Hafer mit artenreicher Untersaat © WWF Deutschland

Dieses Praxisbeispiel zeigt, wie Getreide in weiter Reihe mit artenreicher Untersaat die Biodiversität fördert, welche Chancen sich für Bodenfruchtbarkeit und Schädlingsregulierung bieten und worauf es bei der praktischen Umsetzung ankommt. 

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Zusammenfassung

Der Anbau von Getreide in weiter Reihe mit einer blühenden Untersaat kann die Pflanzenvielfalt und das Blütenangebot in Getreidefeldern deutlich erhöhen. Insbesondere blütenbesuchende Insekten finden so in den sonst nahrungsarmen Getreidefeldern Lebensraum. Die Untersaat ist niedrigwüchsig und behindert idealerweise das Wachstum und die Ernte des Getreides nicht. Nach der Ernte des Getreides kann die Untersaat als diversifiziertes Kleegras auf dem Feld verbleiben und bietet Insekten sowie Hasen, Rebhühnern und weiteren Wildtieren ein Winterhabitat.

Damit sind Untersaaten eine produktionsintegrierte Maßnahme. Landwirte schaffen parallel zum Anbau von Getreide Nahrungsquellen für blütenbesuchende Insekten. Erntemenge und Qualität können sich durch die Untersaat je nach Witterung verbessern oder verringern, wie Erfahrungen aus Projekten zeigen. In die untenstehende Maßnahmenbeschreibung sind Erkenntnisse aus einem deutschlandweiten Modellvorhaben (IFAB und KTBL 2024) sowie Erfahrungen von Landwirtinnen und Landwirten aus den Biosphärenreservaten Rhön und Schaalsee im Projekt BROMMI eingeflossen.


Mehrwert für den Insektenschutz

Der Getreideanbau in weiter Reihe mit einer artenreichen Untersaat steigert das Nektar- und Pollenangebot in den Feldern. Dazu tragen die Blüten der Untersaat sowie eine vermehrte Blütenbildung von Beikräutern durch die weite Reihe bei. Eine artenreiche Untersaat lässt bei einer Saatstärke von 10 kg/ha genug Raum für unproblematische Beikräuter wie Taubnessel und Ehrenpreis. Die Arten der Untersaat werden so gewählt, dass unterschiedliche Blühzeitpunkte ein Nahrungsangebot für eine Vielzahl an Insekten zwischen April und November ermöglichen.

Auf großen Schlägen können Streifen mit Untersaaten eine Brücke für Insekten zwischen naturnahen Strukturen bilden und so Lebensräume vernetzen. Viele Nützlinge sind auf Nektar und Pollen angewiesen und können durch das Nahrungsangebot besser zur Schädlingskontrolle im Getreide beitragen. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass Untersaaten im Getreide maßgeblich die Zahl der Insekten erhöhen. So kann z.B. die Anzahl der im Feld aktiven Laufkäfer, die wichtige Blattlausräuber sind, gesteigert werden. Mit dem verminderten Blattlausbefall wird die Wahrscheinlichkeit einer Insektizidanwendung, die auch viele unproblematische oder nützliche Insekten tötet, verringert (s. auch Abschnitt Erkenntnisse aus der Forschung).


Mehrwert für die Landwirtschaft

Auf den Getreideflächen erfolgt nach der Aussaat der artenreichen Untersaat keine Beikrautregulierung oder Düngung. Die Betriebe sparen damit Arbeitszeit, Pflanzenschutz- und Düngemittel, sowie Diesel und Maschinenkosten. Dem steht die eingeschränkte Regulierung von problematischen Beikräutern gegenüber. Für die Erntemenge und Qualität zeigen Erfahrungen aus dem BROMMI-Projekt (2023-2024) Potential für unverminderte Getreideerträge bei besserer Qualität ebenso wie das Risiko von Ertrags- und Qualitätseinbußen (s. auch Abschnitt Herausforderungen und Aufwand).

Durch den hohen Leguminosenanteil verbessert die Blühmischung der Untersaat die Bodenfruchtbarkeit. Die Bodenbedeckung trägt darüber hinaus zum Erosionsschutz bei. Die Erfahrungen zeigen einen positiven Vorfruchtwert für die Folgekulturen. Damit stehen den möglichen Ernteverlusten die positiven Effekte für die Biodiversität (s. auch Abschnitt Mehrwert für den Insektenschutz), sowie die verbesserte Bodenstruktur und -fruchtbarkeit gegenüber.

