Mehrjährige Blühflächen im Ackerbau

Richtig angelegte und gepflegte Blühstreifen bieten Insekten Nahrung, Schutz und dauerhafte Lebensräume. Dieses Praxisbeispiel zeigt: Mit mehrjährigen Mischungen, abschnittsweiser Pflege und ungemähten Bereichen entstehen wertvolle Rückzugsorte – und lebendige Verbindungsachsen zwischen Lebensräumen.
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- ↓ Zusammenfassung
- ↓ Mehrwert für den Insektenschutz
- ↓ Mehrwert für die Landwirtschaft
- ↓ Standortvoraussetzungen
- ↓ Umsetzung
- ↓ Herausforderungen und Aufwand
- ↓ Erfahrungen und Tipps für die Praxis
- ↓Weiterführende Informationen
Zusammenfassung
Die Anlage von Blühstreifen gehört zu einer der am häufigsten umgesetzten Maßnahmen zum Schutz von Insekten. Doch nicht jeder blühende Streifen am Weges- oder Ackerrand trägt zu ihrem Erhalt bei. Falsch platzierte oder falsch gepflegte Blühstreifen können sogar eine regelrechte Todesfalle darstellen.
Um einen guten und vor allem langfristigen Lebensraum zu schaffen, sollten bevorzugt mehrjährige Blühstreifen angelegt werden. Hier haben auch die Insektenarten eine Überlebenschance, die für ihre Entwicklung mehr als nur ein Jahr benötigen.
Für die Anlage gilt: je besser die Vorbereitung des Saatbetts, desto weniger Arbeit bei der anschließenden Pflege des Blühstreifens. Nach erfolgreicher Ansaat folgt die Pflege – optimalerweise mit abschnittsweisen Pflegeschnitten und überjährig ungemähten Bereichen. Besonders das erste Jahr kann sehr pflegeintensiv sein.
Hat sich der Blühstreifen erst einmal etabliert, kann die Pflege auf ein geringes Maß reduziert werden. Auch eine gut entwickelte Blühfläche sollte jedoch regelmäßig gepflegt werden, um die Artenvielfalt der Pflanzen zu erhalten und sie zu einem dauerhaften Lebensraum zu entwickeln.
Mehrwert für den Insektenschutz
Blühstreifen bieten nicht nur Nahrung für blütenbesuchende Insekten wie Schmetterlinge und Wildbienen, sondern können bei richtiger Pflege auch dauerhafte Lebensräume und Nistmöglichkeiten darstellen.
Je diverser die Zusammensetzung der angesäten Pflanzen, desto mehr unterschiedliche Insekten nutzen den Blühstreifen. Bleibt mindestens ein Teil des Streifens überjährig stehen, können Insekten darin geschützt den Winter überdauern. Ungemähte Bereiche, die mehr als zwei Jahre in Folge stehen bleiben, ermöglichen langsam wachsenden Insekten und auf alte Pflanzenstrukturen spezialisierten Arten ihre Entwicklung abzuschließen und sich erfolgreich fortzupflanzen.
Als verbindendes Element zwischen Biotopen, z.B. entlang eines Ackerrandes oder zwischen zwei Waldflächen, kann ein Blühstreifen zudem auch als Wanderkorridor genutzt werden. Auf diesem können sich Insekten von einem Lebensraum in den nächsten ausbreiten. Denn viele Insekten sind nicht in der Lage große Distanzen mit einem Mal zurückzulegen, sondern müssen ihren Weg in kleinere Abschnitte einteilen. Endet ein Abschnitt z.B. auf einem Maisacker, ist das Insekt ein gefundenes Fressen für Vögel und andere Räuber. Ein Blühstreifen hingegen bietet den „Wanderern“ Deckung vor Fressfeinden, Schutz vor der Witterung (z.B. Starkregen) und ausreichend Nahrungsressourcen.
