Insektenschutzmaßnahmen auf kommunalen Flächen fördern nicht nur Insekten, sondern auch die biologische Vielfalt allgemein. Gleichzeitig kann die für Insekten verbesserte Bewirtschaftung der Flächen auch wirtschaftliche und soziale Vorteile haben. Dieses Kapitel zeigt auf, wie Kommunen von einer insektenfreundlichen Bewirtschaftung profitieren können.

Insektenfördernde Maßnahmen bieten Kommunen die Chance, das Orts- und Landschaftsbild sichtbar aufzuwerten, Arbeitsaufwand einzusparen und Pflegekosten langfristig zu reduzieren. Gleichzeitig verbessern sie das lokale Kleinklima und schaffen neue Lernanlässe für naturbezogene Bildung sowie Begegnungsräume für die Bevölkerung. Eine für Insekten nachhaltige Grünflächenentwicklung kann auch über Förderprogramme bezuschusst werden.

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Ein Plus für Ortsbild und Erholungsfunktion

Durch Insektenschutzmaßnahmen können die Attraktivität eines Ortsbildes und der Erholungswert von Freiflächen in Kommunen gesteigert werden.

So können Hecken als Strukturelemente Erholungsräume schaffen und aufwerten (Praxisbeispiel). Werden Kleinstrukturen wie Sandarien (Praxisbeispiel) oder Totholz- und Lesesteinhaufen (Praxisbeispiel) künstlerisch gestaltet, werten sie nicht nur ökologisch, sondern auch optisch das Ortsbild auf.

Ansaaten oder mehrjährige Staudenpflanzung steigern die Arten- und Farbvielfalt von Blühflächen und können damit im Sommer ein „Hingucker“ auf öffentlichem Grün sein. Eine gute kommunikative Begleitung vorausgesetzt, kommen struktur- und artenreichere, höherwüchsige Grünflächen – statt artenarmem Kurzschnittrasen – bei vielen Menschen gut an (Praxisbeispiel).

Sandarium umringt von Frühblühern © Josephine Kuczyk

Positiv-Beispiel: Im Biosphärenreservat Schaalsee wurde den Mitarbeitenden des Bauhofes freie Hand bei der Gestaltung eines Sandariums gelassen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen und zieht nicht nur die Blicke der Einheimischen, sondern auch vieler Touristen an.

 

 


Pflegeanpassung spart Arbeitsaufwand und Kosten

Werden Grünflächen seltener beziehungsweise nur in Teilflächen gemäht, können der Aufwand der Pflege reduziert und Kosten sowie Arbeitszeit eingespart werden. Zugleich schaffen höherwüchsige Grünflächen oder Altgrasbereiche wertvolle struktur- und artenreiche Lebensräume (Praxisbeispiel).

Wird Klappertopf im Straßenbegleitgrün eingesät, drängt dieser Gräser zurück und reduziert dadurch den Pflegebedarf der Grünflächen. Zugleich steigt das Blütenangebot für Insekten (Praxisbeispiel).

Entscheiden sich Bauhöfe und Grünflächenämter für mehrjährige, naturnahe Wildstaudenpflanzungen, entfallen damit die oft üblichen, mehrmaligen Bepflanzungen von Blumenrabatten im Jahr und die damit verbundenen Kosten. Insekten profitieren durch ein konstantes Blütenangebot an heimischen Pflanzen, die den heimischen Arten nützen (Praxisbeispiel).

Blütenvielfalt am Kloster Chorin © Hanna Rubenbauer

Positiv-Beispiel: Pflegeanpassung am Kloster Chorin

Im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin hat das Kloster Chorin die Mahdintervalle auf seinen Außenanlagen deutlich reduziert (Erklärfilm). Altgrasbereiche werden – teils auch überjährig – stehen gelassen und reduzieren den Pflegeaufwand. Gemähte Wege zeigen: hier wird gepflegt. Die Maßnahmen kommen bei den Besuchenden gut an und sind auch Thema bei Führungen.

 


Resilienz im Klimawandel

Insbesondere die Anlage von Hecken als Insektenschutzmaßnahme (Praxisbeispiel) trägt zur Resilienz im Klimawandel bei. Bäume und andere Gehölze können den Wasserrückhalt in Siedlungen unterstützen und die Auswirkungen von Starkregen- Ereignissen mindern. Insbesondere wenn sie entsprechend dem „Stockholmer Modell“ gepflanzt werden (siehe Weiterführende Informationen). Sie verbessern das Kleinklima, sorgen für Kühlung und Schatten und können so extreme Hitzeereignisse abfedern. Gleichzeitig binden Sie CO2 und mindern damit die Emissionen.

Hecken werten Siedlungsbereiche auf © Alina Schaak

Positiv-Beispiel: Hecken

Im Luftkurort Hinterzarten im Biosphärengebiet Schwarzwald wurde eine mehrreihige Hecke gepflanzt, um das Kleinklima im Siedlungsbereich zu verbessern, Lebensraum für Insekten zu schaffen und dem Kurpark gleichzeitig einen ästhetischen und strukturellen Mehrwert zu bieten.

 

 


Möglichkeiten für Bürgerpartizipation und Bildung

Insektenschutzmaßnahmen in Kommunen sollten für Bürgerinnen und Bürger zugänglich und erlebbar gestaltet werden. Insbesondere eingebettet in Mitmachaktionen sind die Maßnahmen gut geeignet, um die Bevölkerung für Biodiversität und Insekten zu sensibilisieren, und die Gemeinschaft in Kommunen zu stärken. Privatpersonen, Schulen oder Vereine können auf ihren Grundstücken Nisthilfen einrichten oder gemeinsam Frühblüher pflanzen. Auf öffentlichen Flächen in einer Kommune können Bauhofmitarbeitende durch die Kooperation mit anderen Akteuren z.B. beim Aufhängen und Betreuen von Nisthilfen entlastet werden.

Gemeinsamer Nistkastenbau kann für Biodiversität und Insekten sensibilisieren © Hanna Rubenbauer

Positiv-Beispiel: Nisthilfen in der Schorfheide

Im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin fanden zahlreiche Ortsteilgespräche statt. Gemeinsam mit den Ortvorstehenden wurden Möglichkeiten für mehr Insektenschutz diskutiert. Höhepunkt der Veranstaltungen war jeweils das gemeinsame Aufstellen einer hochwertigen Insekten-Nisthilfe samt Hinweisschild.

 


Fördermöglichkeiten

Für Kommunen existieren zahlreiche Förderprogramme, die die Umsetzung insektenfreundlicher Maßnahmen gezielt unterstützen. Diese können sowohl Investitionen (Anlage von Blühflächen, Beschaffung von Geräten) als auch Beratung, Planung und Qualifizierung abdecken.

Europäische Programme fördern häufig größere Biodiversitäts- und Klimaschutzvorhaben, während Bund und Länder praxisnahe Maßnahmen im Siedlungsraum unterstützen – von der extensiven Pflege bis zur naturnahen Gestaltung öffentlicher Grünflächen. Ergänzend bieten Landkreise, Stiftungen und regionale Initiativen kleinere, niedrigschwellige Förderungen an, die sich besonders für Pilotflächen oder kommunikative Begleitmaßnahmen eignen (s. auch Kap. Erfahrungen aus der Praxis: Kommunen).

Weiterführende Informationen

 

 

 

 

 

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