Mehrwert von Insektenschutz für die Landwirtschaft
Insektenschutzmaßnahmen auf landwirtschaftlichen Flächen kommen der Biodiversität zugute und können langfristig Vorteile für den Ertrag der umsetzenden Betriebe haben. Dieses Kapitel beleuchtet die positiven Effekte, die Landwirtinnen und Landwirte bei der Umsetzung von Insektenschutzmaßnahmen im Rahmen des BROMMI-Projektes beobachten konnten.
Insektenschutzmaßnahmen können Ökosystemleistungen wie Bodenqualität, Klimaresilienz und natürliche Schädlingsregulation verbessern. Auf lange Sicht kann dies zur Stabilität landwirtschaftlicher Erträge beitragen, selbst wenn kurzfristige maßnahmenbedingte Ertragsminderungen eintreten bzw. weniger Anbaufläche zur Verfügung steht.
Durch geringeren Einsatz von Pflanzenschutzmitteln sowie die Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit und des Mikroklimas können Betriebe sowohl ökologisch als auch ökonomisch profitieren. Zudem lassen sich viele Maßnahmen produktionsintegriert umsetzen und über Förderprogramme finanzieren.
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- ↓Einsparung von Pflanzenschutzmitteln und Überfahrten
- ↓Einsparung von Betriebsmitteln
- ↓Bodenfruchtbarkeit und -schutz
- ↓Bessere Futterqualität
- ↓Resilienz im Klimawandel
- ↓Positive ökonomische Nebeneffekte
- ↓Fördermöglichkeiten
- ↓Weiterführende Informationen
Pflanzenschutzmitteln und Überfahrten
Auf eine Schadinsektenart kommen i.d.R. bis zu zehn verschiedene Fressfeinde. Artenreiche, lineare Strukturen wie Blühstreifen (Praxisbeispiel) und Käferwälle (Praxisbeispiel) können unterschiedliche Fraßfeinde fördern: Räuberische Käfer, Florfliegen, Schlupfwespen oder Spinnen unterstützen als natürliche Gegenspieler die Regulation von Schädlingen. Sind diese Nützlinge durch entsprechende Maßnahmen in ausreichend großer Menge auf den Flächen vorhanden, können sie dazu beitragen, das Vorkommen von kulturschädigenden Insekten zu verringern.
Bei größeren Schlägen ist dieser Effekt begrenzt, da sich Insekten nur über begrenzte Distanzen in die Kulturbestände ausbreiten. Daher wird empfohlen, insektenfördernde Strukturen wie z.B. Blühstreifen auch in der Feldmitte umzusetzen. Darüber hinaus können durch angepasste Bodenbearbeitungen Laufkäfer in Äckern gefördert werden.
Durch Strukturvielfalt und angepasste Bewirtschaftung kann das Vorkommen von Nützlingen erhöht und der Befall von Schädlingen reduziert werden. Im optimalen Fall ist der Einsatz von Insektiziden damit überflüssig. Das spart Geld und Zeit – durch weniger Überfahrten auf den landwirtschaftlichen Flächen und geringeren Betriebsmitteleinsatz.

Positiv-Beispiel: Blühstreifen fördern Fraßfeinde
Im Biosphärenreservat Schaalsee vermehrten sich nach der Etablierung eines Blühstreifens Nützlinge so stark, dass der Landwirt auf den benachbarten landwirtschaftlichen Flächen gänzlich auf Insektizide verzichten konnte.
Einsparung von Betriebsmitteln
Beim Getreideanbau in weiter Reihe ist nach der Aussaat der artenreichen Untersaat keine Beikrautregulierung oder Düngung notwendig (Praxisbeispiel). Die Maßnahme verbessert durch den größeren Reihenabstand die Durchlüftung des Bestandes und reduziert dadurch die Gefahr der Verpilzung. Die Betriebe sparen damit Arbeitszeit, Pflanzenschutz- und Düngemittel sowie Diesel und Maschinenkosten.
Bleibt die Untersaat nach dem Drusch als Zwischenfrucht stehen, können Kosten (Arbeitszeit und Treibstoff) für die Bodenbearbeitung und die Einsaat der Zwischenfrucht im Herbst eingespart werden. Bei einer neu angesäten Zwischenfrucht besteht das Risiko, dass diese in trockenen Jahren nicht aufläuft. Dahingegen bedecken die bereits etablierten Pflanzen der Untersaat den Boden direkt nach der Ernte und können geringe Niederschläge überdauern.

Positiv-Beispiel: Untersaat als Zwischenfrucht
Im Biosphärenreservat Rhön, hatte sich die Untersaat im Hafer gut etabliert und wurde als Zwischenfrucht belassen. Der im Herbst gesäte Dinkel profitierte sichtbar vom Vorfruchtwert auf den Streifen auf denen vorher die Untersaat war.
Bodenfruchtbarkeit und -schutz
Artenreiche Untersaaten (Maßnahmenbeschreibung) oder der Anbau von mehrjährigen Futterleguminosen (Maßnahmenbeschreibung) können die Bodenfruchtbarkeit fördern. Bei der Untersaat führt der hohe Leguminosenanteil sowie Spitzwegerich zu einer Anreicherung von Stickstoff im Boden und damit zu einem guten Vorfruchtwert. Mit Maßnahmen wie Brachestreifen (Maßnahmenbeschreibung) oder Ackerrandstreifen mit Bewirtschaftungsruhe (Maßnahmenbeschreibung) erhält der Boden und damit auch das Bodenleben eine Ruhepause. Dies sorgt für ein aktiveres Bodenleben, trägt zu einem besseren Humusaufbau und damit zur Steigerung der Ernteerträge bei.
Schonstreifen im Grünland und Ackerfutter (Praxisbeispiel) bieten Insekten Fluchtmöglichkeiten während der Mahd. Gleichzeitig tragen Schonstreifen auch zum Erosionsschutz bei und mindern die Austrocknung des Bodens.

