Schonstreifen im Grünland/ Ackerfutter

Landwirtschaftsmaschine fährt durch Grünland neben einem Schonstreifen.
Schonstreifen bieten wichtige Rückzugsräume für Insekten und andere Tiere. © Martin Rudolph

Schonstreifen sind eine einfache und wirkungsvolle Maßnahme, um Insekten im Grünland und Ackerfutter zu schützen. Ungemähte Bereiche bieten Rückzugsorte, Nahrung und Lebensraum für zahlreiche Arten – direkt während und nach der Mahd. Dieses Praxisbeispiel zeigt, wie Schonstreifen umgesetzt werden können und welchen Beitrag sie für die Biodiversität leisten.

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Zusammenfassung

Schonstreifen sind im Grünland und Ackerfutter eine effektive Maßnahme zum Schutz von Insekten. Bei jeder Mahd von Grünland oder Ackerfutter bleiben ungemähte Flächen stehen. Diese Schonstreifen bieten wichtige Rückzugsräume für Insekten und andere Tiere während und nach der Mahd. Sie finden dort Schutz, Deckung und Plätze zur Eiablage. Schmetterlinge, Wildbienen und andere blütenbesuchende Insekten finden weiterhin Nahrung. Durch die Umsetzung dieser Maßnahme auf Landschaftsebene können landwirtschaftliche Betriebe, Städte und Gemeinden und andere Flächenbewirtschafter einen positiven Beitrag zum Schutz der biologischen Vielfalt leisten, ohne dass dabei große Futter-Verluste entstehen.


Mehrwert für den Insektenschutz

Bunte Wiesen zählen zu den artenreichsten und wichtigsten Bestandteilen unserer Kulturlandschaft. Eine zunehmend intensive Nutzung mit früheren und häufigeren Mahdterminen sowie hohen Nährstoffeinträgen kollidiert mit den Entwicklungszyklen vieler Vögel, Amphibien und Insekten.

Zum Beispiel Heuschrecken: Bis zu 85% der Heuschrecken einer Wiese fallen der maschinellen Heu- oder Silageernte zum Opfer. Bei jedem Arbeitsschritt vom Mähen, über das Wenden/Zetten, Schwaden und schließlich dem Pressen und dem Bergen von Heu- oder der Silage, werden Heuschrecken verletzt oder getötet. Im Laufe einer Vegetationsperiode summieren sich die Verluste bei jedem Bewirtschaftungsdurchgang, so dass viele Arten in intensiv genutztem Grünland mit drei und mehr Nutzungen nicht mehr dauerhaft überleben können.

Abgesehen davon, dass bei der Bewirtschaftung Tiere verletzt oder getötet werden, wirkt sich die Wiesenbewirtschaftung auch indirekt auf Insekten aus. Die Blütenvielfalt geht verloren, damit werden wichtige Nahrungsgrundlagen reduziert. Ebenso verschwinden Schutz und Versteckmöglichkeiten.

Verschärft wird das Problem durch die große Schlagkraft moderner Maschinen. Ihre große Flächenleistung ermöglicht es, ganze Landstriche in kurzer Zeit zu bearbeiten und leer zu räumen. Dadurch entstehen riesige, strukturarme Flächen, die als Lebensraum für viele Insektenarten vorübergehend ausfallen. Auch die Bodenverdichtung durch die schweren Maschinen wirkt sich negativ auf bodenbrütende Insekten aus.

Daher ist es wichtig, bei jeder Mahd ungemähte Bereiche als Schonstreifen zu belassen. Sie reduzieren die durch die Bewirtschaftung bedingten Verluste von Wieseninsekten und Vögeln. Sie bieten Rückzugsorte und Nahrungsquellen für blütenbesuchende Insekten, ermöglichen das Aussamen der Wiesenkräuter und tragen so zur Erhaltung einer artenreichen Vegetation und deren auf sie spezialisierte Insekten bei.


Mehrwert für die Landwirtschaft

Die Anlage von Schonstreifen ist schon mit wenig Flächeneinsatz, geringem Futter-Verlust und minimalem Bearbeitungsaufwand möglich.

Betriebe können für die Anlage von Schonstreifen über die Öko-Regelung 1d „Altgrasstreifen und -flächen auf Dauergrünland“ eine Förderung erhalten. Ebenfalls gibt es je nach Bundesland im Rahmen der Länderprogramme für Vertragsnaturschutz Fördermöglichkeiten für das Belassen von Schonstreifen


Standortvoraussetzungen

Für das Belassen von Schonstreifen eignet sich Grünland oder Ackerfutteranbau mit Klee/-Luzernegras unabhängig von der Intensität der Bewirtschaftung. Besonders empfehlenswert sind Schonstreifen in artenreichem Grünland, das vielen Insektenarten als bevorzugter Lebensraum dient.