Fazit: Das Blühsaat-Getreide kann als produktionsintegrierte und biodiversitätssteigernde Anbauform etabliert werden. Ein Ausgleich der Ertragsrisiken sollte über staatliche Förderprogramme erfolgen.

Eine Förderung von Untersaaten würde für konventionelle Betriebe Anreize schaffen, Erfahrungen im Anbau von Getreide ohne chemisch-synthetischen Pflanzenschutz zu sammeln.

Für ökologische Betriebe kann die Ansaat einer leguminosenreichen Mischung als Untersaat die Etablierung von Kleegrasbeständen bei eher trockenen Spätsommern erleichtern. Dabei können Landwirte teilweise auf die Erfahrungen bei der Kleegrasansaat über Untersaaten aufbauen.


Standortvoraussetzungen

Geeignet sind alle Flächen oder Teilflächen, auf denen kein starker Druck durch problematische Beikräuter, insbesondere Wurzelbeikräuter, besteht. Teilflächen mit problematischen Arten sollten nicht in die Maßnahme einbezogen werden, da nach Aussaat der Untersaat keine Beikrautregulierung auf den Flächen mehr zulässig und möglich ist.

Flächen mit geringer Bodenfruchtbarkeit sollten dagegen vorzugsweise als Lichtäcker in weiter Reihe ohne Untersaat bewirtschaftet werden, da sie so ein höheres Potenzial für die Biodiversität mit seltenen standorttypischen Arten an Ackerwildkräutern aufweisen.


Umsetzung

Bodenvorbereitung und Düngung
Vor der Getreideaussaat wird eine Beikrautregulierung z.B. durch ein „falsches Saatbett“ empfohlen. Flächen mit erfahrungsgemäß hohem Beikrautdruck sind für diese Anbauform ungeeignet. Wichtig ist zudem eine reduzierte Düngung auf den Maßnahmenflächen, da ein hoher Nährstoffgehalt das Aufkommen von problematischen Beikräutern (Kamille, Kletten, Gänsefuß) fördert.

Aussaat-Zeitpunkt und -Praxis

Zwei Ackerreihen mit Hafer bestanden, dazwischen eine niedrige Reihe u.a. mit Klee
Untersaat unter Hafer © Sara Preißel

Um der Untersaat genug Raum und Licht zu geben, ist ein Reihenabstand von mindestens 30 cm nötig. Bei einem betrieblichen Reihenabstand von 11 cm oder 12,5 cm sollte daher eine doppelreihige Aussaat erfolgen, bei der jeweils zwei nebeneinanderliegende Schare geöffnet und zwei geschlossen sind, um zwischen den Doppelreihen auf einen Abstand von 33 cm oder 37,5 cm zu kommen. Die Saatstärke des Getreides wird dabei auf 70 % der betriebsüblichen Saatstärke reduziert. Die Aussaat der Untersaat kann sowohl im Herbst zu Wintergetreide als auch im Frühjahr zu Winter- oder Sommergetreide erfolgen.

Wintergetreide: Im Herbst sollte die Untersaat zeitnah nach der Aussaat der Kultur bis Ende September erfolgen. Erfolgt die Aussaat im Wintergetreide zu spät, kann diese sich vor den ersten Frösten nicht ausreichend etablieren und nimmt Schaden. Im Frühjahr kann die Aussaat auch zum Beginn der Bestockung umgesetzt werden, so dass durch das Einstriegeln und Anwalzen zugleich die Getreidebestockung angeregt wird. Hier wurden gute Erfahrungen mit einem Nachsaatstriegel gemacht. Die Frühjahrseinsaat in Wintergetreide ist nur erfolgreich, wenn genügend Wasser verfügbar ist. Bei einer Aussaat der Untersaat im Frühjahr in das Wintergetreide besteht das Risiko, dass die Kulturfrucht einen zu großen Wachstumsvorsprung hat und der Untersaat das notwendige Licht nimmt.

Sommergetreide: Die besten Ergebnisse wurden erfahrungsgemäß bei einer gleichzeitigen oder zeitnahen Aussaat von Kultur und Untersaat erzielt. Auch hier wird die Untersaat meist durch Einstriegeln und Anwalzen ausgebracht. Die Frühjahrsaussaat erfordert eine ausreichende Wasserverfügbarkeit damit die Untersaat aufläuft. In der Sommergerste ist es möglich, die Untersaat gemeinsam mit der Gerste flach einzudrillen (bei reduzierter Ansaatstärke des Getreides).

