Eine Vielzahl an Vogelarten wohnt auf Streuobstwiesen. Einige davon sind sogenannte Höhlenbrüter. Halsbandschnäpper, Gartenrotschwanz, Steinkauz, Wendehals, Grün-, Grau- und Mittelspecht gehören dazu. Sie brüten in den Baumhöhlen alter hochstämmiger Bäume. Aber nur die Spechte zimmern ihre Höhlen selbst. Bequemer machen es sich die anderen Arten, sie ziehen in die verlassenen Bauten ein. Die Spechte klopfen bevorzugt in totes Holz anstatt in einen gesunden Baum, da das Holz morscher ist. Baumhöhlen können auch durch Fäulnisprozesse entstehen, zum Beispiel wenn ein Ast abgebrochen ist und die Feuchtigkeit ins Holz eindringt. Diese sind als Behausung aber nicht so beliebt bei den Vögeln, da sie nicht so geräumig und trocken sind wie die von Spechten angefertigten Höhlen. In dicken und hohen Obstbäumen bilden sich mehr Baumhöhlen. Etwa fünf bis 10 Prozent alter abgängiger Bäume reichen aus, damit Höhlenbrüter genug Wohnraum auf der Streuobstwiese finden. Besonders viele Höhlen bilden sich in Apfelbäumen, da diese eher von Pilzen besiedelt werden. Nur wenige Höhlen bilden sich in Zwetschgenbäumen, daher sollte ihr Anteil nicht so hoch sein auf der Streuobstwiese. Auf unseren Projektflächen stehen besonders viele alte Apfelsorten, die beste Voraussetzungen zum Brüten für Vögel bieten. Damit sich die Vögel auf der Streuobstwiese wohl fühlen brauchen sie außer den Baumhöhlen auch Totholz. Die abgestorbenen Äste in der Krone nutzen Vögel gern als Ansitzwarte, um die Wiese zu überblicken und nach möglicher Beute Ausschau zu halten. Im Totholz leben Insekten, welche die Vögel als Nahrung nutzen. Wir belassen beim Baumschnitt daher immer einen Teil der abgestorbenen Äste in der Krone. Unter der groben Borke von Apfel-, Birnen-, Kirschen- und Walnussbäumen lebt eine Vielzahl von Insekten, die der Specht als Nahrung nutzt. In Hecken und Gebüschen, in Mauerritzen oder in Holzhaufen auf und in der Umgebung der Streuobstwiese versteckt sich ein kleines Schlaraffenland an Käfern, Raupen und anderen Krabbeltieren für die Vögel. Damit genügend Habitatbäume auf der Wiese zur Verfügung stehen, sollte die Altersstruktur der Obstbäume ausgeglichen sein. Das heißt, der größte Anteil der Streuobstbäume sollte im ertragsfähigen Alter sein (etwa 75-80 Prozent), ein kleiner Anteil von rund 15 Prozent noch jung und fünf bis 10 Prozent alt. Wenn die alten Obstbäume absterben müssen regelmäßig neue nachgepflanzt werden. Auch die Pflege durch regelmäßigen Schnitt ist wichtig, um die Struktur der Krone zu erhalten. Halsbandschnäpper, Gartenrotschwanz und Baumpieper suchen in den lichten Baumkronen Deckung, um Ausschau nach Beute zu halten. Der Rotkopfwürger und der Buchfink finden im stabilen Astwerk ein sicheres Plätzchen für den Nestbau. Für Vögel ist auch die richtige Wiesenpflege von Bedeutung. Wo blütenreiche Wiesen wachsen, gibt es auch genügend Insekten zum Jagen. Unsere Projektflächen werden extensiv bewirtschaftet. Das heißt, es wird nur zweimal im Jahr gemäht, so dass sich die Wiesenpflanzen entwickeln und blühen können. Damit die Bodenjäger ihre Beute auch erspähen können, darf der Unterwuchs der Streuobstwiese nicht zu hoch und zu üppig sein. Ein Mosaik aus langen und kurzen Wiesenbereichen ist sinnvoll. Bei der Mahd wird nicht gleich alles abgemäht, sondern Blühstreifen stehen gelassen. Durch diese angepasste Streifenmahd finden Insekten das ganze Jahr über Nektar auf der Streuobstwiese und die Vögel freuen sich über das üppige Nahrungsangebot. Schmetterlinge, Käfer und Wanzen erspähen sie von einem erhöhten Punkt aus im niedrigen oder unregelmäßig hohen Gras des Unterwuchses. Ameisenpuppen sind die Leibspeise von Wendehals, Grau- und Grünspecht. Einige Ameisennester finden die Vögel an Säumen in der Nähe der Streuobstwiese. Da die auf altbewährte Art bewirtschafteten Streuobstwiesen immer weniger werden, finden auch die in ihnen lebenden Vogelarten keinen Lebensraum mehr. Auf unseren Projektflächen im Biosphärengebiet Schwäbische Alb schaffen wir für die gefährdeten Vogelarten ein lebenswertes Refugium. Vögel der Streuobstwiesen im Porträt Ein typischer Höhlenbewohner der Streuobstwiesen ist der Steinkauz (Athene noctua). Die offenen Wiesenflächen mit den vereinzelt stehenden Obstbäumen und kleineren Strukturelementen wie Hecken und Holzstapel bieten dem kleinen Eulenvogel einen idealen Lebensraum. Als Höhlenbrüter zieht er seine Jungen in den Aushöhlungen der alten Obstbäume auf, die Spechte hinterlassen haben. Er rennt aber auch gern mal am Boden im lückigen Unterwuchs der Wiese herum, wenn er auf Jagd nach Mäusen und Insekten ist. Seine Beute findet er auch in Hecken. Der ortstreue Steinkauz nimmt gleich mehrere Baumhöhlen ein, die er außer zum Brüten auch zur Lagerung seiner Beute nutzt. Die ausladenden Äste von Apfelbäumen und abgestorbene Bäume dienen ihm als Aussichtsplattform bei der Suche nach Beute. Der Erhalt alter Streuobstwiesen ist für sein Überleben sehr wichtig, denn Veränderungen und Zerstörung seines Lebensraumes setzen dem Steinkauz zu. Er benötigt extensiv genutzte Wiesen, in denen er Mäuse und Reptilien jagen kann. Durch die intensive Landwirtschaft und die Rodung alter Streuobstwiesen findet er immer weniger Möglichkeiten zum Jagen und Brüten. Die Art ist in ganz Deutschland bereits stark gefährdet. Auf unserer Projektfläche gibt es für den Steinkauz genügend alte Streuobstbäume mit Höhlen zur Aufzucht der Jungen.