Umsetzung

Insekten werden effektiv gefördert, wenn mindestens 10% der Fläche bei jeder Nutzung als Schonstreifen erhalten bleiben. Die Schonstreifen können dauerhaft bis in den Herbst oder zwischen den Nutzungen wechselnd belassen werden. Um die Wirkung der Schonstreifen zu maximieren, sollten folgende Empfehlungen berücksichtigt werden:

  • Anordnung der Schonstreifen auf größeren Schlägen: Die Schonstreifen sollten gleichmäßig über den Schlag verteilt werden, im Abstand von maximal 50 Metern. Dies erleichtert Insekten während der Mahd die Flucht in diese Bereiche.
  • Breite der Streifen in der Feldmitte: Schonstreifen in der Feldmitte sollten eine Breite von neun Metern haben, um auch brütende Vögel vor Räubern zu schützen und ein geeignetes Mikroklima zu erhalten. Beim Einsatz von GPS-Technik vereinfacht es die Abläufe, eine oder mehrere Arbeitsbreiten über neun Meter auszusparen.
  • Konzentration auf blütenreiche Standorte bei kleineren Schlägen: Blütenreiche Standorte sollten bevorzugt werden, um Nahrungsquellen für blütenbesuchende Insekten zu erhalten.
  • Breite der Streifen entlang von Gehölzen und Feldrändern: An Gehölzen und Feldrändern können schmalere Streifen von etwa drei Metern Breite angelegt werden.

Herausforderungen und Aufwand

Was zunächst einfach erscheinen mag, bringt vor allem für landwirtschaftlich genutztes Grünland Herausforderungen mit sich. Besonders auf großen Grünlandschlägen ist eine streifenartige, gleichmäßige Anordnung der Schonflächen sinnvoll. Damit dem Bewirtschaftenden hierbei kein unnötiger Zusatzaufwand entsteht, sollte sich die Lage und Größe der Schonflächen an den Arbeitsgängen, der maschinellen Ausstattung und dazugehörigen Arbeitsbreiten orientieren. Hier lohnt sich eine gute Vorplanung, sollen die Maschinen optimal genutzt und Leerfahrten vermieden werden.

Eine weitere Herausforderung betrifft die Qualität des Aufwuchses in den Schonstreifen. Je nach Standzeit gehen mit den Schonstreifen und -flächen Futterwertverluste des Aufwuchses einher, die bei der Betriebsplanung berücksichtigt werden müssen.

Bei landwirtschaftlichen Betrieben, welche Grünfutter in Form von Silage bergen, kommt es stark auf die Form der Konservierung in Fahrsilos oder Ballensilage an. Letztere können in der Regel zeitlich versetzt schlagunabhängig geerntet werden, was ein Management der Schonstreifen vereinfacht. Betriebe mit Fahrsilo- und Häckselgutbergung sind diesbezüglich weniger flexibel, da alle Schläge zeitgleich und mit hoher Schlagkraft bearbeitet werden müssen, um den Ernteaufwand möglichst gering zu halten.


Erfahrungen und Tipps für die Praxis

Um den besonderen Herausforderungen beim Belassen von Schonstreifen zu begegnen, können folgende Tipps hilfreich sein:

  • Mischen von altem und frischem Aufwuchs: Wenn das Vieh den älteren Aufwuchs aus den Schonstreifen verschmäht, kann eine Mischung mit dem frischen Aufwuchs helfen. Alternativ kann der Schonstreifen-Aufwuchs getrennt gepresst und als Einstreu verwendet werden. Bei der Konservierung als Silage im Fahrsilo ist eine gute Mischung oft bereits gegeben.
  • Auswahl der Schonstreifenflächen: Es bietet sich an, Einbuchtungen und Grenzlinien zu Nachbarschlägen oder Waldrändern mit in die Schonfläche einzubeziehen und damit die Erntefläche zu begradigen, um eine künstliche Vereinfachung des Ernteprozesses und der Fahrtwege zu erzielen.
  • Angepasste Düngung der Schonflächen: Bei intensiv gedüngten Wiesen sollte die Düngung auf den Streifen an den reduzierten Nährstoffentzug angepasst werden.

Weiterführende Informationen

• von Berg, Lea et al. (2023): Insekten- und spinnenschonende Mähtechnik im Grünland – Überblick und Evaluation. In: Landtechnik 78(2), 2023, pp 80-97 (abgerufen am 11.05.2026)

• Gardiner, Tim und Hassall, Mark (2009): Does microclimate affect grasshopper populations after cutting of hay in improved grassland?. In: J Insect Conserv (2009) 13, pp 97-102 (abgerufen am 11.05.2026)

• Bayerische Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege/ANL (2024): Altgrasstreifen? Insektenschutzstreifen! Naherholungsgebiete für unsere Insekten schaffen. (abgerufen am 11.05.2026)


Autor*innen

• Martin Rudolph, BROMMI-Projektmanager Biosphärengebiet Schwarzwald

• Johannes Tschich, BROMMI-Projektmanager Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin

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