Positiv-Beispiel: Schonstreifen
Im Biosphärengebiet Schwarzwald haben sich wechselnde Schonstreifen im Grünland trotz Hanglage bewährt – auch für den Schutz des Bodens: Während die unterste Krautschicht der Schonstreifen mikroklimatisch kühl und feucht war, war die Grasnarbe der genutzten Fläche vertrocknet und teilweise mit offenen Bodenstellen versehen.
Bessere Futterqualität
Ein Hochschnitt (Maßnahmenbeschreibung), bei dem das Mähwerk auf ca. 10 Zentimeter eingestellt wird, schont nicht nur Amphibien, Insekten und die Nester bodenbrütender Vögel. Er reduziert zugleich die Futterverschmutzung erheblich, da das Mähwerk nur selten (außer bei Bodenunebenheiten) mit der Grasnarbe in Kontakt kommt und somit weniger aufgewühlte Erde in das Futter gelangt. Zusätzlich geschieht der Wiederaufwuchs schneller, da die Gräser weniger ausgetrocknet sind.

Positiv-Beispiel: Hochschnitt als gängige Praxis
Im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin ist bei vielen Landwirtschaftsbetrieben ein Hochschnitt bereits gängige Praxis, da der schnellere Wiederaufwuchs und die Stabilisierung des Wasserhaushalts in der Futterpflanze den zunächst geringeren Masseertrag überkompensiert.
Resilienz im Klimawandel
Artenreiche Gehölzstrukturen sind Multitalente (Praxisbeispiel). Sie sorgen für mehr Artenvielfalt und kühlen im Sommer ihre Umgebung. Quer zur Wind- und Hangrichtung angelegt, schützen sie vor Bodenerosion durch Wind und Wasser und mindern die Austrocknung der angrenzenden Agrarflächen. Durch Agroforstsysteme können die Auswirkungen von Extremwetter-Ereignissen abgemildert und Kulturschäden und Ernteverluste reduziert werden.
Gehölze spenden (Weide-)Tieren Schatten und mindern die Austrocknung der angrenzenden Weiden. Das Laub bildet eine mineralreiche Nahrungsergänzung und kann in trockenen Sommern zur Fütterung genutzt werden.
Damit sind Hecken und Agroforstsysteme eine der wichtigsten Maßnahmen um die Auswirkungen des Klimawandels abzumildern. Gleichzeitig binden Gehölze CO₂ und wirken so dem Klimawandel entgegen.

Positiv-Beispiel: Hecken als Windschutz
Im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin pflanzten zwei benachbarte Landwirtschaftsbetriebe in Kooperation eine 800 m lange Hecke. Die angrenzenden Flächen profitieren deutlich durch den Windschutz, so dass sich Erosion und Austrocknung verringerten. Der Nachbarbetrieb übernimmt die Pflege während der Anwuchszeit und lichtet die Gehölze langfristig aus. Das Schnittgut wird als Holzhäcksel zum Humusaufbau und zur Wasserhaltefähigkeit verwendet.
Positive ökonomische Nebeneffekte
Kleinstrukturen wie Erdanrisse (Praxisbeispiel) oder Totholz- und Lesesteinhaufen (Praxisbeispiel) schaffen zusätzliche Lebensräume für Insekten und fördern stabile Insektenpopulationen am Ackerrand. Insbesondere in Kombination mit blütenreichen Flächen verbessert sich die natürliche Schädlingsregulierung, was den Bedarf an Insektiziden verringern kann.
In kleineren Mengen können Totholzhaufen die Entsorgung des Schnittgut ersetzen. Damit entfallen Kosten und Zeitaufwand für den Abtransport oder auch die Verbrennung. Erdanrisse können z.B. einfach an Hangkanten mit der Schaufel abgeschoben oder auch als Erdhaufen bei Erdarbeiten belassen werden.

Positiv-Beispiel: Totholzhaufen als Schnittgut-Verwertung
Im Biosphärengebiet Schwarzwald lassen sich Kleinstrukturen wie Totholzhaufen bei einigen Landwirten sehr gut in das Hofumfeld der Betriebe integrieren und stellen eine sinnvolle und arbeitserleichternde Verwertung des anfallenden Schnittguts dar.
Fördermöglichkeiten
Förderprogramme unterstützen die Anlage von Blühstreifen, Untersaaten, Schonstreifen und andere Maßnahmen. Sie bieten wirtschaftliche Anreize für insektenfördernde Maßnahmen und können vor allem an ertragsarmen Standorten alternative bzw. ergänzende Finanzierungsmöglichkeiten bieten.
Staatliche Förderungen puffern mögliche Ertragsrisiken ab, wenngleich sie je nach Bundesland nicht immer die tatsächlichen Kosten der Maßnahmen decken.
Weiterführende Informationen
• Deutsche Vernetzungsstelle ländliche Räume für die Gemeinsame Agrarpolitik der EU (dvs): Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen (abgerufen am 11.05.2026)
• Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH): Öko-Regelungen (abgerufen am 11.05.2026)
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