Beetle Banks – Käferwälle als Struktur und Erosionsschutz im Acker

Beetle Banks schaffen Strukturreichtum © Sara Preißel-Reckling

Käferwälle schaffen wertvolle Rückzugsorte mitten in der Agrarlandschaft: Sie bieten Insekten, Spinnen und Feldvögeln Schutz, fördern die natürliche Schädlingsregulation und verbessern zugleich den Erosionsschutz sowie Wasserrückhalt. Das folgende Praxisbeispiel zeigt, worauf es bei Umsetzung, Pflege und langfristiger Entwicklung in der Praxis ankommt.

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Zusammenfassung

Käferwälle (Beetle Banks) sind ca. 50 cm hohe wallförmige Strukturen, die durch mehrmaliges Pflügen eines Streifens von beiden Seiten aufgehäuft werden. Sie haben vielfältige Funktionen. Insbesondere dienen Sie Nützlingen (Insekten und Vögeln) als Ausweich- und Überwinterungshabitat. Bei einer Anlage quer zur Hangneigung mindern sie die Erosion und halten Wasser auf der Fläche. Außerdem bieten sie Habitate für viele weitere Tierarten, z.B. bodennistende Vögel und Niederwild. Die Wälle können sowohl innerhalb eines Feldes als auch entlang des Ackerrandes angelegt werden. Eingesät werden sie optimalerweise mit heimischen Blütenpflanzen und Horst bildenden Gräsern.


Mehrwert für den Insektenschutz

Käferwälle machen ihrem Namen Ehre – in ihnen überwintern räuberische Lauf- und Kurzflügelkäfer und auch Spinnen in hohen Dichten. Voraussetzungen hierfür sind die gute Drainage und schnelle Erwärmung des Bodens in der Wallstruktur, sowie die temperaturausgleichende Wirkung dichter Grashorste und Blattrosetten. Die genannten Artengruppen tragen zur natürlichen Schädlingsregulierung bei. Von hohen Staudenstängeln und Gräsern aus verbreiten sich junge Spinnen, am seidenen Faden fliegend, ins Feld hinein, wo sie ihre räuberischen Aktivitäten entfalten können.

Angesäte Blühpflanzen bieten Nahrung für viele Insekten. Auch ermöglicht die Bearbeitungsruhe vielen Arten eine Fortpflanzung, Entwicklung und Überwinterung im Boden, der Streu und an Pflanzenstängeln vorjähriger Stauden.

Der Käferwall schafft ein vielfältiges Mikroklima, in dem kleinste Habitate entstehen. Der obere und sonnenexponierte Teil bietet ideale Voraussetzungen für wärmeliebende Arten. Feuchtigkeit liebende Arten, wie Heuschreckenlarven, können sich auf die kühlere und feuchtere Schattenseite und in die verbliebenen Pflugfurchen zurückziehen.

In Phasen von Starkregen bilden die Wälle Rückzugsinseln auf überschwemmten Flächen. In den Pflugfurchen können sich Pfützen teilweise lang genug halten, um die Entwicklung von wasserbewohnenden Köcherfliegenlarven zu ermöglichen. Unter trockeneren Bedingungen bieten die Pflugfurchen dagegen ein Nisthabitat für Wildbienen, wie im BROMMI-Projekt am Schaalsee aufgefunden. Mäusenester, die von Füchsen ausgegraben werden, lassen größere Kuhlen entstehen, in denen Hummeln ihre Nester ansiedeln.

Insbesondere zur Erntezeit bilden die Insektenwälle einen Rückzugsbereich, wenn angrenzende Felder abreifen, beerntet und bearbeitet werden und keinen Lebensraum bieten. Das hohe Insektenaufkommen lockt wiederum insbesondere Vögel an, die hier viel Nahrung für die Aufzucht ihrer Brut auffinden.

