oder schmaler Flaschenbürste (5 mm) ausräumen (die Innenwand der Röhrchen sollte möglichst glatt sein); bei Schilfröhrchen ist das nicht nötig, hier schaffen die Bienen es allein
  • Keine gerissenen/gebrochenen Röhrchen verwenden; hier können Schimmel oder Parasiten eindringen bzw. die Flügel der hineinkriechenden Wildbienen und Wespen verletzt werden
  • Alternative zu einzelnen Röhrchen: Sichtschutzzäune aus Schilf (Baumarkt) auf 30 cm zurechtschneiden, aufrollen und als Paket zusammenbinden; hierbei gilt Vorsicht beim Bearbeiten, da Schilf sehr schnell bricht – am besten nutzt man eine Flex, elektrische Laubsäge oder scharfe Astschere
  • Anmerkung: Soll die Nisthilfe ausschließlich aus Röhrchen bestehen, lieber mehrere kleine Nisthilfen statt eine sehr große anlegen. Je größer die Nisthilfe, desto größer die Gefahr einer Besiedelung der Wildbienen und/oder Wespen durch Parasiten. Tendenziell sollte die Gesamtfläche der Niströhren nicht mehr als 0,5 m2 umfassen.

Pappröhrchen:

  • Diese Röhrchen werden weniger häufig angenommen und besitzen nur eine geringe Haltbarkeit.
  • Bei der Verwendung ist besonders darauf zu achten, dass die Röhren nicht mit Regen in Kontakt kommen.
  • Röhrchen aus Altpapier weisen oftmals eine Verunreinigung mit Druckerschwärze und/ oder anderen Mitteln auf und sind zu vermeiden.

Andere markhaltige Stängel (Brombeere, Stockrose):

  • Bearbeitung ähnlich wie bei Bambus, allerdings das „Ausräumen“ weggelassen (die Wildbienen schaffen das hier allein)
  • Röhrchen einzeln und senkrecht aufhängen (!), da sie sonst nicht angenommen werden
  • Stängel sollten nicht mit dem Boden in Kontakt kommen

Bohrungen in Holz:

  • Nur Hartholz verwenden; am besten eignet sich abgelagertes, entrindetes Holz von Esche, Buche, Hainbuche oder Eiche
  • Trocknungsgrad des Holzes sollte ähnlich hoch wie bei Brennholz sein
  • Innendurchmesser zwischen 2-9 mm, wobei der Durchmesser von 3-6 mm überwiegen sollte
  • Die Länge der Niströhren sollten mindestens dem Zehnfachen des Durchmessers entsprechen, alternativ alle Röhren 10 cm tief bohren
  • Abstände zwischen den einzelnen Bohrungen sollten mindestens 6 mm (bei Bohrungen zwischen 3-5 mm Durchmesser) bzw. 10 mm (bei Bohrungen zw. 6-9 mm Durchmesser) betragen
  • Bohrungen, insbesondere die Kanten, mit einer sehr feinen Rundpfeile nacharbeiten, um Splitter zu vermeiden
  • Oberfläche nach Bohrung mit feinem Sandpapier glätten
  • Quer zur Holzmaserung (Wuchsrichtung) bohren, so lässt sich das Auftreten von Rissen im Holz bei Austrocknung vermeiden und damit die Gefahr von Schimmelbildung oder Parasitenbefall in den Nistgängen verringern

Lehmwände:

  • Sie lassen sich gut in größeren Terrakottatöpfen oder Eternit-Blumenkästen anlegen und in die Nisthilfe einbauen oder darunter/daneben platzieren.
  • Der Lehm sollte in seiner Konsistenz so sein, dass ein mit einem Zahnstocher reingestochenes Loch bestehen bleibt und er sich bei Austrocknung noch leicht mit dem Fingernagel abkratzen lässt
  • mindestens 30 cm tief
  • Durch einige vorgebohrte Löcher kann die Attraktivität der Wand gesteigert werden (suggeriert den Wildbienen, dass die Wand schon „bewohnt“ ist)

Weitere Ausstattungsmöglichkeiten:

  • Strangfalzziegel (auch Biber oder Biberschwanzziegel); sollten ggf. mit einer Rundfeile gereinigt werden
  • Vorgefertigte Niststeine aus Terracotta („Bienenstein“)

Untaugliche Materialien sind:

  • Tannenzapfen
  • Laub
  • Stroh und Heu
  • Rindenstücke
  • Lochsteine
  • Ziegel ohne Füllung (dienen eher Spinnen als Rückzugsort, die wiederum Jagd auf die Wildbienen machen)
  • Holzwolle (lockt Ohrwürmer an, die ebenfalls Wildbienen jagen)
  • Röhren mit mehr als 9 mm Durchmesser
  • Nadelholz
  • In die Front gebohrte Holzscheiben (erhöhte Gefahr zur Bildung von Rissen, durch die Pilze zu den Larven gelangen)

Grundsätzlich ist von Füllungen mit losem Material abzuraten, da dies Spinnen, Ohrwürmer und andere Fressfeinde anlockt.

Zeitpunkt zum Aufstellen der Nisthilfen:

Grundsätzlich sollten Nisthilfen im Frühjahr aufgestellt werden. Um zu vermeiden, dass die Nisthilfen von der häufig vorkommenden Gehörnten Mauerbiene gänzlich in Beschlag genommen wird und um seltenere Wildbienenarten zu fördern, kann das Aufstellen auch erst im Mai erfolgen. Dann sind die Mauerbienen mit dem Nestbau so gut wie fertig und stellen dadurch kaum noch eine Konkurrenz an den freien Nistplätzen dar.

