innerörtliche Verkehrsinsel mit ca. 50 cm hohen Blütenpflanzen bewachsen
Blühstreifen als Straßenbegleitgrün © Martin Rudolph

Kommunale Verwaltungen haben eine wichtige Rolle im Insektenschutz, vor allem auch in der Akzeptanzförderung und Lenkung der Aufmerksamkeit. Lesen Sie nachfolgend von den Erfahrungen aus fünf Jahren Umsetzungs-Praxis im BROMMI-Projekt, wie Insektenschutz in Kommunen konkret gelingen kann.

Zum Inhalt springen:


Einführung

Kommunen gestalten und pflegen täglich ein breites Spektrum an Grün- und Freiflächen: Straßenbegleitgrün, Parkanlagen, Dorfmittelpunkte, Spielplätze, Sportflächen, Friedhöfe, Regenrückhaltebecken und Randstreifen an Wegen und Gewässern. Viele dieser Flächen besitzen ein großes Potenzial für Artenvielfalt – vorausgesetzt, sie werden entsprechend entwickelt und gepflegt. Hier können Kommunen unmittelbar handeln und große ökologische Wirkung entfalten.

Zugleich stehen Verwaltungen und Bauhöfe unter dem Anspruch, funktionale Anforderungen, Sicherheit, Sauberkeit, Nutzungsbedarfe und begrenzte Ressourcen miteinander auszubalancieren. Insektenschutz gelingt daher besonders gut, wenn Maßnahmen praxisnah, pflegeeffizient und lokal angepasst sind.

Eine an die Anforderungen des Insektenschutzes angepasste Mahd, die Förderung heimischer Blühstrukturen, der Erhalt von Altgrasstreifen oder die Vermeidung von Versiegelung können zentrale Hebel sein. Insbesondere an Saumstrukturen lassen sich damit nicht nur langfristig Lebensräume sichern, sondern auch Pflegeaufwände reduzieren und Kosten sparen.

Wichtig ist zudem, dass Bürger*innen Veränderungen verstehen und mittragen. Gut kommunizierte Maßnahmen stärken die Akzeptanz, fördern die Identifikation damit und zeigen, dass Kommunen aktiv Verantwortung für den Erhalt unserer Biodiversität übernehmen. Aufgrund ihrer öffentlichen Sichtbarkeit können kommunale Flächen eine besondere Rolle bei der Sensiblilisierung für Insektenschutz übernehmen.

Gemeinsam mit kommunalen Akteur*innen – insbesondere Bauhöfen, Grünflächenämtern, Ortsbeiräten und lokalen Initiativen – lassen sich Lösungen entwickeln, die sowohl betrieblich machbar und pflegeeffizient als auch ökologisch wirksam und gut kommunizierbar sind. So können Kommunen Schritt für Schritt ihren Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt im Siedlungsraum ausbauen. Gelungene Kooperationen stärken nicht nur Insektenvorkommen und biologische Vielfalt, sondern auch die Identifikation der Menschen mit der Natur ihrer Heimat und ihrer Kommune.


Kommunen finden und begeistern

Erfolgreicher Insektenschutz in Kommunen lebt von tragfähigen Konzepten und einer verlässlichen Zusammenarbeit der handelnden Personen vor Ort. Kommunale Verwaltungen und Bauhöfe stehen häufig unter hohem Zeit- und Kostendruck, insbesondere durch geringe Personalausstattung, weshalb zusätzliche Anforderungen schnell als Belastung empfunden werden.

„Türöffner“ finden
Um interessierte Kommunen zu erreichen, die offen für alternative Pflegeformen und Biodiversitätsmaßnahmen sind, hat es sich im BROMMI-Projekt bewährt, zunächst bestehende Netzwerke zu nutzen. Besonders hilfreich waren direkte Kontakte zu Bauhöfen, Ortsbeiräten oder engagierten Verwaltungsmitarbeitenden, die bereits erste Ideen oder Problemlagen benannt hatten. Auch Empfehlungen aus Nachbarkommunen, sichtbare Pilotflächen oder gemeinsame Veranstaltungen erwiesen sich als wirksame Türöffner, um Interesse zu wecken und erste Gespräche anzustoßen.