Mehrwert für die Landwirtschaft
Ein gut etablierter Blühstreifen ist nicht nur für Insekten gut, sondern bringt viele weitere Vorteile mit sich. Ist der Blühstreifen Lebensraum vieler verschiedener Insektenarten, kann sich das positiv auf angrenzende Ackerflächen auswirken. Denn oftmals werden durch Blühstreifen Insekten angelockt, die Schadinsekten wie z.B. Blattläuse zum Fressen gernhaben und so zur Schädlingsbekämpfung in der Kultur beitragen – vorausgesetzt, es werden keine Pflanzenschutzmittel in unmittelbarer Nähe des Blühstreifens verwendet. Neben Insekten lockt ein Blühstreifen auch diverses Niederwild an, wodurch der Streifen eine wichtige Bedeutung als Jagdschneise erhält.
Eine bunt blühende Fläche, auf der sich verschiedenste Schmetterlinge, Wildbienen und Käfer tummeln, kommt der menschlichen Vorstellung von intakter Natur sehr nahe und weckt das Interesse von Nachbarn und Spaziergängern. Ein eindrücklicher Blühstreifen zwischen Monokulturen kann seinen Teil dazu beitragen, dass die Landwirtschaft weg kommt vom dem Verursacher-Image und hin zu einer Vorreiterrolle im Insektenschutz.
Blühstreifen können über verschiedene Programme gefördert werden. Zum Beispiel in der Ökoregelung 1b oder über länderspezifische AUKM. Hierbei gilt es dann die Förderprogramm-spezifischen Vorgaben bezüglich der Pflege zu beachten.
Standortvoraussetzungen
Prinzipiell kann auf jedem Boden ein Blühstreifen angelegt werden. Je nach Bodenart sollte die Artenzusammensetzung entsprechend angepasst werden, so dass nur Pflanzen enthalten sind, die mit den jeweiligen Bodenverhältnissen zurechtkommen. Auf mageren Standorten eignen sich Blühmischungen mit Arten wie etwa Gewöhnlicher Thymian und Tauben-Skabiose, auf nährstoffreichen Standorten behaupten sich Blühmischungen mit Arten wie Gewöhnliche Kornrade und Acker-Hundskamille gut.
Blühstreifen sollten auf einer möglichst besonnten Fläche angelegt werden, da sie nur hier ihre volle Wirkung für Insekten entfalten können. Ein Blühstreifen im Schatten ist zwar auch mit entsprechenden Pflanzenarten möglich, ist aber nur für wenige Insektenarten interessant.
Die Anlage von Blühflächen auf Verkehrsinseln oder beidseitig an Straßenrändern ist zu vermeiden, da die Insekten so durch den ständigen Autoverkehr gefährdet werden und sich der gut gemeinte Blühstreifen in eine Todesfalle verwandelt.
Umsetzung
Bodenbearbeitung vor der Aussaat
Ein sauberes Saatbett bietet angesäten Wildpflanzen ideale Startbedingungen. Dafür sollte der Boden vor einer Neuanlage mittels Fräse, Grubber o.ä. umgebrochen werden. Wichtig ist, dass die Grasnarbe 5-10 cm tief entfernt wird. Wurzelunkräuter wie Ampfer, Ackerwinde und Quecke können durch mehrmaliges Grubbern beseitigt werden, da so die Wurzeln an die Oberfläche geholt werden und dort vertrocknen.
Bei Vorkommen von Samenunkräutern wie Hirtentäschel, Weißer Gänsefuß und Kamille kann eine sogenannte Schwarzbrache helfen. Hierzu wird die frisch umgebrochene Fläche erst einmal mehrere Wochen unberührt gelassen. Dadurch keimen die noch im Boden vorhandenen Samen. Mit einer erneuten flachen Bodenbearbeitung (mittels Egge oder Fräse) werden die Keimlinge zerstört. Bei Bedarf kann dieser Schritt mehrmals wiederholt werden. Die letzte Bearbeitung des Bodens darf nur noch oberflächlich geschehen, damit keine neuen Samen aus tieferen Erdschichten zu Tage gefördert werden.