Somit kann durch Anlage eines drei bis vier Meter breiten, mit diversen Wildarten eingesäten Käferwalls eine hochwertige Saumstruktur geschaffen werden, wie sie sich natürlicherweise nur über lange Zeiträume entwickelt. Der Wall bietet unterschiedliche Strukturen im Lauf der Jahreszeiten und der Jahre nach der Anlage.

Natürlich gewachsene Strukturen, z.B. entlang unbefestigter Wege und Heckensäume, erfüllen ähnliche Funktionen, sofern sie richtig gepflegt werden. Dazu gehört Mähen in Abschnitten statt Mulchen sowie möglichst wenige Störungen durch Überfahrten.


Mehrwert für die Landwirtschaft

Käferwälle schaffen Habitatstrukturen, die Nützlingen wie räuberischen Käfern und Spinnen eine Besiedlung des Ackers ermöglichen. Diese Artengruppen tragen zur natürlichen Schädlingsregulierung bei.

Entlang von Konturlinien an Hängen unterstützen die Wälle den Erosionsschutz und Wasserrückhalt. Das verstärkte Auftreten von Rehen und Niederwild in der Wallstruktur wird von Jägern geschätzt.


Standortvoraussetzungen

Idealerweise werden Käferwälle innerhalb von Ackerflächen angelegt, also schlagteilend für große Schläge oder an der Schlaggrenze bei Kleineren. So schaffen sie zusätzliche Habitatstrukturen, die Nützlingen eine Besiedlung des Ackers ermöglichen. Entlang von Konturlinien an Hängen tragen sie zusätzlich zu Erosionsschutz und Wasserrückhalt bei.

Für eine vereinfachte Bearbeitung werden sie längs zur Bearbeitungsrichtung angelegt mit Abstand zum Feldsaum, um die Durchfahrt vom einen zum anderen Schlag(teil) zu ermöglichen. Viele BROMMI-Landwirte entschieden sich aber auch für eine Anlage am Ackerrand neben anderen Habitaten wie Gräben, Blühstreifen oder unbefestigten Wegen, wodurch ein diverses Habitat geschaffen wird.

Ideal für die Förderung verschiedener Nützlingsarten ist eine Ausrichtung in Ost-Westrichtung. So werden Bereiche mit unterschiedlicher Besonnung und Mikroklima in unmittelbarer Nähe zueinander geschaffen. Käfer und andere Insekten können zwischen besonnten und schattigen Bereichen wechseln und finden optimale klimatische Bedingungen. Auch die Pflanzen reagieren auf die unterschiedliche Besonnung. Es entsteht Strukturreichtum. Bei einer Nord-Süd Ausrichtung ist der Wall gleichmäßig besonnt. Dadurch ergeben sich gute Überwinterungsbedingungen sowie eine frühe Nützlings-Aktivität im gesamten Wall.

Die Anlage ist grundsätzlich auf allen Ackerböden möglich. Der Aufwand ist auf steinigen und schweren lehmigen Böden deutlich höher als auf leichteren Böden.


Umsetzung

Idealerweise wird der Wall im Herbst aufgepflügt. So kann sich der Boden über den Winter setzen und die Erdschollen werden durch die Frosteinwirkung zu einem feinkrümeligen Saatbett im Frühjahr. Unter Umständen müssen zunächst größere Steine entfernt werden, damit das Pflügen möglich ist. Das Aufpflügen erfolgt meist in  mehreren Arbeitsgängen, z.B. wenn der Boden sehr schwer ist. Bei leichten Böden sollte der Wall möglichst hoch aufgepflügt werden, damit die Wallstruktur auch nach dem Setzen des Bodens stabil bleibt. Zum Aufpflügen sollte ein Beetpflug verwendet werden, dessen Schare leicht angekippt werden. Ein Drehpflug eignet sich nicht.

Die weiteren Arbeitsschritte erfolgen möglichst mit kleinen leichten Maschinen, die den Wall seitlich befahren, um ihn nicht wieder nieder zu drücken. Bei den BROMMI-Landwirten hat es sich bewährt, das Saatbett z.B. mit einer Kreiselegge vorzubereiten. Das Saatgut wird mit einer sehr flach eingestellten Saatmaschine ausgebracht, oder mit einem Schneckenkornstreuer oberflächlich abgelegt und anschließend angewalzt. Kleine Flächen können auch von Hand angesät und angewalzt werden.

