Die Obstbäume auf unseren Projektflächen stehen in voller Blüte und auch die Wiese erwacht nach der langen Winterruhe langsam wieder zum Leben. Um die biologische Vielfalt auf der Projektfläche zu beurteilen, haben die Expert*innen den Unterwuchs genau unter die Lupe genommen. Dabei fallen einige Vertreter unter den Wiesenpflanzen besonders auf, denn sie verraten uns viel über den Untergrund auf dem sie wachsen und wie die Wiese genutzt wird. Bei unseren Kontrollgängen haben wir an einigen Stellen die Echte Schlüsselblume (Primula veris) entdeckt. In manchen Regionen wagt sie sich schon im Februar hervor und ist somit ein erstes Anzeichen für den kommenden Frühling. Das Primelgewächs siedelt sich gern auf kargem, kalkhaltigem Boden an. Daher finden wir sie häufig dort, wo der Boden nährstoffarm ist und nicht gedüngt wird. Auf Magerwiesen, an Gräben und unter Obstbäumen wächst sie besonders häufig. Leider ist die echte Schlüsselblume in den überdüngten Kulturlandschaften Deutschlands stark zurückgedrängt worden. Da sie inzwischen so selten ist, steht sie unter Naturschutz und es ist untersagt die Wurzeln der wildwachsenden Pflanzen auszugraben. Auf unserer Projektfläche gedeiht die Echte Schlüsselblume sehr gut, denn sie wird nicht gedüngt, das Mähgut wird sorgfältig abgeräumt, um die sogenannte  „Aushagerung“ des Bodens weiter zu unterstützen. Für die Expert*innen ist ihr Vorkommen ein nützlicher Hinweis zur Bewertung der Bodenverhältnisse. Die Echte Schlüsselblume gilt als Magerkeitszeiger. Dort wo sie wächst, sind auch seltene Schmetterlingsarten nicht weit. Die Silbergraue Bandeule und der Schlüsselblumen-Würfelfalter nutzen die Pflanze als Nektarquelle und Futterpflanze für ihre Raupen. Hummeln und Schmetterlinge bestäuben die doldenförmigen Blüten, da sie mit ihren langen Rüsseln in die schmalen Blütenkelche zum Nektar gelangen.
Echte Schlüsselblume / Foto: Schwäbisches Streuobstparadies e.V.
  Titelbild: Blühender Apfelbaum / Foto: Schwäbisches Streuobstparadies e.V.