Viele Arten der Untersaat sind Lichtkeimer. Die Saat darf daher nur oberflächlich abgelegt oder eingebracht werden. Zur Verbesserung des Feldaufgangs sollte die Untersaat Bodenschluss durch Anwalzen oder zeitnahen Niederschlag erhalten.

Saatmischung
Für die Mischung der Untersaaten kann auf vorliegende Empfehlungen zurückgegriffen werden (siehe Kapitel Erfahrungen und Tipps für die Praxis). Im BROMMI-Projekt wurden besonders nützlingsfördernde Arten selektiert und zum Zweck der Bodenverbesserung mit Leguminosen sowie Spitzwegerich (mit einem Gewichtsanteil von 45 %) kombiniert. Spitzwegerich verbessert die Nitratspeicherung im Boden und erhöht damit den Vorfruchtwert von Leguminosen.

Anschlussnutzung
Die Untersaat sollte aus Sicht der Insektenförderung möglichst lange im Herbst stehen bleiben. Meist ist eine Nutzung des Aufwuchses noch vor einem Herbstumbruch möglich. Besonders günstig ist es, wenn die Untersaat als Winterzwischenfrucht bestehen bleibt. Betriebe mit Kleegras in der Fruchtfolge können direkt einen Kleegrasbestand anschließen. Dazu können ggf. Klee oder Luzerne im Herbst in den Bestand nachgesät werden.


Herausforderungen und Aufwand

Das Getreide reagiert auf das Raumangebot in weiter Reihe mit einer stärkeren Bestockung. Dadurch wirkt sich die Reduzierung der Saatstärke nur mäßig ertragsreduzierend auf die Ernte aus.

In eigenen Untersuchungen in BROMMI (2023-2024) auf sechs Sommergetreideschlägen, führte die weite Reihe mit Untersaat im Mittel zu 4 % Ertragseinbußen (Spannweite +20 % bis –14 %). Im trockenen Jahr 2023 stiegen die Erträge und Eiweißgehalte durch die Untersaat leicht, im nasskalten Jahr 2024 wurden Erträge und Eiweißgehalte leicht negativ beeinflusst.

In Jahren mit feuchten Erntebedingungen können zusätzliche Einbußen entstehen, wenn ein hohes Wachstum der Untersaat die Ernte erschwert und eine höhere Kornfeuchte einen Mehraufwand verursacht.

Folgenden Risiken sollte vorgebeugt werden:

  • Eine Aussaat der Untersaat spät im Herbst (nach Ende September) kann dazu führen, dass die noch nicht ausreichend winterharten jungen Pflanzen abfrieren.
  • Flächen bei denen problematische Beikräuter bekannt sind (Kamille, Ackerfuchsschwanz, Klettenlabkraut etc.), sind nicht für die Maßnahme geeignet. Problematische Teilbereiche sollten ausgespart werden.
  • Herbizide schädigen die Untersaat und dürfen während der Vegetationsperiode auf den Flächen nicht zur Anwendung kommen.
  • Bei der Auswahl des Getreides sollte zu robusten langstrohigen Sorten gegriffen werden.
  • Bei unsicherem Gelingen kann eine Anlage als Streifen oder Teilfläche das Risiko streuen.

Erfahrungen und Tipps für die Praxis

Empfehlungen zur Aussaatmischung
In BROMMI (Untersuchungen in 2023 und 2024) zeigten sich Kresse, Leindotter, Dill und Öllein als relativ zuverlässig zu etablierende nützlingsfördernde Arten, die bereits in den für die Schädlingsregulierung wichtigen Monaten Mai bis Juli zur Blüte kamen (siehe Tabelle 1). Die weiteren Arten zeigten jeweils an einzelnen Standorten gute Effekte. Die genaue Artzusammensetzung muss in der Regel an die Saatgutverfügbarkeit angepasst werden.

Tabelle 1: Etablierungserfolg der ausgesäten Artenmischung in BROMMI auf sechs Schlägen mit Sommergerste, Sommerhafer und Sommerweizen (2023-2024)

In den ökologisch bewirtschafteten Sommergetreidefeldern in BROMMI ergänzte der Effekt der blühenden Untersaat das Blütenangebot aus Beikräutern. Je Schlag blühten zu einzelnen Terminen von Mai bis Juli meist 2-3 Beikraut-Arten und 1-2 Untersaat-Arten. Im Mittel steigerte die Maßnahme das Angebot blühender Pflanzenarten um 29 % und die Blütenmenge um 43 % (nur 2024 erfasst, 3 Schläge). Über den Zeitraum des Getreidewachstums wurde so ein gleichmäßigeres und vielfältigeres Blühangebot geschaffen.

