Insekten haben in fast allen Ökosystemen eine entscheidende Rolle. Sie sind das Fundament der meisten Nahrungsketten, bestäuben Pflanzen, bauen Dung ab und sorgen für Bodenfruchtbarkeit.  Dieses Kapitel zeigt die Abhängigkeit des Menschen von den Ökosystemleistungen der Insekten und warum der Erhalt von Insekten so wichtig ist.

Eine Vielzahl von Tieren ernährt sich von Insekten. So fressen viele Vogelarten Insekten oder füttern zumindest ihre Jungen damit. Aber auch unter den Säugetieren, Reptilien, Fischen, Amphibien und Spinnen gibt es viele Arten, die auf Insekten angewiesen sind.

Darüber hinaus erbringen viele Insekten Leistungen, auf die wir für unsere Ernährung angewiesen sind. Sie bestäuben Pflanzen, tragen wesentlich zur Zersetzung von pflanzlichem und tierischem Material bei und erhöhen so die Bodenfruchtbarkeit. Räuberische Insekten dezimieren Pflanzenschädlinge wie Blattläuse oder Tripse.

Das Verschwinden von Insektenarten und der Rückgang der Individuenzahlen von bisher häufigen Arten hat für die Ökosysteme schwer einschätzbare Folgen sowie auch unmittelbare Auswirkungen auf die Lebensgrundlagen des Menschen.

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Vielfalt der Insekten

Insekten sind erdgeschichtlich gesehen eine sehr alte Tiergruppe. Erste fossile Nachweise von ihnen gibt es bereits für das Devon-Zeitalter (vor ca. 402 Mio. Jahren). Vor ca. 300 Mio. Jahren, also lange bevor die ersten Dinosaurier über die Erde streiften, lebten bereits die Vorfahren der meisten heute vorkommenden Insektenarten.

Bis heute sind knapp eine Million Insektenarten weltweit wissenschaftlich beschrieben. Forschende gehen davon aus, dass dies nur ein Drittel der weltweit vorkommenden Insektenarten ist und es weit über drei Millionen Insektenarten gibt (Stork, Nigel 2018). Allein in Deutschland sind mindestens 33.000 Insektenarten bekannt. Sie machen gut zwei Drittel der in Deutschland vorkommenden Tierarten aus (BMUKN 2025). Bekannte Insekten-Gruppen sind Schmetterlinge, Bienen, Käfer, Libellen und Heuschrecken. Weniger gut Bekannte sind z.B. Staubläuse, Fransenflügler oder Köcherfliegen.

Aufgrund ihrer vielfältigen Fortpflanzungsstrategien, der oft kurzen Lebenszyklen und ihrer Anpassungsfähigkeit besiedeln sie heute so gut wie alle Ökosysteme. Zahlreiche Eigenschaften wie Flugfähigkeit oder ein spezielles Atmungssystem ermöglichte den Insekten diese dominierende Stellung in der Tierwelt.

Insekten sind Spitzensportler und Rekordhalter: Manche Insekten können meterweit springen, das Hundertfache ihres eigenen Körpergewichtes tragen oder Tausende von Kilometern zwischen Winter- und Sommergebieten ziehen.


Rapider Rückgang

Zahlreiche Studien zeigen einen gravierenden Rückgang der Insektenpopulationen, ihrer Verbreitungsräume und Biomasse (Gewicht der gefangenen Insekten). Weltweit sind 40 % der Insekten vom Aussterben bedroht (Klink et al. 2020). Besonders gut untersucht ist der Artenschwund in Europa und Nordamerika (Bassett & Lamarre, 2019). Insektengruppen wie Schmetterlinge, Hautflügler (Ameisen, Bienen und Wespen), Libellen, Käfer, Stein-, Köcher- und Eintagsfliegen verzeichnen die größten Einbrüche.

Einer der Hauptgründe für den Insektenrückgang ist die Landnutzungsänderung, die mit einem Verlust bzw. der Verschlechterung von Lebensräumen für Insekten einhergeht. Großflächige Monokulturen bieten gute Bedingungen vor allem für Schadinsekten (0,5 % der Arten), die durch Insektizide bekämpft werden. Dadurch werden jedoch auch andere Insektenarten vernichtet.

Der Einfluss von Herbiziden und Fungiziden auf Insekten ist bisher nur in Ansätzen untersucht. Es ist allerdings davon auszugehen, dass insbesondere Cocktails aus unterschiedlichen Mitteln die Entwicklung von Insekten beeinträchtigen. Weitere wichtige Treiber sind z.B. Lichtverschmutzung oder die Auswirkungen des Klimawandels (BMUKN 2023, Cardoso et al. 2020).

Die weltweite Insektenbiomasse sinkt jährlich um 2,5 % (Klink et al. 2020). Welche Auswirkungen dies auf die Ökosysteme und die Nahrungsketten hat, kann nur vermutet werden. Um den tatsächlichen Rückgang darstellen zu können, wäre eine genaue Erfassung der weltweiten Populationen notwendig.

In einigen Gebieten hat der Rückgang extreme Ausmaße angenommen. Eine Studie in Puerto Rico hat einen Rückgang zwischen 78 % und 98 % bei den kronen- und bodenbewohnenden Käferarten festgestellt (Lister, Garcia 2018). Für Deutschland alarmierte 2017 die sogenannte „Krefeld-Studie“ die Öffentlichkeit mit einer erschreckenden Bilanz: Sie verzeichnete 75 % Verlust an Biomasse bei Fluginsekten in untersuchten Schutzgebieten zwischen 1989 und 2015 (Hallmann et. al. 2017).


Ökonomischer Nutzen von Insekten

Der ökonomische Nutzen der Bestäubung durch Insekten wird weltweit auf bis zu 577 Milliarden Euro geschätzt (IPBS 2019). In Deutschland wird von Wildbienen, Schwebfliegen, Schmetterlingen und anderen Bestäubern jedes Jahr ein ökonomischer Wert von 3,8 Milliarden Euro generiert (Lippert et al. 2021).

85 % der über 260 in Europa angebauten Feldfrüchte profitieren von der Bestäubung durch Tiere wie Honigbienen, Wildbienen, Tagfalter oder Fledermäuse (UFZ 2016). Von den 107 durch Tiere bestäubten und weltweit am meisten für die menschliche Ernährung angebauten Kulturarten, produzieren 91 durch tierische Bestäubung einen höheren Ertrag als bei ausschließlicher Wind- oder Selbstbestäubung (Vanbergen et al. 2013). Durch die tierische Bestäubung werden Ertrag, Qualität und/ oder die Haltbarkeit der Früchte gesteigert. So hängt der Ertrag bei Äpfeln und Kirschen zu 65 % von der Insektenbestäubung ab, beim Kürbis sogar zu 95 % (BMBF 2020).

Auch für die Gesundheit der Menschen können Insekten eine wichtige Rolle spielen. So wird ein Großteil der Arznei- und Heilpflanzen von Insekten bestäubt. Zudem werden derzeit zahlreiche Insektengifte, wie zum Beispiel Wespengift, daraufhin untersucht, ob sie bei der Heilung von noch unheilbaren Krankheiten wie z.B. Krebs genutzt werden können.


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