Der erste Kontakt
Damit Kommunen langfristig für Maßnahmen zum Insektenschutz gewonnen werden können, ist es entscheidend, ihre konkreten Bedürfnisse, Abläufe und Rahmenbedingungen zu verstehen und darauf einzugehen. Daher ist es in einem ersten Beratungsgespräch zunächst notwendig, sich einen Eindruck von den bestehenden Arbeitsabläufen und (Pflege-)Bedarfen auf den kommunalen Flächen zu verschaffen. Darauf basierend gilt es danach gemeinsam zu sondieren, welche Flächen für Insektenschutzmaßnahmen geeignet wären, welche Geräte und Ressourcen vorhanden sind und wie Pflegeprozesse angepasst werden können, ohne die Nutzungsanforderungen oder die rechtlichen Vorgaben einzuschränken.

Vertrauen schaffen
Beziehungsarbeit ist dabei ebenso wichtig wie fachliche Expertise: Sichtbarkeit erster Erfolge, transparente Kommunikation und kontinuierlicher Austausch schaffen Vertrauen. Ein niedrigschwelliger Einstieg – etwa durch Pilotflächen, Schulungen oder individuelle Flächenchecks – erleichtert es, Berührungsängste zu reduzieren und Motivation aufzubauen. Hierbei sollten alle Ebenen – von der Führungsebene bis zum Flächenbewirtschaftenden – einbezogen werden.

Verbindlichkeit herstellen
Durch eine klare Abstimmung der Rollen und eine gemeinsame Zieldefinition sowie bestenfalls eine gemeinsame Kooperationsvereinbarung, lässt sich langfristig ein verbindliches Engagement erreichen.


Schritt für Schritt zur Maßnahmen-Umsetzung

Eine erfolgreiche Umsetzung insektenfreundlicher Maßnahmen im kommunalen Raum braucht einen klaren, gut abgestimmten Prozess.

Zieldefinition
Am Anfang steht die gemeinsame Zieldefinition: Welche Flächen sollen entwickelt werden? Welche Funktionen müssen erhalten bleiben und wie lassen sich ökologische Verbesserungen integrieren? Die Einbindung zentraler Akteur*innen – Bauhof, Verwaltung, Ortsbeiräte, lokale Initiativen etc. – ermöglicht eine realistische Planung und sorgt für breite Unterstützung.

Flächen-Identifikation
Im nächsten Schritt werden geeignete Flächen identifiziert und priorisiert wie z.B. Straßenränder/Böschungen, Parkanlagen und Spielplatzumfelder, Friedhöfe o.ä. Dabei spielen sowohl ökologische Potenziale als auch verfügbare personelle und technische Ressourcen eine Rolle. Praktische Flächenchecks (siehe Fragenkatalog unten) vor Ort helfen, Potenziale sichtbar zu machen und konkrete Empfehlungen abzuleiten. Ein gemeinsamer Rundgang über ausgewählte Flächen mit Erläuterung des ökologischen Mehrwerts möglicher Maßnahmen („Was bringt welche Struktur?“), schafft schnell ein gemeinsames Verständnis und erste konkrete Ideen.

Beispiel für einen praktischen Flächencheck:

Maßnahmenplanung
Darauf folgt die konkrete Maßnahmenplanung: Auswahl bestenfalls heimischer Arten (BROMMI-Ratgebeber zur Auswahl insektenfreundlicher Pflanzen), Festlegung von Pflegeintervallen und einem geeigneten Mahdregime, Belassen von Altgrasstreifen (Praxisbeispiel), Anlage von Blühflächen (Praxisbeispiel) oder strukturreichen Säumen an kommunal oft überproportional vorkommenden Wegeflurstücken, Anlage von Hecken (Praxisbeispiel), Baumpflanzungen, Anlage von Lesestein- und Totholzhaufen (Praxisbeispiel) oder anderen Maßnahmen. Besonders wichtig ist dabei, Pflegeprozesse und den Maschinenpark direkt mitzudenken, um effiziente Abläufe und die Wirksamkeit der Maßnahme langfristig zu gewährleisten.