Schutz vor Vögeln:

  • Nicht zwingend erforderlich, da die meisten Wildbienen und Wespen leere Kammern am Anfang der Niströhre anlegen, um die Brut zu schützen
  • Wer auf Nummer sicher gehen möchte, sollte Drahtgeflecht (mit Maschen von 2 cm x 2 cm) nutzen und dieses mindestens 10 cm von den Eingängen der Nistgänge entfernt anbringen.

Ergänzende Strukturen an der Nisthilfe:

Neben einem strukturreichen Umfeld (Offenbodenstellen, Totholz- und/oder Lesesteinhaufen), können auch an der Nisthilfe selbst ergänzende Strukturen angebracht werden, die gänzlich anderen Wildbienen- und Wespenarten Nistmöglichkeiten bieten. Totholzstämme oder Wurzelstöcke bieten Wildbienen und Wespen Nistmöglichkeiten, die ihre Nistgänge selbstständig herstellen. Sie sind auch für Holz-bewohnende Käfer interessant. Herstellung:

  • alle Arten von Weich- und Hartholz nutzbar, auch Nadelholz
  • Durchmesser von mindestens 15 cm, Länge von mindestens einem Meter; besondere Arten wie die Holzbiene werden mit größeren Durchmessern stärker gefördert
  • Platzierung direkt neben einer Nisthilfe, stabil festgebunden oder tief eingegraben

Herausforderungen und Aufwand

Herausfordernd ist die saubere Bearbeitung der Niströhren und Bohrlöcher. Hier sollte besonders sorgfältig gearbeitet werden, da die Nisthilfe ansonsten nicht angenommen wird oder sogar Insekten zu Schaden kommen können.

Eine jährliche Reinigung ist nicht notwendig. Die „Nachmieter“ von verlassenen Nistgängen räumen alleine auf. Reste, die außen an der Nisthilfe hängen oder auf dem Boden liegen, können mit einer weichen Bürste entfernt werden.

Je nach Größe und verwendeten Materialien kann der Bau einer Nisthilfe sehr aufwendig werden. Wer erst ein Gefühl für den Arbeitsaufwand bekommen möchte, kann mit einer kleineren Nisthilfe starten. Insbesondere die Verarbeitung von Bambus und Schilf kann sehr zeitaufwendig sein. Alternativ können hier vorgefertigte Röhrchen gekauft (siehe Weiterführende Informationen) und in die Nisthilfe eingesetzt werden.

Bei Bohrungen in Hartholz kann es leicht zu einer Überhitzung des Bohrers kommen. Entsprechend müssen während der Bearbeitung von Holzblöcken immer wieder Pausen eingelegt werden.


Erfahrungen und Tipps für die Praxis

Wenn alle oben angegebenen Hinweise beachtet werden, steht dem Einzug der Wildbienen und anderer Insekten kaum etwas im Weg. Allerdings kann es schon mal ein bis zwei Jahre dauern, bis eine Nisthilfe gut angenommen wird. Es ist also Geduld gefragt.

Parasiten wie Goldwespen, andere Hautflügler und einige Fliegenarten gehören zum Arteninventar einer Nisthilfe dazu und sollten nicht entfernt werden. Oftmals sind die Parasiten die weitaus selteneren Arten als ihre Wirte.

Spezielle Nistblöcke für Mauerbienen (sog. MDF-Blöcke) sollten im privaten Bereich und auf öffentlichen Plätzen keine Anwendung finden. Sie sind vor allem für den Einsatz im Obst- und Gemüseanbau gedacht.

Umfeld der Nisthilfen:
In Ergänzung zur Nisthilfe selber, ist ein ausreichendes Nahrungsangebot im Umfeld  essentiell. Alternativ zu einer Lehmwand, kann auch eine Schale oder eine Vertiefung im Boden mit einem Lehm-Sandgemisch bereitgestellt werden. Dieses Material benötigen viele Insekten für den Nestverschluss. Besonders an heißen Tagen hält etwas Wasser das Lehmgemisch feucht und für die Insekten nutzbar.

Sogenannte Insektentränken mit Zuckerwasser oder Honigwasser sollten nicht aufgestellt werden! Insbesondere Honigwasser kann Erreger von Bienenkrankheiten wie der Faulbrut enthalten und diese so auf Wildbienen übertragen.


Weiterführende Informationen

Bezugsquellen vorgefertigter Röhrchen:

• Niströhren aus dem Bienenhotel-Shop (abgerufen am 11.05.2026)

• Schilfhalme aus dem Mauerbienen-Shop (abgerufen am 11.05.2026)

Bezugsquellen vorgefertigter Nisthilfen:

• Bienenhotels von bienenhotel.de (abgerufen am 11.05.2026)

• Wildbienen-Nisthilfen aus dem Naturschutzcenter (abgerufen am 11.05.2026)

Informationen zu Bienen und Nisthilfen:

• BROMMI-Handreichung: „Nisthilfen für Wildbienen und begleitende Maßnahmen“

• Flyer: Nisthilfen – so geht es richtig (Landkreis Oldenburg) (abgerufen am 11.05.2026)

• Verbesserung von Nistmöglichkeiten auf wildbienen.info (abgerufen am 11.05.2026)

• Leitfaden zum Bau von Nisthilfen: „Fertig zum Einzug: Nisthilfen für Wildbienen: Leitfaden für Bau und Praxis – so gelingt‘s“ (David Werner, pala-Verlag, 2016) (abgerufen am 11.05.2026)

• Bestimmungshilfe für Wildbienen in Nisthilfen (Pomologen-Verein e.V.) (abgerufen am 11.05.2026)


Autor*innen:

• Dr. Josephine Kuczyk, BROMMI-Projektmanagerin Biosphärenreservat Schaalsee

• Florian Lauer, BROMMI-Projektmanager Biosphärenreservat Mittelelbe

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