Die alten Obstbäume haben mittlerweile ein mächtiges Kronendach entwickelt. Hin und wieder ist es notwendig die Zweige zu kürzen und etwas auszulichten, ähnlich wie beim Haareschneiden. Der Pflegeschnitt dient dazu, die Statik der Krone zu erhalten und verlängert die Lebensdauer des Obstbaumes, so dass er seine ökologische Funktion erfüllen kann. Besondere Totholzstrukturen, die für einige Tierarten überlebenswichtig sind, werden durch den Schnitt erhalten. Außerdem verhindert der Schnitt, dass Äste unter der Last des Obstes oder bei Stürmen abbrechen. Der erste Blick vor Arbeitsbeginn gilt der Wuchskraft des Baumes. Diese entscheidet, wie viel wir abschneiden. Über die Jahre haben die Streuobstbäume unzählige Triebe entwickelt. Zeigt der Obstbaum einen starken Austrieb junger Zweige, dürfen wir nicht so viel abschneiden, um den Baum nicht aus seinem physiologischen Gleichgewicht zu bringen. Er reagiert sonst mit starkem Neuaustrieb im nächsten . Es ist dann besser in jedem Jahr nur etwa 20 Prozent der Äste zu entnehmen. Die Obstbäume nehmen uns den Eingriff auch nicht so übel, wenn wir seltener und dafür weniger abschneiden. Die Obstbäume zeigten keinen übermäßig starken Austrieb, wir konnten also beherzt zur Säge greifen. Mit dem Schnitt bringen wir die Vitalität des Baumes in Schwung, da die Blätter mehr Licht abbekommen.
Foto: © Schwäbisches Streuobstparadies e. V.
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An die unteren Äste kommt man noch sehr gut mit der Handsäge heran. Das bedeutet Muskelkraft! Die Arbeit auf der Streuobstwiese tut auch Leib und Seele gut.         Sehr lange Äste, die weit ausladen, müssen wir stutzen. Die Bruchgefahr ist zu groß. Manchmal lässt der Obstbaum auch die Äste hängen, solch abgetragenes Fruchtholz muss entfernt werden. Das junge Fruchtholz soll waagerecht oder nach oben wachsen. Einige Äste wachsen kreuz und quer durcheinander. Dadurch wird es im Inneren der Krone immer enger und das Blattwerk immer dichter. Überflüssige Äste und Triebe müssen wir entnehmen, damit das Sonnenlicht jedes Blatt erreichen kann. Ohne ausreichend Sonnenlicht, verkahlen die Kronen und die Früchte können ihr Aroma nicht gut entwickeln.
Foto: © Schwäbisches Streuobstparadies e. V.
Sogar bis in die zweite und dritte Kronen-Etage reicht die Handsäge! Das erfordert viel Geschick von den Baumpfleger*innen.            
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Bequemer geht es mit der Leiter. Ein sicherer Stand ist gefragt!            
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Die Birne musste ganz schön Äste lassen. Die Zweige können weiterverwendet werden, zum Beispiel als Unterschlupft für allerlei Tiere, aufgeschichtet am Rande der Projektfläche. Spitzmäuse, Igel, Erdkröte und Zauneidechsen überwintern gern in den Reisighaufen aus abgeschnittenen Obstzweigen. Viele Insekten benötigen abgestorbenes Holz für ihre Entwicklung und ebenso zur Überwinterung. Da in Wirtschaftswäldern das Totholz weggeräumt wird, weichen die Tiere gern auf nachhaltig bewirtschaftete Streuobstwiesen mit stehen und liegen gelassenem Totholz und naturnahe Gärten aus. Titelbild: Streuobstwiese im Biosphärengebiet Schwäbische Alb, Projektfläche im Naturschutzgebiet Limburg bei Weilheim an der Teck / Foto: © Schwäbisches Streuobstparadies e. V.