Unsere alten Obstbäume in Hümpfershausen haben es schwer! Durch fehlende Niederschläge und gefräßige Insekten haben sie über den Sommer gelitten. Die Pflege der Obstbäume erfordert viel Erfahrung und Fachwissen, aber auch eine gewaltige Portion Bauchgefühl. Das alles bringt Streuobstwiesenbewirtschafter Herr Kerner mit. Er hat schon lange Erfahrung mit der Pflege von Obstbäumen. Durch das ausgeklügelte System einer angepassten Pflege konnte der Bewirtschafter der Fläche das Absterben weiterer Altbäume verhindern. Die Jungbäume entwickeln sich prächtig. Hier bewährt sich die Methode, die Obstgehölze auf der Streuobstwiese frühzeitig zu pflanzen und sie „vor Ort zu Hochstämmen zu erziehen“. Das Grünland hat sich weiterhin positiv entwickelt. Durch die schonende Streifenmahd herrscht ein beeindruckendes Gewusel an Insekten – Tagfalter, Heuschrecken, Wanzen und Co. geben sich ein Stelldichein.
Sichelschrecke / Foto: LPV Rhön
Wespenspinne / Foto: LPV Rhön
Bei der Streifenmulchmahd werden immer nur einzelne Streifen gemäht und die Bereiche daneben stehengelassen. Dadurch wachsen über das ganze Jahr blühende Pflanzen, die ein Nahrungsangebot für Insekten darstellen. Und so funktioniert die angepasste Streifenmahd, eine extra von unserem Bewirtschafter auf der Fläche entwickelte Wiesenpflegetechnik: Drei Reihen in einem Abstand von je zwei Metern Breite werden freigestellt: Die erste Bahn wird von Baum zu Baum gemäht, die zweite Bahn rechts daneben, die dritte Bahn links daneben.
Foto: LPV Rhön
Foto: LPV Rhön
      Die Baumreihen werden freigestellt und die Stämme gepflegt. Um die jungen Obstbäume wurden Schilfrohrmatten angebracht, damit sie vor Verbiss geschützt sind.  Die Matten kommen jetzt ab und die Stämme werden abgebürstet. Wenn sich Wildtriebe am unteren Bereich des Stammes gebildet haben, werden diese entfernt. Im September, je nach Witterung, wird dann im Bereich der unteren Astansätze geschnitten, entweder für das Stammdickenwachstum zurück, oder für die Bildung der Stammform hochgeastet.
Die Schilfrohrmatte ist entfernt, der Stamm abgebürstet, die Stäbung gelöst. / Foto: LPV Rhön
Nicht gewollter Wildwuchs wird entfernt. / Foto: LPV Rhön
               

Wieviel neue zarte Triebe sich entwickelt haben ist abhängig von der Sorte, dem Wetterverlauf sowie dem Schnitt des vorangegangenen Jahres. Für dieses Jahr sind wir zufrieden: der Jahreszuwachs für 2020 liegt bisher bei gut 20 Zentimetern; ein natürlicher Zuwachs sorgt für stabile Bäume.

„Neuzuwachs“ / Foto: LPV Rhön
Neuer junger Trieb / Foto: LPV Rhön
              Das wertvollste Geschenk für die Arbeit an den Bäumen ist die natürlich entstehende Fruchtwilligkeit. Um dies zu erreichen, müssen die Obstbäume schön gleichmäßig wachsen. Ganz oben an der Krone erkennt man bereits natürlich entstandene Verzweigungen. Das ist ein deutliches Merkmal für das angestrebte Wachstum im Gleichgewicht. Es ist die Voraussetzung für die weiteren Schnittmaßnahmen im September.
Foto: LPV Rhön
Foto: LPV Rhön