Sofern die Motivation und die fachliche Expertise im Bauhof gegeben sind, kann es ausreichen, Maßnahmen aufzuzeigen und nur eine beratende Rolle einzunehmen Die konkrete Umsetzung und Auswahl auf den Flächen erfolgt dann selbständig durch die Mitarbeitenden des Bauhofs.

Maßnahmenumsetzung und Öffentlichkeitsarbeit
Mit einer Pilotfläche kann der Start niedrigschwellig und anschaulich erfolgen. Schulungen oder Kurzanleitungen unterstützen Bauhofmitarbeitende in der Praxis. Gleichzeitig sollte eine begleitende Öffentlichkeitsarbeit von Anfang an eingeplant werden: Informationstafeln, Kommunikation über Gemeinde- oder Stadtkanäle und die Aktivierung/Einbeziehung von bereits im Insekten- und Biodiversitätsschutz aktiver Bürger*innen stärken Akzeptanz und Identifikation (s. auch Kap. Schautafeln im Außenbereich).

Auswertung und Anpassung
Eine regelmäßige Auswertung und Anpassung – etwa über Monitoring, Rückkopplung mit Bauhof und Verwaltung oder Resonanz aus der Bevölkerung – sorgt dafür, dass Maßnahmen nachhaltig wirken und Schritt für Schritt ausgebaut werden können. So entsteht ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess, der Kommunen befähigt, langfristig zur Förderung von Insektenvielfalt beizutragen.

Besonders wichtig ist hier der Umgang mit Rückschlägen und Negativ-Beispielen: Ein Schönreden von misslungenen Versuchen führt schnell dazu, die Motivation und Integrität und damit auch die Akzeptanz der Bevölkerung zu verlieren. Ein offener Umgang mit lösungsorientiertem Einbeziehen von Ideen seitens der kommunalen Mitarbeitenden stärkt die Beziehung und die persönliche Identifikation mit der Maßnahme.


Fördermöglichkeiten

Kommunen stehen beim Insektenschutz oft vor der Herausforderung, ökologische Ziele mit knappen Budgets zu vereinbaren. Gleichzeitig existieren zahlreiche Förderprogramme, die die Umsetzung insektenfreundlicher Maßnahmen gezielt unterstützen. Diese können sowohl Investitionen (Anlage von Blühflächen, Beschaffung von Geräten) als auch Beratung, Planung und Qualifizierung abdecken.

Über das BROMMI-Projekt bestand die Möglichkeit, ökologische Maßnahmenumsetzungen direkt zu finanzieren.

Vielfalt an Fördermöglichkeiten
Fördermittel lassen sich auf verschiedenen Ebenen kombinieren: Europäische Programme fördern häufig größere Biodiversitäts- und Klimaschutzvorhaben, während Bund und Länder praxisnahe Maßnahmen im Siedlungsraum unterstützen – von der extensiven Pflege bis zur naturnahen Gestaltung öffentlicher Grünflächen. Ergänzend bieten Landkreise, Stiftungen und regionale Initiativen kleinere, niedrigschwellige Förderungen an, die sich besonders für Pilotflächen oder kommunikative Begleitmaßnahmen eignen.

Förderanträge brauchen Zeit
Wichtig ist eine vorausschauende Planung: Förderanträge benötigen häufig eine klare Zielbeschreibung, eine abgestimmte Pflegeperspektive sowie die Verankerung im kommunalen Handlungsrahmen. Dabei sollte sichergestellt werden, dass Umsetzungs- und Folgekosten realistisch eingeschätzt und von den zuständigen Stellen getragen werden können.

Durch klug gewählte Förderbausteine können Kommunen ihre ökologische Wirkung stärken, finanzielle Risiken reduzieren und Insektenschutz fest in ihren Entwicklungsstrategien verankern.

Eine Auswahl relevanter Förderprogramme auf EU-, Bundes- und Landesebene zur Umsetzung insektenfreundlicher Maßnahmen ist in nachfolgender Tabelle zusammengestellt.

