Die Gutachter*innen bewerteten die Wiese vor Projektbeginn. Dazu schauten sie sich die Anzahl der verschiedenen Wiesenpflanzen an, den Bestand und die Altersstruktur der Obstbäume und die Anzahl der für den Lebensraum typischen Arten an. Die Expert*innen dokumentierten mögliche Beeinträchtigungen, wie sie durch Düngung oder Trittschäden von Weidetieren entstehen können und schlossen daraus, welche Maßnahmen zur Pflege des Unterwuchses ergriffen werden müssen. In den Jahren zuvor war das abgeschnittene Gras nach der Mahd auf der Wiese liegen gelassen worden und hatte den Boden gedüngt. Dies führte dazu, dass sich Nährstoffe anreicherten. Auf diesem „fetten“ Boden können nur wenige Pflanzenarten gedeihen. In den vorangegangenen Jahren hatten wir einige Bäume gefällt und Gehölze zurückgeschnitten. Durch diese Auslichtung fällt nun mehr Sonne auf die Wiese und fördert das Wachstum der Gräser und Wildkräuter. Auf ihrer Erkundungstour hatten die Fachleute einige Pflanzenarten entdeckt, die typisch sind für den Lebensraum Fettwiese. Dazu gehören der Scharfe Hahnenfuß, der Wiesen-Bärenklau und der Gamander-Ehrenpreis. Auch unter dem Namen „Wildes Vergissmeinnicht“ bekannt, wächst der Gamander-Ehrenpreis (Veronica chamaedrys) vereinzelt auf der Projektfläche. Zwischen April und Juli zeigt die krautige Pflanze ihre kleinen blau-violetten Blüten und wird gern von Wildbienen und Schwebfliegen besucht. Der Ehrenpreis ist ein Sonnenanbeter, der nur an einem sonnenbeschienenen Standort seine Blüten öffnet. Durch die späte Mahd und ihre frühe Blütezeit hat der Gamander-Ehrenpreis genug Zeit sich auf der Streuobstwiese zu verbreiten. Dem Unterwuchs auf der Projektfläche geht es gar nicht gut. Auf dem linken Foto erkennt man die kahlen Stellen im Boden und das braune vertrocknete Gras.
Wiese nach der ersten Mahd im Juli 2020…
und nach der zweiten Mahd im September desselben Jahres. / Foto: © Schwäbisches Streuobstparadies e.V.
             
Gamander-Ehrenpreis (Veronica chamaedrys) / Foto: pixabay
Titelbild: Die Streuobstwiese bei Weilheim-Hepsisau im Biosphärengebiet Schwäbische Alb nach der ersten Mahd im Juni 2021 / Foto: © Schwäbisches Streuobstparadies e.V.