Aussaatzeitraum
Für eine erfolgreiche Ansaat ist Feuchtigkeit entscheidend. Damit die Samen optimal quellen und keimen können, bedarf es nach der Aussaat mindestens drei Wochen durchgehende Feuchtigkeit im Boden. Bei einer Aussaat im Frühjahr sollte daher eine regenreiche Phase abgewartet werden. Da leichte, aber ergiebige Landregen im Frühjahr immer seltener werden, kann es passieren, dass eine Frühjahrsansaat nur langsam aufläuft und sich der Blühstreifen zunächst nur sehr spärlich entwickelt. In besonders regenarmen Regionen ist daher eine Aussaat im Spätsommer/Herbst zu empfehlen. Die Feuchtigkeit über den Herbst reicht aus, damit die Pflanzen in Form von kleinen Blattrosetten in den Winter gehen können. Die heimischen, mehrjährigen Wildkräuter können in dieser Form auch Fröste überstehen und entwickeln sich im darauffolgenden Frühjahr aufgrund ihres Entwicklungsvorsprunges schneller. Allerdings ist bei einer Spätsommer-Ansaat zu beachten, dass einjährige Arten frostempfindlich sind und so den Winter nach der Ansaat oftmals nicht überstehen.
Die meisten Wildpflanzen benötigen direktes Sonnenlicht zum Keimen. Die Samen sollten daher obenauf liegen und nicht in den Boden eingearbeitet werden. Für einen besseren Bodenschluss empfiehlt es sich das Saatgut im Anschluss zusätzlich anzuwalzen, z.B. mit einer Rasenwalze. Um die Samen vor hungrigen Vögeln und Witterungseinflüssen zu schützen, kann eine lockere Mulchschicht aus Grasschnitt auf der Fläche verteilt werden. Dabei dürfen im Schnittgut keine Samen enthalten sein, da diese sonst ungewollte Arten in die Fläche tragen.
Die ersten Keimlinge erscheinen bei feuchtem Boden nach zwei bis drei Wochen. Die Entwicklung der Wildpflanzen erstreckt sich über eine ganze Vegetationsperiode. Oftmals keimen nicht alle ausgebrachten Samen schon im Anlagejahr. Auch in den Folgejahren können immer noch Samen aus der Blühmischung auflaufen. Während einjährige Arten bereits im Ansaatjahr zur Blüte kommen (nur bei Frühjahrs-Ansaat!), blühen mehrjährige Arten erst im zweiten Jahr.
Aussaatmischung
Wenn möglich sollte regionales Saatgut verwendet werden. Denn im Laufe der Evolution haben sich die hier vorkommenden Insekten an die heimische Flora angepasst und zum Teil sehr enge Abhängigkeiten entwickelt. Pflanzen, die ihren Ursprung außerhalb Deutschlands haben, unterscheiden sich zum Teil deutlich von ihren hier heimischen Verwandten und viele von ihnen sind besonders für spezialisierte Insektenarten nicht nutzbar. Aber auch innerhalb Deutschlands gibt es bereits regionale Unterschiede, z.B. in Blühzeitpunkt und -dauer zwischen Pflanzen einer Art. Daher sollte beim Kauf von Saatgut darauf geachtet werden, dass es aus derselben Region stammt, in der es ausgebracht werden soll.
In jedem Fall sollte die Blühmischung aus vielen verschiedenen Pflanzenarten bestehen, denn nicht alle werden auf der Fläche auflaufen. Je diverser die Ansaat, desto ergiebiger die Artenvielfalt des Streifens.
Dabei sind Saatmischungen für mehrjährige Blühstreifen zu bevorzugen, die langfristigen Lebensraum für Insekten schaffen.