Steinkauz / Foto: © pixabay
Auch der Wendehals (Jynx torquilla) ist ein häufiger Bewohner von Streuobstwiesen. Am liebsten bezieht er fertig gezimmerte Spechthöhlen in Apfelbäumen, die ein bis zwei Meter über dem Boden liegen. Künstliche Nisthilfen nimmt der Wendehals auch gern an. Er ernährt sich hauptsächlich von Ameisenpuppen. Wo der Wendehals wohnt, sollten Ameisenbauten in der Nähe sein. Rund um die Streuobstwiese findet der Vogel in Hecken, Gebüschen, an Gräben und Wegrändern Insekten. Der Wendehals ist in Deutschland stark gefährdet, weil er immer weniger alte Höhlenbäume zum Brüten findet. Sein Bestand nimmt immer mehr ab.
Wendehals / Foto: © Bernhard Etspüler / NABU Neuffen
Ende April kehrt der Halsbandschnäpper (Ficedula albicollis) aus seinem Winterquartier zurück nach Deutschland. Sein Lieblingswohnort sind Streuobstwiesen. Dort bezieht er die noch frei gebliebenen Baumhöhlen. Da er einer der letzten Rückkehrer unter den Zugvögeln ist, sollten ausreichend Nisthöhlen auf der Streuobstwiese zur Verfügung stehen, sonst sind alle schon durch andere Höhlenbrüter besetzt. Wir haben das Angebot um einige Nistkästen bereichert, damit auch die Nachzügler noch einen Brutplatz abbekommen. Im dichten Geäst der Baumkronen macht der Halsbandschnäpper Jagd auf Gliederfüßler, vor allem Schmetterlinge, Hautflügler, Webspinnen und Käfer. Viel Totholz in der Krone ist daher für die Vogelart wichtig, da im abgestorbenen Holz viele Insekten leben. Spätestens im August verlässt der Weitstreckenzieher uns wieder, um im tropischen Afrika zu überwintern. Da die begehrten Baumhöhlen mittlerweile zur Mangelware geworden sind, ist der Bestand des Halsbandschnäppers gefährdet. In Baden-Württemberg und damit auch im Biosphärengebiet Schwäbische Alb leben im bundesweiten Vergleich noch die meisten Paare dieser Vogelart.
Halsbandschnäpper / Foto: © Bernhard Etspüler / NABU Neuffen
Der Gartenrotschwanz (Phoenicurus phoenicurus) war ein einst häufig zu beobachtender Vogel in Wäldern, Parks und Gärten. Die abwechslungsreiche Landschaft von Streuobstwiesen sind ideal für ihn: Gebüsche zum Verstecken, hohe Ansitzwarten zum Ausschau halten, eine strukturreiche Vegetation mit hohen und niedrigeren Gräsern für die Jagd nach Insekten, dazu noch alte Höhlenbäume. Nistkästen nimmt der Gartenrotschwanz auch gern an. Mittlerweile steht er auf der Vorwarnliste der gefährdeten Arten, da er immer weniger geeignete Lebensräume findet. Durch Schutzbemühungen geht der Trend aber wieder aufwärts. Von April bis September kann man den Zugvogel auf den Streuobstwiesen beobachten und dem variationsreichen Gesang des Gartenrotschwanzes lauschen.
Gartenrotschwanz / Foto: © Bernhard Etspüler / NABU Neuffen
Für einige Nestbauer unter den Vögeln, sind die Streuobstwiesen ein ebenso beliebter Lebensraum. Der Buchfink fühlt sich bei uns auf den Projektflächen wohl. Seine Nester fertigt das Buchfinkenweibchen aus Halmen, Moosen, Flechten, Rindenfasern und Haaren an. Anschließend polstert es den Boden des Nestes mit Federflaum aus. Während der Brutzeit sucht der Buchfink am Boden im Gras nach Insekten und Samen. Daher ist die richtige Wiesenpflege sehr wichtig, um dem Vogel eine geeignete Nahrungsgrundlage zu sichern. Ab Mitte April geht die Brutsaison los und man hört den lebhaften Gesang des Streuobstwiesenbewohners.
Buchfink / Foto: © Bernhard Etspüler / NABU Neuffen
Titelbild: Buntspecht / Foto: © Bernhard Etspüler / NABU Neuffen