Die Blütenstände sind Nahrungsquelle für Insekten, Foto: SNSH/CAU oder Schulz/Reck

Der Klappertopf ist ein natürlicher „Pflegehelfer“: Er schwächt dominante Gräser und schafft Platz für blühende Wildkräuter und mehr Artenvielfalt im Straßenbegleitgrün. Dieses Kapitel zeigt, wie der seltene Halbschmarotzer Insekten fördert, Pflegeaufwand reduzieren kann und worauf es bei einer erfolgreichen Ansaat ankommt.

Zum Inhalt springen:


Zusammenfassung

Blühpflanzen haben es im Straßenbegleitgrün oft nicht leicht. Durch häufiges Mulchen ist ein Überangebot an Nährstoffen auf den Flächen vorhanden und Gräser dominieren den Bestand. Das macht es Insekten schwer, Pollen und Nektar zu finden. Eine innovative Lösung ist die Einsaat von Klappertopf (Rhinanthus spec.). Die zu den Sommerwurz-Gewächsen gehörende Pflanze ist ein Halbschmarotzer, der vor allem an Gräsern und Leguminosen (Hülsenfrüchtlern) parasitiert.

Enzyklopädie-Eintrag zu Klappertopf
Die „Saugwurzeln“ des Klappertopfes „docken“ an den Wurzeln der Gräser an, Abb: Barbara Rainer

Er entzieht mithilfe von Saugwurzeln (Haustorien) den umliegenden Gräsern Nährstoffe und Wasser, wodurch diese in ihrem Wachstum geschwächt werden. Dadurch ermöglicht der Klappertopf nicht nur die Entwicklung konkurrenzschwächerer Blühpflanzen, sondern reduziert mit der „Kleinhaltung“ der Gräser auch die Pflegenotwendigkeit im Straßenbegleitgrün.

Der Klappertopf gilt laut Roter Liste in Deutschland als „gefährdet“. Aussaat-Projekte fördern neben Nahrungsangeboten für Insekten somit auch die Weiterverbreitung dieser heimischen Pflanzenart. Kleiner Wermutstropfen sind die hohen Kosten des Saatgutes. Bisher wird der Klappertopf noch selten im Straßenbegleitgrün als Pflegehelfer eingesetzt und es liegen wenige Erfahrungen damit vor. Wir zeigen im Folgenden: Ausprobieren lohnt!


Mehrwert für den Insektenschutz

Zu den bekanntesten heimischen Klappertopf-Vertretern gehört der Große Klappertopf (Rhinanthus serotinus oder auch Rh. angustifolius). Je nach Standort kann er 20 bis 80 cm hoch werden. Die Blühphase des Klappertopfes erstreckt sich von Mai bis August. Seine röhrenartigen Blüten werden vor allem von Hummeln bestäubt. Neben den Blütenständen sind auch die Samenkapseln Nahrungsquelle oder Rückzugsort für Insekten.

Besonders abhängig vom Vorkommen der Klappertöpfe ist der Klappertopf-Kapselspanner (Perizoma albulata). Die Raupen dieses nur 2 cm großen, in weiten Teilen Deutschlands stark gefährdeten Nachtfalters, ernähren sich ausschließlich von den Samen des Klappertopfes. Verschwindet die Pflanze, verschwindet auch der Spanner.

Doch auch indirekt profitieren die Insekten vom Vorkommen des Klappertopfes. Durch seine wachstumshemmende Wirkung auf Gräser, fördert er andere, konkurrenzschwache Wildkräuter. Die dadurch erhöhte Blütenvielfalt bietet verschiedensten Insekten Nahrung.

Zwar schmarotzt der Klappertopf vorwiegend an Gräsern, aber auch andere Pflanzenarten können von ihm geschwächt werden. Insbesondere Leguminosen können sich nicht so gut gegen die Haustorien des Klappertopfes zur Wehr setzen und werden ebenfalls in ihrem Wachstum gehemmt (Moncalvillo, Sandner & Matthies, 2025).


Mehrwert für Kommunen

Die Einsaat des „Selbstläufers“ Klappertopf ist eine viel zu selten genutzte Möglichkeit, Grünflächen ökologisch aufzuwerten. Mit dem Ziel, mehr Blütenreichtum auf Flächen zu erzielen, ist eine Aussaat in den Bestand mit weniger Aufwand verbunden, als beispielsweise eine Einsaat einer Blühfläche. Im Gegensatz zu der Anlage einer Blühfläche braucht es zudem für die Aussaat des Klappertopfes keinerlei Bodenvorbereitung. 

