Insektenschutzmaßnahmen auf Außengeländen von Schulen und Kitas besitzen neben ihrem ökologischen Nutzen auch einen klaren Mehrwert für die Bildungseinrichtungen selbst. Dieses Kapitel zeigt aus der Perspektive des BROMMI-Projekts, wie vielfältig die positiven Effekte von Insektenschutz für Schulen und Kitas sein können.

Insektenfreundliche Gestaltungen von Schul- und Kitageländen tragen dazu bei, Außenbereiche attraktiver und vielfältiger zu gestalten und Umwelteinwirkungen, wie Lärm und Luftverschmutzung abzupuffern. Sie haben einen positiven Effekt auf Biodiversität und Klima. Naturnahe Elemente schaffen Lerngelegenheiten für Kinder und fördern dadurch nachhaltiges Handeln sowie ein stärkeres Umweltbewusstsein.

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Möglichkeiten für Partizipation und Selbstwirksamkeit

Insektenfördernde Elemente wie beispielsweise Blühstreifen, Frühblüher und Stauden, Nisthilfen (Praxisbeispiel und Handreichung), Lesestein- und Totholzhaufen (Praxisbeispiel und Handreichung) oder Sandarien (Praxisbeispiel und Handreichung) lassen sich mit wenig Arbeitsaufwand und einfachen Arbeitsmitteln realisieren. Ihre Umsetzung ist gut in Kita- oder Schulaktivitäten zu integrieren, etwa im Rahmen von Projekttagen, Projektwochen oder in Garten- oder Handwerk-AGs.

Die Bildungseinrichtungen können das Tempo der Umsetzung frei bestimmen. Ein schrittweises Vorgehen ist auch über mehrere Jahre problemlos möglich.

Sandarium im Schulgarten © Josephine Kuczyk

Positiv-Beispiel: Sandarium 

Eine Partner-Schule des Biosphärenreservates Schaalsee legte im Rahmen des Projektunterrichts ein Sandarium an. Dies wurde von den Schüler*innen selbstständig organisiert. Da das Sandarium im Schul-eigenen Gemüsegarten steht, tragen die dort nistenden Wildbienen zu einer besseren Bestäubung der Obst- und Gemüsepflanzen bei.

 


Optische und funktionale Aufwertung

Elemente wie Blühstreifen oder Staudenbeete (Praxisbeispiel), Hecken (Praxisbeispiel), Sandarien oder Lesestein- und Totholzhaufen bringen neue Formen, Farben und Strukturen in Außenflächen. Dadurch wirken Schulhöfe und Kitagärten lebendiger und abwechslungsreicher. Bereiche wie „Grüne Klassenzimmer“ oder Sitzbereiche, die mit naturnahen Elementen kombiniert sind, werten das Gelände nicht nur optisch auf, sondern auch funktional und schaffen attraktive Aufenthaltsorte.

Vorträge und Unterricht im Freien sogar mit Sonnenschutz © Florian Lauer

Positiv-Beispiel: Grünes Klassenzimmer

Im Biosphärenreservat Mittelelbe wurde an einer Schule ein “Grünes Klassenzimmer” entwickelt. Es wurden Frühblüher, Stauden und Gehölze gepflanzt sowie ein Sandarium und andere Nisthilfen für Insekten geschaffen. Mit Unterstützung von lokalen Unternehmen wurden eine Sitzecke in Form eines Amphitheaters errichtet. Gemeinsam kann man hier die Insektenwelt anhand der dort befindlichen Infotafeln entdecken.

 


Himbeeren in einer „Naschecke“

Insektenschmaus: auch ein Schmaus für Menschen

Insektenfördernde Maßnahmen, wie etwa die Anlage eines Gemüse- und/ oder Kräuterbeets oder das Pflanzen alter Obstbaumsorten, bieten „nebenbei“ auch für die Kinder, ihre Erzieher*innen und Lehrer*innen kulinarische Köstlichkeiten: Frische Kräuter, essbare Blüten, Obst und Beeren können in den Küchen der Einrichtungen direkt verwendet werden. Ebenfalls attraktiv ist eine “Naschecke” auf dem Außengelände, in der sich die Kinder selbstständig an Früchten bedienen können.