Tabelle 1: Förderprogramme zur Umsetzung insektenfreundlicher Maßnahmen (Stand 11/2025, eigene Recherchen)

Abkürzungen
BMUKN: Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit
BfN: Bundesamt für Naturschutz
KfW: Kreditanstalt für Wiederaufbau
ZUG: Zukunft - Umwelt - Gesellschaft/Bundesgesellschaft und Projektträgerin

Erfahrungen und Tipps für die Umsetzung

Fünf Erwachsene stehen auf einer Wiesen, zwischen Ihnen ein aufgestelltes Insektenhotel
Gemeinsames Aufstellen einer Nisthilfe © Hanna Rubenbauer

1. Gemeinsame Erarbeitung
Die Zusammenarbeit mit Kommunen im Rahmen von Insektenschutzprojekten zeigt: Erfolge entstehen dort, wo Praxisnähe, Kommunikation und Beteiligung zusammengedacht werden. Bauhöfe und kommunale Planer*innen kennen ihre Flächen am besten – dieses Wissen sollte von Beginn an aktiv einbezogen werden. Erfahrungen aus dem Projekt zeigen: je mehr sich die Beteiligten selbstständig mit der Planung auseinandersetzen, desto größer wird ihre Bereitschaft zur Umsetzung und ihre Identifikation mit den Maßnahmen.

2. Mit Pilotflächen starten
Erste sichtbare Maßnahmen auf kleineren Flächen eignen sich hervorragend, um Erfahrungen zu sammeln und Berührungsängste abzubauen. Besonders geeignet sind Bereiche mit geringem Nutzungsdruck wie Randstreifen, größere Verkehrsinseln oder Abschnitte in größeren Grünanlagen. Pilotflächen ermöglichen es, Pflegeabläufe zu testen und Wirkungen sichtbar zu machen – intern wie extern.

3. Pflegeprozesse mitdenken
Insektenschutz funktioniert nur, wenn die Pflege langfristig realistisch bleibt. Dazu zählt insbesondere ein angepasstes Mahdregime mit reduzierter Häufigkeit, belassenen Rückzugsräumen und klar abgestimmten Zeitfenstern. Praktisch hat sich bewährt:

  • Schulungen direkt mit dem Bauhof
  • kleine Laminate oder digitale Übersichten zu Geräten, Höhen und Zeitpunkten
  • klare interne Zuständigkeiten pro Fläche
  • rechtzeitige Einbindung externer Dienstleister, um vertragsgebundene Pflegestandards anzupassen

4. Erfolge & Misserfolge kommunizieren
Neue Pflegeformen können zunächst ungewohnt wirken (nicht gemäht = ungepflegt). Informationstafeln, Artikel im Gemeindeblatt oder Social-Media-Posts helfen, Verständnis und Akzeptanz aufzubauen. Positive Rückmeldungen aus der Bevölkerung stärken sowohl die Motivation des Bauhofs als auch den politischen Rückhalt. Misserfolge proaktiv zu kommunizieren, statt zu vertuschen und schön zu reden, erhöht das Vertrauen in der Zusammenarbeit.

Etwa 10 junge Kinder hocken bei leichtem Schneefall am Rand einer Beetfläche neben einem Parkplatz und arbeiten mit den Händen in der Erde, drumherum einige Erwachsene
Frühblüher stecken mit einer Kita © Johannes Tschich

5. Kooperationen nutzen
Ortsbeiräte, Kitas, Schulen (s. auch Kap: Erfahrungswerte und Erfolgsrezepte für die Zusammenarbeit mit Schulen und Kitas), Jugendgruppen, Vereine oder Kirchengemeinden können helfen, Maßnahmen zu begleiten. Manchmal erklären sich auch Unternehmen oder Landwirte bereit, unter Einsatz von Arbeitskraft, Material, Maschinen, Geräten, Saatgut, Pflanzen etc. Kooperationen einzugehen.