Für die Einsaat sollte eine Saatgutmischung gewählt werden, die etwa zur Hälfte aus Horst bildenden Gräsern besteht, z.B. Knaulgras oder Rotschwingel. Die andere Hälfte sollten mehrjährige, gebietsheimische Wildkräuter bilden, idealerweise aus Regiosaatgut. Rosetten-formende Stauden und hoch wachsende Arten sollten für eine hohe Strukturvielfalt darin vorhanden sein. Es kann den Arbeitsaufwand verringern, den Wall nur mit Horstgräsern einzusäen, z.B. von Hand, und einen flankierenden Blühstreifen daneben zu säen. Selbstbegrünung hat sich in Studien als weniger günstig für die Überwinterung räuberischer Insekten und Spinnen erwiesen.

In vielen Bundesländern kann der Käferwall als Jagdschneise codiert werden, so dass ein Ausmessen nicht erforderlich ist. Alternativ sind je nach Bundesland z.B. Codierungen als Saumstreifen, Blühstreifen oder Brachstreifen möglich. Hierzu sollten die länderspezifischen Regelungen zuvor erfragt werden.

Wenn sich im ersten Anlagejahr viele Unkräuter etablieren, kann ein hoher Schröpfschnitt erforderlich sein, um deren Aussamen zu verhindern. Bei übermäßiger Vergrasung kann es sinnvoll sein, den Wall nach zwei bis drei Jahren im Frühjahr mit einem Hochschnitt zu mähen. Ansonsten ist keine Pflege nötig.


Herausforderungen und Aufwand

Für die Anlage und Bearbeitung der Insektenwälle sind verschiedene Maschinen und Geräte erforderlich: leistungsstarke Maschinen für das Aufpflügen schwerer Böden, für die weitere Bearbeitung z.B. Kreiselegge, leichter Traktor, Saatmaschine bzw. Schneckenkornstreuer und Walze. Kleine Flächen können auch von Hand angesät und angewalzt werden. Für eventuell erforderliche Schröpfschnitte oder Pflegemahd werden geeignete Mähgeräte gebraucht, optimal geeignet sind Böschungsmäher. Sind die Maschinen und Geräte nicht auf dem Hof vorhanden, müssen benachbarte Landwirte für eine Maschinenleihe oder die Umsetzung im Lohn gefunden werden. Dafür muss zusätzlicher Aufwand für Rüstzeiten und Absprachen eingeplant werden.

Der Aufwand für die Zusammenstellung von gebietseigenem Saatgut kann relativ hoch sein. Für Landbewirtschaftende empfiehlt sich daher die gängigen Mischungen für Blühstreifen der jeweils Bundesland-spezifischen Agrarumweltmaßnahmen mit Horstgräsern zu mischen.

Bei der Anlage des Walles kann es zu erhöhtem Arbeits- und Energieaufwand kommen, wenn Steine entfernt werden müssen. Sowohl bei schweren als auch leichten Böden sind zudem mehrere Arbeitsgänge einzuplanen. Zudem sollte die Aussaat bei windarmer Witterung geschehen, um sicher zu stellen dass das Saatgut auf dem Wall landet und nicht aufgrund der erhöhten Position verweht wird.

Die dichte Vegetation auf den Wällen kann u.U. Rückzugsraum für Mäuse sein. Hier empfiehlt sich das Aufstellen von Ansitzwarten für Greifvögel, um Schäden zu vermeiden.

Werden Insektenwälle nicht als dauerhafte Struktur geplant, muss damit gerechnet werden, dass sie nach ihrer Einebnung eine Kante im Acker hinterlassen. Diese kann in den Folgejahren bei Wechsel der Bearbeitungsrichtung oder -winkel als störend empfunden werden.