Ein etablierter Klappertopf-Bestand bringt noch weitere Vorteile mit sich. Da der Halbschmarotzer den Gräsern Wasser und Nährstoffe entzieht, reduziert sich die Pflegeintensität deutlich. Je flächiger der Klappertopf vorkommt, desto stärker ist dieser Effekt zu erkennen. Selbst im Intensivbereich des Straßenbegleitgrüns kann bei einer etablierten Population der Wildstaude auf die Mahd während des Frühjahres/Sommers komplett verzichtet werden. 


Standortvoraussetzungen

Am liebsten wächst der Große Klappertopf auf wechselfeuchten und mäßig nährstoffhaltigen Böden. Die Standorte sollten möglichst sonnig sein. Weg- oder Gebüsch-Säume eignen sich nur dann gut, wenn sie ausreichend besonnt werden. Durch ihre linienhafte Struktur können aufgewertete Säume damit hervorragende biotopverbindende Blühkorridore darstellen.  

Für eine gelingende Etablierung ist die Vegetationsdichte entscheidend: Sie muss hoch genug sein, um dem Klappertopf Wurzelparasitismus zu ermöglichen, darf aber wiederrum nicht zu undurchdringlich sein, damit die Keimlinge ausreichend Licht bekommen. Daher sollte keine Einsaat auf besonders nährstoffreichen Flächen oder Flächen mit wuchernden Pflanzen wie z.B. Giersch und Brombeere erfolgen. Da sich Klappertopf-Pflanzen in ihren ersten Lebenswochen von ihren Samenvorräten und ihrer eigenen Photosynthese zehren, benötigen sie ausreichend Licht. Die Haustorien bilden sich erst, wenn die Jungpflanze ihre Blätter vollständig entwickelt hat. Erhält der Klappertopf in dieser Zeit nicht genügend Licht, geht er ein. Auch stark wüchsige Gräser, die noch nicht vom Halbschmarotzer angezapft wurden, können diesen überwuchern und ihn so „ersticken“. Abhilfe kann hier eine partielle Mahd bieten, die gezielt die wüchsigen Bereiche eindämmt und dem Klappertopf Licht zum Wachsen schafft.

Ebenfalls eine entscheidende Rolle für die Entwicklung des Halbschmarotzers spielt die Qualität der Wirtspflanzen. Sind Gräser und andere Wirte z.B. aufgrund von Nährstoffmangel in ihrem Wachstum begrenzt, wächst auch der Klappertopf schlechter (Ievinsh, G., 2024). Haben sich die Klappertopfbestände aber einmal etabliert, sind sie robust. 


Umsetzung

Entscheiden sich Mitarbeitende von Bauhöfen für eine Einsaat des Großen Klappertopfes, ist der beste Zeitpunkt dafür der Herbst bis in den frühen Winter. Denn die Klappertopf-Samen benötigen bis zu zwölf Wochen Kälte als Keimungsreiz für das kommende Frühjahr.  

Für die Ansaat ist es lediglich von Nöten die Flächen vorab zu mähen und das Mahdgut zu beräumen, damit die Keimlinge im kommenden Frühjahr ausreichend Licht erhalten. Im Anschluss können die Samen auf die bestehende Grasnarbe gestreut werden, eine extra Bodenbearbeitung ist nicht erforderlich. Regen und Wind sorgen dafür, dass die Samen in Kontakt mit dem Boden gelangen. Mit einer Walze kann der Bodenschluss aber auch manuell erfolgen.  

Beim Ausbringen eignet sich die händische Aussaat am besten. Die Samen können pur oder gemischt mit feuchtem Sand oder Maisschrot im Verhältnis 1:3 ausgebracht werden. In der Regel reicht eine Ansaatstärke von 0,3-0,5 g/m². Forschungen ergaben, dass eine höhere Aussaatmenge eine erfolgreichere Ansiedlung und ein schnelleres Wachstum der Klappertopf-Population mit sich bringt (Pywell et. al, 2004). Die Samen sollten auf der Fläche einmal längs und einmal quer ausgestreut werden. Die Keimfähigkeit von Klappertopf-Samen lässt bei falscher Lagerung sehr schnell nach, daher sollte erworbenes Saatgut immer sofort ausgebracht werden.  