 


Einbindung von Insektenbeobachtung in den Unterricht

Die Beobachtung von Insekten wie Wildbienen, Schmetterlingen und anderen Bewohnern des Geländes lässt sich in den Unterricht integrieren und kann naturwissenschaftliche Kompetenzen stärken (s. auch Bildungsmodule für Grundschulkinder).

Durch regelmäßige Beobachtungen entwickeln die Schülerinnen und Schüler ein tieferes Verständnis für Biodiversität, Lebenszyklen und ökologische Zusammenhänge. Bei Kitakindern können über Insektenbeobachtungen ein Grundinteresse an der Natur gefördert und vorschulische Bildungsziele verfolgt werden.

Insektenbox © Martin Rudolph

Positiv-Beispiel: Insektenfreunde-Box

Im Biosphärengebiet Schwarzwald wurden an 160 Kitas Insektenfreunde-Boxen verlost. Die Boxen beinhalteten Saatgut-Tütchen zur Ansaat einer Futterwiese, Bastelsets für Dosen-Nisthilfen, Becherlupen zum Beobachten sowie Geschichten- und Bastelhefte zum Thema Insektenschutz für Kinder (Förderer: Bülow-Stiftung).

 


Lebendige Partnerschaften mit Schutzgebieten

Partner-Kitas und -Schulen von Biosphärenreservaten, Naturparken oder Nationalparken können mit Insektenschutzmaßnahmen auf dem eigenen Gelände unmittelbar und anschaulich demonstrieren, dass sie aktive Partner ihrer Nationalen Naturlandschaft sind. Dadurch gewinnt die Zusammenarbeit an Sichtbarkeit und konkreter Bedeutung.

Ein kleineres Insektenhaus umgeben von einer hoch wachsenden Wiese mit weißen Blumen; rechts im Bild Anfang einer Konstruktion; Wald im Hintergrund
Nisthilfe in einer Schule neben Blühflächen © Florian Lauer/WWF

Positiv-Beispiel: Partner-Schulen und -Kitas

Die Naturwacht des Biosphärenreservats Mittelelbe hat zusammen mit BROMMI sowie zwei Schulen und einer Kita mehrere Blühwiesen angelegt und Nisthilfen für Insekten aufgestellt. Beteiligt waren die Freie Schule Elbe-Havel-Land, die Grundschule Schönhausen und die Kita Waldzwerge.

 


Resilienz im Klimawandel und Puffer für andere Umwelteinwirkungen

Die Anlage von Hecken und Obstbäumen als Insektenschutzmaßnahme (Praxisbeispiel) trägt zur Verbesserung des Kleinklimas von Kita- oder Schulgeländen bei. Gehölze spenden Kühlung und Schatten bei sommerlicher Hitze und können Extremwetterereignisse abfedern. Sie sind Sauerstoffproduzenten und natürliche CO2-Speicher. Hecken können Hofbereiche optisch von Straßen oder anderen Gebäuden abtrennen und die Lärmbelastung von außen vermindern.


Fördermöglichkeiten

Es lohnt sich, in der eigenen Region nach passenden Fördermöglichkeiten zu recherchieren oder potenzielle Mittelgeber und Sponsoren – etwa lokale Unternehmen oder Banken – für ein Projekt zu gewinnen. Viele Stiftungen und gemeinnützige Organisationen unterstützen Projekte, die Naturschutz, Umweltbildung und Klimaschutz miteinander verbinden. Auch landesweite oder kommunale Programme bieten häufig finanzielle Mittel für praktische Naturschutzmaßnahmen in Bildungseinrichtungen.

Darüber hinaus existieren zahlreiche Beratungsangebote, Wettbewerbe und regionale Initiativen, die Schulen bei der ökologischen und kindgerechten Gestaltung ihrer Außenbereiche begleiten (s. auch Kap. Erfahrungen aus der Praxis: Schulen und Kitas).


Weiterführende Informationen

 

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