Ansaatmenge
Die Ansaatstärke hängt von der Artenzusammensetzung der Blühmischung ab. Bei Mischungen mit hohem Wildkräuteranteil liegt sie in der Regel zwischen 2 bis 3 g/m2. Da die Samen besonders von Wildkräutern sehr klein und zart sind, sollte das Saatgut mit trockenem Sand, Sägemehl oder geschrotetem Mais auf 10g/m2 gestreckt werden, um so eine gleichmäßigere Ausbringung der feinen Samen erreichen zu können.
Pflege – Im Anlagejahr:
Circa 6-10 Wochen nach der Aussaat entscheidet sich, ob ein Pflegeschnitt notwendig ist oder nicht. Sollten trotz guter Saatbettvorbereitung noch unerwünschte Pflanzen wie Weißer Gänsefuß oder Kamille auf dem Blühstreifen wachsen, können diese mit einer gezielten Pflege beseitigt werden. Dafür sollte ein Schröpfschnitt auf einer Höhe von fünf bis sechs cm erfolgen. Bei besonders hoher Blattmasse sollte nach Möglichkeit das Schnittgut zusätzlich von der Fläche entfernt werden.
Treten nur vereinzelt unerwünschte Pflanzen auf, können diese auch per Hand aus der Fläche entfernt werden. Bei erneutem Aufwuchs der Unerwünschten sollte der Schröpfschnitt noch ein- bis zweimal wiederholt werden. Dies ist allerdings nur so lange möglich, bis die Keimlinge des Saatgutes zu groß werden und Gefahr laufen, durch den Mäher ebenfalls erfasst zu werden. Erfahrungsgemäß reicht ein Schröpfschnitt zum richtigen Zeitpunkt meist aus.
Pflege – In den Folgejahren
Die Pflege eines Blühstreifens hängt stark von der Fläche und den Witterungsbedingungen ab. Grundsätzlich besteht ohne Pflege die Gefahr der Vergrasung. Dadurch wird der Blühstreifen für Insekten unattraktiver. Im besten Fall sollten die Flächen daher regelmäßig kontrolliert werden. Nehmen Gräser überhand, sollte ein Blühstreifen zur Blütezeit der Gräser im Mai-Juli gemäht werden (siehe Erfahrungen und Tipps für die Praxis).
Wächst der Blühstreifen auf besonders nährstoffreichen Böden entwickelt sich schnell eine dichte Pflanzenmatte, die kaum noch offene Bodenstellen zulässt. Diese sind jedoch für Boden-nistende Insekten wie zahlreiche Wildbienen essenziell, um den Blühstreifen als dauerhaften Lebensraum zu nutzen. Daher sollte bei sehr wüchsigen Blühstreifen ein Teil der Fläche im Frühsommer (Juni/Juli) gemäht werden. So werden neue offene Bodenstellen geschaffen und zudem verlängert sich die Blühphase, da die nachwachsenden Pflanzen noch einmal eine zweite Blüte entwickeln, die je nach Pflanzenart und Witterung bis in den November reichen kann.
Grundsätzlich ist es zu empfehlen, die Fläche in einzelne Abschnitte aufzuteilen und diese zu unterschiedlichen Zeiten zu mähen. So finden Insekten (und Feldvögel) auch nach einer Mahd weiterhin einen Rückzugsort vor. Zwischen den Schnitten der unterschiedlichen Abschnitte sollte mindestens ein Monat liegen. Nur dann hat sich der gemähte Bereich bereits soweit erholt, dass die Insekten bei der Mahd des ungemähten Abschnitts in den nachgewachsenen Teil flüchten können. In niederschlagsarmen Zeiten ist der Abstand zwischen den Schnitten auf mindestens 1,5 Monate zu vergrößern, da die Pflanzen langsamer nachwachsen.
Um Luft für die nachwachsenden Pflanzen zu schaffen, sollte das Schnittgut nach Möglichkeit nach zwei bis drei Tagen von der Fläche entfernt werden. So wird der Nährstoffeintrag auf der Fläche geringer, zum Vorteil der Wildkräuter, von denen die meisten magere Böden bevorzugen. Allerdings kann es einige Zeit dauern, bis sich ein sichtbarer Erfolg einstellt.
