Unterstützt durch:

Coca-Cola Foundation

Neue alte Sorten für die Streuobtwiese

Um die Bäume langfristig zu erhalten müssen sie regelmäßig geschnitten werden. Besonders die alten Zwetschgenbäume tragen viel Totholz in den Kronen. Das ist zwar günstig für die Artenvielfalt, zeigt aber, dass hier die Pflege lange vernachlässigt wurde. Ein Stabilisierungs- und Erhaltungsschnitt ist nötig, damit die Bäume standhaft bleiben. Die jungen Bäume erhalten jährlich einen Erziehungsschnitt, […]

Mahd

Alle zwei Jahre soll eine Mulchmahd erfolgen. Das heißt, das abgemähte Gras bleibt auf der Wiese liegen. Normalerweise ist das nicht gut, weil der Boden unter dem Gras nicht genug Luft und Sonnenlicht bekommt. Aber um die Verfilzung in den Griff zu bekommen, ist dies ab und an nötig. Durch das verrottende Gras kommen Nährstoffe […]

Alte und junge Obstbäume

Etwa 4.300 Quadratmeter umfasst die geförderte Streuobstwiese. Unter den 43 Obstbäumen findet man fast ausschließlich Zwetschgenartige auf der Projektfläche. Es sind überwiegend alte, hochstämmige Obstbäume. Für die biologische Vielfalt ist dieser Baumbestand sehr wertvoll, denn in den hohen Stämmen bildeten sich über die Jahre Risse und Spalten in der Rinde und Spechte klopften Höhlen und […]

Die Streuobstwiesen „Herrengarten“ – ein Kleinod im Biosphärenreservat Thüringer Wald

Weite Bergwiesen und tiefe Wälder – denken wir an den Thüringer Wald dann haben wir dieses Bild vor Augen. Der Thüringer Wald ist uns als eines der beliebtesten Natur- und Kulturziele Deutschlands bekannt. Neben den vielen Angeboten für Naturbegeisterte zeichnet diese Gegend auch seine besondere historische Vergangenheit aus. Der Rennsteig ist einer von vielen Wanderwegen […]

Ausgangszustand

Die Projektfläche ist Teil einer großen Streuobstwiese „Herrengarten“ im Suhler Ortsteil Dietzhausen. Streuobstwiesen sind in dieser Höhenlage in Thüringen aufgrund der klimatischen Voraussetzungen eher eine Seltenheit.

Bei der Projektfläche handelt es sich um eine Magerwiese mit alten Obstbäumen und Gehölzsukzession. Sie ist aufgrund ausgelassener Pflegemaßnahmen stark verfilzt. Der Unterwuchs muss maschinell entbuscht werden, um eine weitere Pflege der Wiese zu gewährleisten. Eine maschinelle Mahd ist aufgrund der geringen Pflanzabstände der Gehölze schwierig, weshalb eine extensive Beweidung mit wenigen Schafen bzw. zwei Rindern priorisiert wird. Zudem ist für alle zwei Jahre eine Mulchmahd zu empfehlen, um eine erneute Verfilzung der Krautschicht zu unterbinden.

Kennzeichnend ist der fast flächendeckende Bestand an alten Obstgehölzen, die fast ausschließlich den Zwetschgenartigen zuzuordnen sind. An Jungbäumen finden sich nur vereinzelt Apfel und Birne. Die Altbäume weisen sehr viel Totholz in der Krone auf, was darauf hinweist, dass seit vielen Jahren kein fachgerechter Baumschnitt vorgenommen wurde. Stehende Habitat- und Totholzstrukturen sind vorhanden und sollen erhalten werden.

Prognose

Durch die vorgenommenen Entbuschungs- und Entfilzungsmaßnahmen kann die Wiese wieder extensiv bewirtschaftet werden und es entwickelt sich eine, dem Standort entsprechend ausgebildete Magerwiese. Durch eine extensive Beweidung wird die Krautschicht fein strukturiert sein sowie artenreicher an Kräutern und bietet Lebensraum für zahlreiche Insekten. Die Wiese soll alle zwei Jahre zur Verhinderung der Verfilzung gemulcht werden. Die Altbäume sollen einen Stabilisierungsschnitt erhalten und es sollen neue Sorten nachgepflanzt werden.

An- und Nachpflanzung

Das Pflanzen neuer hochstämmiger, regionaltypischer und resistenter Sorten trägt zur Erhöhung der Artenvielfalt bei. Die Stammhöhe sollte mindestens 1,80m betragen.

Baumfällungen

Die Entnahme einzelner Bäume in dichten Beständen fördert die Besonnung der verbleibenden Baumkronen und des Unterwuchses. Dies kann die Nahrungsgrundlage vieler in Streuobstwiesen lebender Tierarten und damit die Artenvielfalt erhöhen.

Beweidung

Eine Beweidung mit Schafen oder Rindern kann zur Erhöhung der Artenvielfalt beitragen. Der Tierbesatz sollte in der Weidesaison (150 bis 180 Tage) im Mittel bei 0,5 bis 0,8 GV/ha liegen.