6. Öffentlichkeit mitnehmen
Entscheidend ist außerdem, Erfolge auch gegenüber Politik und Öffentlichkeit sichtbar zu machen, um Rückhalt zu sichern und intern wie extern Wertschätzung zu erzeugen. Eine Presseinformation schon vor Beginn der Maßnahme verhindert irritierte Anrufe und Rückmeldungen. Elemente wie Blühpatenschaften, gemeinsam aufgestellte Infotafeln und Nisthilfen oder Führungen zeigen, dass die Kommune aktiv handelt, regen Beteiligung an und bestärken die Identifikation mit den Maßnahmen.

7. Monitoring erleichtern
Schon eine einfache Fotodokumentation schafft eine Grundlage, um Veränderungen zu belegen. Citizen-Science-Ansätze für das Monitoring (z.B. gemeinsame Insektenbestimmungen) erhöhen die Identifikation mit Maßnahmen. Dokumentationen über die Wirksamkeit von Maßnahmen erhöhen die Sichtbarkeit in politischen Gremien und helfen, weitere Schritte zu legitimieren.

Wenn Kommunen als Partner auf Augenhöhe einbezogen werden, entstehen Maßnahmen, die fachlich sinnvoll, wirtschaftlich tragbar und dauerhaft wirksam sind. Kleine Schritte führen zu großen Veränderungen – und jede erfolgreich umgesetzte Maßnahme erleichtert die Bereitschaft zu nachfolgenden.


Positiv- und Negativbeispiele aus der Umsetzung

Fünf Erwachsene Arbeiten mit Handgeräten und Pflanzen auf einer Beetfläche neben einem Gebäude
Gemeinsame Wildstaudenpflanzung © Johannes Tschich

Positivbeispiel: Pilotfläche im Ortsteil
Vor einem Dorfgemeinschaftshaus wurde ein Insektenbeet gemeinsam mit den Ortsbewohner*innen gepflanzt und heimische Arten etabliert. Die Fläche entwickelt sich sichtbar artenreicher, Pflegeaufwand und Mähzeiten sanken. Eine Infotafel erklärt die Maßnahme – seither wird die Fläche sogar von anfangs sehr kritischen Bürger*innen positiv wahrgenommen und unterstützt. Sie agieren als Multiplikator*innen und erklären anderen Gästen den Sinn dieser Maßnahme.

Positivbeispiel: Einbindung des Bauhofs
Bauhof-Mitarbeitende wurden frühzeitig in die Planung eines öffentlichen Außengeländes einbezogen. In einer gemeinsamen Schulung wurden Mahdhöhen, Schnittzeitpunkte und Maschinenanpassungen besprochen. Das Team brachte eigene Ideen ein – dadurch wurden Maßnahmen pflegeeffizient umgesetzt und nachhaltig in den Arbeitsabläufen verankert.

Positivbeispiel: Anlage von Hecken als Gemeinschafts-Aktion
Im BROMMI-Projekt wurde die Anlage von mehreren Hecken auf Gemeindeflächen finanziert. Die Gemeinde hatte den Zaun gestellt und aufgebaut und übernimmt seither verlässlich das Bewässern der Sträucher. In einer weiteren Gemeinde wurden die Sträucher gemeinsam mit Kindern (Junior Rangern) gepflanzt.

Positivbeispiel: Anlage von Sandarien mit dem Bauhof
BROMMI hatte die Lieferung von lehmigem Sand organisiert. Mögliche Standorte wurden gemeinsam definiert. Vom Bauhof wurden hiernach die Sandarien eigenständig angelegt.

Sechs Erwachsene stehen mit diversen Mahdgeräten auf einem Parkplatz, im Hintergrund Fahrzeuge und ein Gebäude
Übergabe von Mahdgeräten an kommunalen Bauhof © Hanna Rubenbauer

Positivbeispiel: Maßnahme mit dem Bauhof
Einem Bauhof wurden kostenfrei neue insektenfreundlichere Mahdgeräte unter der Bedingung bereitgestellt, dass in den ersten drei Jahren bestimmte Flächen extensiv gepflegt und danach schrittweise mehr Flächen entwickelt werden. Der Bauhof war schnell derart überzeugt, dass er bereits im zweiten Jahr die extensiv gepflegten Flächen stark ausgedehnte und erweiterte.