Herausforderungen und Aufwand
Einen artenreichen Blühstreifen mit Wildpflanzen anzulegen, ist insbesondere im ersten Jahr mit einem erhöhten Aufwand verbunden. Danach braucht es vor allem eins: Geduld. Oftmals zeigen Blühstreifen aus Wildpflanzensaatgut ihre volle Pracht erst im zweiten Standjahr. Wenn also im ersten Jahr der Aufwuchs bescheiden ausfällt oder aus nur wenigen Arten besteht, bedeutet dies nicht, dass der Streifen noch einmal neu angelegt werden muss.
Auch richtet sich die Pflege eines Blühstreifens sehr stark nach den Standortbedingungen und kann nicht 1:1 auf jeder Fläche gleich umgesetzt werden. Vielmehr sollte man die Entwicklung des Blühstreifens beobachten und nur tätig werden, wenn Probleme (unerwünschte Pflanzen, Vergrasung etc.) auftreten. Mit perfekten Standortbedingungen (z.B. auf nährstoffarmen Böden) kann sich ein Blühstreifen auch so gut entwickeln, dass nach der erfolgreichen Ansaat keinerlei Pflege notwendig ist und der Streifen auch nach mehreren Jahren noch arten- und blütenreich ist. Doch in der Praxis ist dieses Szenario eher eine Seltenheit.
Bei allen Empfehlungen zu einer optimalen Pflege von Blühstreifen ist eines besonders wichtig: sie müssen auch durchführbar sein. Wird der Blühstreifen im Rahmen eines Förderprogrammes (z.B. AUKM oder Vertragsnaturschutz) angelegt, sollte im Vorfeld abgeklärt werden, welche Vorgaben es bezüglich der Pflege gibt.
Die größte Herausforderung bei Blühstreifen stellt die Entsorgung des Schnittgutes nach der Mahd dar. Besonders auf wüchsigen Standorten ist ein Beräumen der Fläche wichtig, um den nachwachsenden Pflanzen Luft zu verschaffen. Das Schnittgut kann dabei oftmals nur entsorgt werden, was mit zusätzlichen Kosten und einem erhöhten Aufwand verbunden ist.
Auch die Beschaffung von regionalem Saatgut kann eine Herausforderung werden, da nicht für alle Herkunftsregionen gleichermaßen viel Material produziert wird bzw. einzelne Arten für manche Regionen gar nicht verfügbar sind. Zudem ist Regiosaatgut, aufgrund der aufwändigeren Produktion, teurer als konventionelles Saatgut. Je nach Mischung kann der Preis für einen Hektar Fläche schon mal zwischen 1.000 € und 1.900 € liegen.
Erfahrungen und Tipps für die Praxis
Wenn sich der Blühstreifen trotz intensiver Saatbettvorbereitung und anschließender Pflege nicht so entwickelt, wie erhofft, muss er nicht sofort umgebrochen und neu angelegt werden. Auch alte, verarmte Blühflächen lassen sich oftmals mit einer Umstellung der Pflege aufwerten. Bevor man also einen Blühstreifen umbricht und neu anlegt, sollte Nachfolgendes ausprobiert werden:
- Mahd bei Gräserdominanz: Oftmals sind im Boden noch einige Wildkräuter vorhanden, die sich aufgrund der Dominanz der Gräser nicht mehr entwickeln können. Hier empfiehlt sich eine Mahd während der Blütezeit der Gräser (Mai – Juli). Allerdings sollte man zu dieser Zeit besonders auf bodenbrütende Vögel achten und ggf. Teilflächen aussparen. Es empfiehlt sich bei der Mahd nicht unter 10 cm zu schneiden, um die noch vorhandenen Wildkräuter nicht zu stark zu schädigen. Zudem sollte das Mahdgut, wenn möglich, nach ca. zwei bis drei Tagen abtransportiert werden. Allerdings kann es einige Zeit dauern, bis sich ein sichtbarer Erfolg einstellt. Sollte nach zwei Jahren noch keine Änderung eintreten, ist vermutlich das Samenpotenzial im Boden erschöpft und eine Neuansaat unumgänglich.