Hat sich der Klappertopf auf der Fläche etabliert, darf von Mai bis August keine Mahd erfolgen, denn der Schmarotzer ist mahdsensibel. Verlieren die einjährigen Pflanzen durch eine Mahd mehr als 50% ihrer Biomasse, gehen sie ein und damit ist die gesamte Population für das Folgejahr verloren. Sobald die Samen des Klappertopfes hingegen reif sind, kann eine Mahd im September sogar dabei helfen, das Saatgut auf der Fläche zu verteilen. Allerdings nur, wenn das Mahdgut auf der Fläche verbleibt. Wichtig dabei ist, das Mahdgut möglichst klein zu häkseln, damit keine dichte Matte entsteht, die den Keimlingen im Frühjahr das Licht nimmt.

Nimmt der Klappertopf Überhand, kann die Population mit einem gezielten, partiellen Mähen während der Blüte reguliert werden. Eine Verbreitung des Klappertopfs auf rund 30 % einer Fläche ist optimal. Wenn dies erreicht ist, steigt die Anzahl der weiteren Pflanzenarten um 12 % an (S. Boch et al., 2016).

Ist die Samenbank der Wildkräuter auf der Fläche erschöpft, kann in den Jahren nach erfolgreicher Ansiedlung des Klappertopfes zusätzlich eine Wildblumenmischung ausgesät werden. Um die Klappertopf-Bestände nicht zu gefährden, sollte die Blumenmischung ohne Bodenbearbeitung im zeitigen Frühjahr oder im Spätsommer ausgebracht werden. 


Herausforderungen und Aufwand

Artenauswahl und Bezugsquellen 
Samen der heimischen Klappertopfarten sind aufgrund ihrer aufwändigen Vermehrung und Beerntung sehr teuer. Möchte man eine Fläche mit Klappertopf anreichern, kann das schnell ins Geld gehen. Aktuell liegen die Preise zwischen 299€/kg und 428€/kg (je nach Art, Stand 03/2025). Zudem gibt es nur wenige Händler, die dieses Saatgut überhaupt vertreiben, so dass auch die Verfügbarkeit stark eingeschränkt ist. 

Es sollte zudem darauf geachtet werden, dass die passende Rhinanthus-Art für den jeweiligen Standort verwendet wird. Eine gute Informationsquelle dafür bietet die Seite floraweb.de. Hier lassen sich die Verbreitungsgebiete der einzelnen Klappertopf-Arten einsehen. Während z.B. der Große Klappertopf (Rhinanthus serotinus) vor allem im Norden Deutschlands verbreitet ist, hat der Zottige Klappertopf (Rhinanthus alectorolophus) seinen Verbreitungsschwerpunkt im Süden der Republik. 

Pflegemanagement 
Das Klappern der Samenstände im Herbstwind gab dem Klappertopf seinen Namen. Die Samen können sich mithilfe ihres Flügelsaumes über weite Strecken verteilen. Da diese Pflanze einjährig ist, ist diese Verbreitungsweise notwendig für den Fortbestand der Population.

Will man die Population dauerhaft erhalten, muss das Pflegemanagement darauf angepasst werden, z.B. mit einer späten ersten Mahd ab September. Dies hat zur Folge, dass bestehende Betriebsabläufe ggf. neu strukturiert werden müssen. Tut man dies nicht, ist die Klappertopf-Population bereits nach dem ersten Jahr wieder von der Fläche verschwunden. 

Flächenauswahl 
Auch bei der Auswahl geeigneter Flächen für den Einsatz des Klappertopfes ist Vorsicht geboten. Es sollte vermieden werden, dass die Pflanze auf angrenzende landwirtschaftliche Flächen, vor allem Mäh- und Weideflächen, einwandert. Dort kann der Halbschmarotzer die Futterpflanzen schwächen und sich als leicht giftige Beimischung im Futter ungünstig auf die Tiergesundheit auswirken. Geringe Dichten von Klappertopf (unter 2%) im Wirtschaftsgrünland gelten jedoch als nicht problematisch (Arbeitsgemeinschaft zur Förderung des Futterbaus eAGFF, 2025).

Auch Flächen unter Bäumen oder an Hecken lohnen sich nur bedingt als Ansaatfläche für den Klappertopf. Ideal sind magere und besonnte Freiflächen.