Positiv- und Negativbeispiel: Politische Ränke mit glücklichem Ausgang
In einer Gemeinde wurde auf mehreren großen Flächen ein Lehm-Sandgemenge ausgebracht, um Magerstandorte für Wildkräuter zu schaffen. Leider war der Boden so mager, dass selbst Wildkräuter Probleme hatten sich zu etablieren. Dies sorgte seitens einer Partei für Mitteilungen wie „Stadt legt Beachvolleyball-Felder mitten in der Stadt an“. Nach drei Jahren jedoch waren die Stauden etabliert und es konnten sogar Rote Liste Arten bei den Insekten nachgewiesen werden.

Negativbeispiel: Mahd zur „falschen“ Zeit
An einer extensiv gepflegten Wiese wurde durch Fehlkommunikation das Mahdregime kurzfristig wieder auf häufige Schnittintervalle umgestellt, um ein „ordentlicheres“ Erscheinungsbild zu erzielen. Blühpflanzen verschwanden in der Folge fast komplett, Insektenlebensräume gingen verloren. Der vorherige Erfolg wurde deutlich zurückgeworfen.

Negativbeispiel: Fehlende Kommunikation
Eine Teilfläche im Ortskern blieb ungemäht, um Blühstrukturen zu fördern. Da keine Information erfolgte, sorgten Beschwerden aus der Bevölkerung über „Unordnung“ für Druck. Die Fläche musste daraufhin vorzeitig komplett gemäht und die Maßnahme vorerst beendet werden.

Negativbeispiel: Maßnahme ohne konkreten Pflegeplan
Ein Wildstaudenbeet wurde angelegt, aber die anschließende Pflege nicht konkret genug abgestimmt. Die aufwändig angelegte Fläche drohte in einer Trockenperiode durch fehlende Zuständigkeit zu vertrocknen und verunkrautete stark. Das Erscheinungsbild in der Öffentlichkeit wurde mit Unordnung und Verwilderung gleichgesetzt und es gab viele Beschwerden.

Negativbeispiel: Fehlende Verbindlichkeit in der Umsetzung
Das Anlegen einer Blühfläche mit Nistmöglichkeiten für Insekten (Nisthilfe und Sandarium) wurde von der Stadt für eine große Fläche zugesagt. Entsprechende Materialien wurden bereitgestellt. Aufgrund unklarer Zuständigkeiten hat sich die Umsetzung stark verzögert, bis sie dann von der Stadt gänzlich abgebrochen wurde. Leider hatte bis dahin das Saatgut im Wert von mehreren 100 € so sehr gelitten, dass es nur noch bedingt brauchbar war.


Weiterführende Informationen

• NNL-Schautafeln „Mehrjährige Blühflächen“ und „Hecken“ (Vorlagen im NNL-Design als PDF und offene Indesign-Datei)

• WWF Deutschland (2026): Pflanzt du noch oder summt es schon? Praktische Tipps zur Auswahl insektenfreundlicher Pflanzen.

Förderprogramme (abgerufen im November 2025):

• Natürlicher Klimaschutz in Kommunen (NKK, KfW 444)

Natürlicher Klimaschutz in Kommunen in Baden-Württemberg (NNK KfW 444 in Ba-Wü)

• Natürlicher Klimaschutz in Kommunen in Bayern (ANK KfW 444 in BY)

• Natürlicher Klimaschutz in ländlichen Kommunen (ANK)

• Bundesprogramm Biologische Vielfalt – Förderschwerpunkt „Stadtnatur“

• Förderung kommunaler Biodiversitätsstrategien (BPBV / Stadtnatur)

• EU-Programm LIFE (Schwerpunkt Nature & Biodiversity / Circular Economy & Quality of Life)


Autor*innen:

• Dr. Josephine Kuczyk, BROMMI-Projektmanagerin Biosphärenreservat Schaalsee

• Wiltrud Fischer, BROMMI-Projektmanagerin Biosphärenreservat Rhön

• Hanna Rubenbauer, BROMMI-Projektmanagerin Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin

• Johannes Tschich, BROMMI-Projektmanager Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin

 

Keine Quellen gefunden.

Spenden Fördermitglied werden