Erkenntnisse aus der Begleitforschung

Käferwälle werden häufig mit dem Ziel verbunden, räuberische Käfer und Spinnen für die natürliche Schädlingsregulierung zu fördern. In je zwei im BROMMI-Projekt untersuchten Käferwällen in der Uckermark und Unterfranken überwinterten 2022 insgesamt über 1.500 nützliche Insekten und Spinnen je Quadratmeter. Die am stärksten vertretenen Gruppen waren räuberische Käfer und Spinnen, Schlupfwespen sowie meist räuberische Ohrwürmer und Kurzflügelkäfer. Damit hatten dort deutlich mehr nützliche Insekten und Spinnen erfolgreich überwintert als in einfachen Feldsäumen (insgesamt +32 %).

Aber auch Winterweizenäcker können wichtige Überwinterungshabitate bieten. Sie dienten an einem Standort weniger, an einem anderen extensiv bewirtschafteten Standort in der Uckermark aber auch mehr als doppelt so vielen nützlichen Insekten und Spinnen zur Überwinterung als der Käferwall (im Mittel +47 %).

Ersten Ergebnissen der Begleitforschung im BROMMI-Projekt nach sollte man von Käferwällen keine direkt sichtbaren Effekte auf die Schädlingsregulierung im angrenzenden Acker erwarten. Vielmehr verbreiten sich insbesondere die Laufkäfer von den Käferwällen aus in einem großen Radius, statt im direkten Umfeld zu wirken. Im Umfeld der in BROMMI untersuchten Käferwälle (bis 45 m Abstand) war die Aktivität von Lauf- und Kurzflügelkäfern sowie Spinnen nicht konsistent höher als im Umfeld einfacher Feldsäume. Köderversuche zeigten mehrheitlich eine höhere räuberische Aktivität im Winterweizenschlag im Umfeld der Käferwälle auf (rund +10 Prozentpunkte gefressene Blattlausköder).

Allerdings konnte im Zusammenspiel der vielfältigen Faktoren, die das Schädlingsauftreten lokal beeinflussen, kein verringerter Befall mit Blattläusen oder Getreidehähnchen bei Käferwällen im Vergleich zum Umfeld eines einfachen Feldsaumes festgestellt werden. Trotzdem können die Insektenwälle zu langfristig höheren und stabileren Populationen natürlicher Gegenspieler in der Agrarlandschaft beitragen.


Weiterführende Informationen

• Preißel, S., Glemnitz, M., Stein-Bachinger, K., Döring, T.F. (2023): Förderung der natürlichen Schädlingskontrolle in Winterweizen durch struktur- und blütenreiche “Käferwälle”. 63. Deutsche Pflanzenschutztagung, Göttingen, 26.- 29. September 2023, Kurzfassungen der Vorträge und Poster. (abgerufen am 11.05.2026)

• Preißel, S., Glemnitz, M., Stein-Bachinger, K., Döring, T.F. (2024):  Köderkarten zur Messung der natürliche Schädlingsregulation und ihrer Förderung durch Käferwälle und Untersaaten. 17. Wissenschaftstagung ökologischer Landbau, Gießen, 5. – 8. März 2024, Tagungsband (S. 228). (abgerufen am 11.05.2026)

• Reichardt, P. (2025): Wirkung von Beetle Banks auf die Laufkäferzönose (Carabidae) im angrenzenden Acker in Bezug auf die ökologischen Merkmale Habitatpräferenz und Nahrungsgilde (Masterarbeit), Universität Kassel

• Game Conservancy: Anlage von Beetle banks, mit Video (englisch)

• F.R.A.N.Z.: Landwirt erklärt Naturschutzmaßnahme „Insektenwall“, mit Video

Im Internet finden sich viele Praxisvideos zum Stichwort „Beetle Banks“, zum Beispiel:


Autor*innen

• Wiltrud Fischer, BROMMI-Projektmanagerin Biosphärenreservat Rhön

• Sara Preißel-Reckling, ZALF

 

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