Für die Mischung der Untersaaten kann auch auf die Empfehlungen des Projektes „Weite-Reihe-Getreide mit blühender Untersaat“ zurückgegriffen werden (s. Tabelle 2). Hier finden sich weitere Praxiserfahrungen.

Zu beachten ist bei der Saatgutzusammenstellung: Bei Wildarten sollte Regiosaatgut verwendet werden um eine Beeinträchtigung von Wildpflanzen der gleichen Art in der Umgebung zu vermeiden. Im Bio-Anbau ist zertifiziertes Saatgut oder eine mit der Kontrollstelle abgesprochene Ausnahmeregelung erforderlich. Für Biobetriebe hat sich daher eine Auswahl mit Kulturarten als einfacher umsetzbar erwiesen.

Tabelle 2: Zusammensetzung einer artenreichen Untersaat. Tabelle angepasst aus der Broschüre IFAB & KTBL (2024), Seite 8.


Erkenntnisse aus der Forschung

Ergebnisse eines Modell- und Demonstrationsvorhabens zu Untersaaten in Sommergerste und Winterweizen (IFAB und KTBL 2024) zeigen, dass in 90 % der untersuchten Schläge die Artenvielfalt der fliegenden und auf der Blattoberfläche sitzenden Insekten (erhoben durch Kescherfänge) durch weite Reihe mit Untersaat gesteigert wurde. Im Mittel wurden 25 % bis 51 % mehr Gliederfüßergruppen gefunden.

In eigenen zweijährigen Untersuchungen (2023-2024) in BROMMI wurde die Aktivitätsdichte bodenbewohnender Insekten und Spinnen von Mai bis Juli erfasst. Durch die Untersaat in weiter Reihe erhöhten sich auf vier Flächen, auf welchen eine Untersaat erfolgreich etabliert wurde, die Fänge von Laufkäfern im Mittel um 35 % (- 40 % bis + 191 %) bzw. 5 Laufkäfer je Falle (- 3 bis + 21 Individuen/ Falle). Auf den weniger erfolgreich etablierten Flächen fiel der Effekt geringer aus. Laufkäfer können zu einer gesteigerten Schädlingsregulierung beitragen. Die Fänge von Kurzflügelkäfern und Spinnentieren wurden durch die Untersaat dagegen nur minimal beeinflusst. Interessant ist, dass in den Untersaaten Schlupfwespen um 56 % häufiger als Beifang in den Bodenfallen auftraten als in den Vergleichsflächen.


Weiterführende Informationen

• Chalwatzis D., Wangert S., Pfister S.C., Klöble U., Schroers J.O., Bukhovets O., Oppermann R. (2024): „Weite-Reihe-Getreide mit blühender Untersaat- eine neue nachhaltige Getreide-Anbauform“. Broschüre, 24 S. IFAB Mannheim & KTBL Darmstadt. (abgerufen am 16.05.2025)

• Oppermann R., Chalwatzis D., Wangert S., Pfister S.C., Bukhovets O., Schroers J.O., Klöble U. (2024): „Weite-Reihe-Getreide mit blühender Untersaat“. Abschlussbericht. 245 S. IFAB Mannheim & KTBL Darmstadt. (abgerufen am 16.05.2025)

• Preißel S., Glemnitz M., Stein-Bachinger K. & Döring T.F. (2026): Förderung von Insekten und Schädlingsregulation durch blütenreiche Untersaaten in Getreide. S. 428-431 In: Kemper, R., M. Athmann, A. Häring, D. Neuhoff, M. Müller-Lindenlauf, L. Schmitz, C. Stumm, I. Tiemann & T.F. Döring [Hrsg.], (2026) Tagungsband zur 18. Wissenschaftstagung Ökologischer Landbau, Widerspruch begegnen – viele Antworten, ein Ökolandbau. 3. bis 6. März 2026 an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn (abgerufen am 11.05.2026)

Autor*innen:

• Wiltrud Fischer, BROMMI-Projektmanagerin Biosphärenreservat Rhön

• Sara Preißel-Reckling, ZALF

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