- Einsaat Klappertopf bei Gräserdominanz: Eine weitere Möglichkeit, die Dominanz von Gräsern auf einem Blühstreifen zu schwächen, ist der gezielte Einsatz des Halbparasiten Klappertopf (siehe auch Praxisbeispiel Klappertopf im Straßenbegleitgrün). Diese krautige Pflanze entzieht vor allem Gräsern in ihrer unmittelbaren Umgebung Wasser und Nährstoffe und hemmt diese so in ihrem Wachstum. Dadurch wird der Bestand lichter, wodurch die Wildkräuter mehr Platz zum Wachsen erhalten.
- Für die Einsaat des Klappertopfes braucht es keine Bodenbearbeitung. Die Fläche sollte lediglich im Vorfeld gemäht werden. Am besten erfolgt die Aussaat des Klappertopfes im Herbst, da die Samen eine längere Frostperiode für ihre Keimung benötigen. Je nach Standort kann es sein, dass der Klappertopf nicht sofort in Massen aufläuft. Oftmals tritt die Art erst im zweiten Jahr nach der Aussaat in voller Stärke auf. Wenn der Klappertopf sich in der Fläche etabliert hat, müssen die Pflanzen die Gelegenheit zur Aussamung erhalten, sonst verschwinden sie wieder aus der Fläche. Daher ist es essenziell, erst nach Ausreifung der Samen (ca. Mitte August) zu mähen.
- Bei artenarmen Flächen: Ist das Samenpotenzial einer Fläche erschöpft, kann es sein, dass eine Mahdumstellung nicht den erwünschten Effekt hat. Doch auch dann ist ein vollständiger Umbruch nicht zwingend erforderlich. Durch „Arten-Hotspots“ in Form von neu angelegten Streifen in der bestehenden Fläche, können sich neu angesäte Wildkräuter bei entsprechend angepasster Pflege nach und nach von dort in die verarmte Fläche ausbreiten. Ähnlich wie bei der Neuanlage einer Blühfläche wird auch bei der streifenweisen Neuansaat die vorhandene Grasnarbe entfernt, die neue Saat ausgebracht und angewalzt. Sind die neuen Wildpflanzen erfolgreich aufgelaufen, gelten für die Pflege dieselben Vorgaben, wie auch bei der normalen Ansaat eines Blühstreifens. Haben sich die neuen, kleinen Blühstreifen in der Fläche etabliert, kann die Mahd der gesamten Fläche so geplant werden, dass Gräser zurückgedrängt und die Wildkräuter gefördert werden.
Weiterführende Informationen
• Startseite Rieger-Hofmann – unter der Rubrik „Wissen“ finden sich ausführliche Informationen rund um das Thema Blühstreifen/-flächen (abgerufen am 11.05.2026)
• Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt des Landes Sachsen-Anhalt (2015): „Hinweise zur erfolgreichen Anlage und Pflege mehrjähriger Blühstreifen und Blühflächen mit gebietseigenen Wildarten“ (abgerufen am 11.05.2026)
• Bundesinformationszentrum Landwirtschaft (BZL) (2023): Ratgeber „Blüh- und Randstreifen in der Agrarlandschaft“ (abgerufen am 11.05.2026)
• Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FibL): Video „Blühstreifen im Ackerbau: Saatgut und Anbau“ (abgerufen am 11.05.2026)
• BROMMI-Erklärfilm “Pflege mehrjähriger Blühflächen in der Landwirtschaft“ (abgerufen am 11.05.2026)
• BROMMI-Schautafel „Mehrjährige Blühflächen“ (PDF-Download)
Keine Quellen gefunden.




