Entbuschung

Bei der Ausbreitung von Fremdgehölzen wie Brombeerbüschen kann die Artenvielfalt auf Streuobstwiesen nicht gewährleistet werden. Die Aufwertung der Fläche kann durch eine Entfernung der Gehölze erfolgen.

Erziehungsschnitt

Der Erziehungsschnitt dient dem Aufbau eines langfristig stabilen Kronengerüstes und der Entwicklung einer breiten, gut belichteten und zu erntenden Baumkrone. Er findet in den ersten Jahren statt, fördert die Wüchsigkeit und schützt vor Vergreisung.

Mahd

Mahd heißt immer mähen und abräumen des Mahdgutes von der Fläche. Diese gemähten Wiesen weisen in der Regel eine höhere Vielfalt an Pflanzen- und Insektenarten auf. Um letztere zu schonen, kommen nur Mähgeräte mit einer einstellbaren Höhe von mindestens acht Zentimetern zum Einsatz. Je nach Beschaffenheit der Wiese erfolgt die Mahd einmal (einschürig), zweimal (zweischürig) oder dreimal (dreischürig) im Jahr. Wird das Mahdgut in Ausnahmefällen nicht abtransportiert, kann die Einrichtung eines Komposthaufens vor Ort erfolgen.

Maßnahmen zum Baumbestand

Ziel ist es, eine Streuobstwiese mit altersgemischten Baumbestand aus hochstämmigen Obstbäumen (mindestens 1,80m Stammhöhe) zu schaffen. Bereits bestehende Mittelstämme (bis 1,60m Stammhöhe) bleiben auf den Flächen. Es wird eine Bestandsdichte von 50-70 Bäumen/ha angestrebt, damit für Wiesenpflanzen genügend Licht auf den Boden fällt.

Maßnahmen zum Unterwuchs

Ziel ist es, ein artenreiches Grünland (je nach Standort Fettwiese/ -weide oder Magerwiese/ -weide) mit extensiver Nutzung zu etablieren. Die Nutzung bzw. Pflege des Unterwuchses ist grundsätzlich möglich durch Beweidung oder Mahd.

Stabilisierungsschnitt

Vergreiste Obstbäume sollen unter Belassen von starkem Totholz stabilisiert werden. Der Stabilisierungsschnitt hat zum Ziel, die Standzeit im Bestand zu verlängern.

In diesem Projekt arbeiten wir zur Umsetzung der geplanten Maßnahmen mit folgenden regionalen Partnern zusammen:

Biosphärenreservat Thüringer Wald

Hohe Gipfel, ausgedehnte Bergmischwälder mit alten stattlichen Buchen, mosaikartig eingestreute blütenreiche Bergwiesen, klare sprudelnde Bergbäche und kleine Moore prägen das Landschaftsbild. Schiefer gedeckte Häuser geben den Waldsiedlungen ihr Gepräge und in den schmalen Tälern dehnen sich die Dörfer oft über Kilometer aus. Auch alte Handwerke, wie die Köhlerei und die Glasbläserei und gebietstypische Siedlungsstrukturen sind das Spiegelbild eines jahrhundertelangen Miteinander von Mensch und Biosphäre. Seit nun mehr 40 Jahren ist das Biosphärenreservat Thüringer Wald als UNESCO-Biosphärenreservat anerkannt und gehört neben dem Biosphärenreservat Mittelelbe zu den ältesten Biosphärenreservaten in Deutschland.

Weitere Informationen zum Biosphärenreservat: http://www.nationale-naturlandschaften.de/gebiete/biosphaerenreservat-thueringer-wald/ 

Stadt Suhl

Die kreisfreie Stadt Suhl, die „Stadt der Waffen“, liegt am Südwesthang des Thüringer Waldes. Mit etwa 40.000 Einwohner*innen ist sie die größte Stadt südlich des Rennsteiges, des berühmten mittelalterlichen Handelsweges. Als Teil des Umwelt- und Bauaufsichtsamtes der Stadtverwaltung von Suhl fungiert die Untere Naturschutzbehörde (UNB) als Projektträger für zertifizierte Naturschutzprojekte. Die UNB nimmt Aufgaben des Natur- und Landschaftsschutzes wahr. Neben dem Vollzug der gesetzlichen Bestimmungen im Arten-, Biotop- und Landschaftsschutz durch die Erteilung von Genehmigungen, Erlaubnissen und Einvernehmen ist sie beratend für Bürger*innen und Vorhabensträger*innen tätig.

Thomas Linde

Thomas Linde bewirtschaftet im Auftrag der Unteren Naturschutzbehörde der Stadtverwaltung Suhl die Streuobstwiese „Herrengarten“ in der Biosphärenregion Thüringer Wald. Unter Berücksichtigung aller Bewirtschaftungsauflagen mäht er die Wiese, führt fachgerechte Baumschnitt durch, pflanzt Obstbäume nach und führt auch gern wissbegierige Besucher*innen durch die artenreiche Streuobstwiese. Zudem kennt sich Herr Linde mit der Weiterverarbeitung von Streuobst bestens aus, denn er betreibt die Mosterei Linde in Dietzhausen.