Erfahrungen und Tipps für die Praxis

Neben dem Klappertopf gibt es in der heimischen Flora weitere Halbschmarotzer, wie Augentrost (Euphrasia), Zahntrost (Odontites) und Wachtelweizen (Melampyrum). Insbesondere der Wachtelweizen könnte ebenfalls zur Aufwertung von Grünflächen benutzt werden. Ob allerdings eine Mischung aus verschiedenen Halbschmarotzern einen größeren Effekt hat als eine einzelne Art, wurde bisher nicht untersucht.

Es kann passieren, dass sich im ersten Frühjahr nach der Aussaat nur wenige Klappertopf-Pflanzen entwickeln. Dies ist ein Zeichen dafür, dass der Kältereiz nicht ausreichend lang gewesen ist. Allerdings ist das noch kein Problem, denn Umsetzungsprojekte mit Klappertopf konnten zeigen, dass auch im zweiten Jahr nach der Ansaat noch Samen aufgehen, allerdings in verminderter Stärke als ursprünglich ausgesät. Tritt solch ein Fall ein, sollte die Fläche im ersten Jahr nach der Aussaat gründlich nach Keimlingen abgesucht werden. Sind keine oder nur wenige zu finden, kann die Fläche gemäht werden, damit die Verkehrssicherheit erhalten bleibt.

Junge Pflanzen in einer Wiese
Keimlinge des Klappertopfes sind oft schwer auszumachen © Josephine Kuczyk

Bisher wird der Klappertopf noch sehr selten im Straßenbegleitgrün eingesetzt. Daher sind die Erfahrungen im Umgang mit ihm weiterhin rar. Es stehen somit noch viele Versuchsmöglichkeiten offen, wie der Klappertopf als Pflegehelfer genutzt werden kann. Das kann z.B. eine abschnittsweise (z.B. alle 50 m) Einsaat sein oder der Klappertopf wird erst einmal nur auf einer Weg-/Straßenseite verwendet.

Es lohnt sich auszutesten, was für den jeweiligen Standort die beste Variante ist. Wichtig ist dabei nur immer daran zu denken, dass der Klappertopf während der Keimung viel Licht braucht und das ganze Jahr überabsolut mahdsensibel ist. 


Weiterführende Informationen

Saatgut: Produktsuche | Rieger-Hofmann Shop

Erprobungs-Vorhaben: „Klappertopf“-Projekt in Schleswig-Holstein: schleswig-holstein.de – Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein – LBV.SH: Insekten-Tankstellen erblühen an Straßenrändern im echten Norden (abgerufen am 24.03.2025)

Vortrag: Klappertopf als Pflegehelfer im Straßenbegleitgrün; BROMMI, Dr. Josephine Kuczyk

Literatur:
Klappertopf, Zottiger – eAGFF – Fachwissen im Futterbau (Arbeitsgemeinschaft zur Förderung des Futterbaus eAGFF, 2025. (abgerufen am 07.03.2025)

• Hartley, S.E., Green, J. P., Massey, F. P., Press, M. C. P., Stewart, A., & John, E. A. (2015): Hemiparasitic plant impacts animal and plant communities across four trophic levels. Ecology, 96(9), pp 2408-2416.

• S. Boch et al. (2016): Rhinanthus alectorolophus (Zottiger Klappertopf) kann die Diversität in Wiesen erhöhen. N&L inside (Konferenz der Beauftragten für Natur- und Landschaftsschutz, Herisau, Schweiz). 1/2016, pp 20-24.

• Ievinsh, G. (2024): Biology of Hemiparasitic Rhinanthus Species in the Context of Grassland Biodiversity. Land, 13, p 814.

• Moncalvillo, Sandner & Matthies (2025): Legumes vary strongly in their quality as hosts for parasitic plants: interactions between the root hemiparasite Rhinanthus alectorolophus and 30 legume species. Annals of Botany, https://doi.org/10.1093/aob/mcaf023 (abgerufen am 24.03.2025).

• Pywell, R.F. et. Al (2004): Facilitating grassland diversification using the hemiparasitic Plant Rhinanthus minor. Journal of Applied Ecology, 41, pp 880-887.

• Schmeil, O. (1951): Leitfaden der Pflanzenkunde. Verlag Quelle & Meyer, Heidelberg.


Autor*innen:

• Dr. Josephine Kuczyk, BROMMI-Projektmanagerin Biosphärenreservat Schaalsee

• Hanna Rubenbauer, BROMMI-Projektmanagerin Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin

• Holger Pfeffer, ZALF

 

Keine Quellen gefunden.

Spenden Fördermitglied werden