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Dr. Katja Arzt
Leiterin Unternehmenskooperationen

Tel.: 030 / 288 788 2-25
Fax: 030 / 288 788 2-16
E-Mail: Katja.Arzt@Nationale-Naturlandschaften.de

Ausgangszustand

Das Projektgebiet liegt im Biosphärenreservat Thüringer Wald. Die Region ist geprägt durch einen sehr hohen Waldanteil und reich an Quellgebieten und Fließgewässern. Die „Böse Schleuse“ bildet die historische Grenze zwischen dem Ilm-Kreis und dem Landkreis Hildburghausen. Der direkte Anschluss an den Fernwanderweg Rennsteig rückt das Gebiet in einen besonderen Fokus.

Maßnahmen werden im Quell- und Oberlaufbereich der „Bösen Schleuse“ und im direkt angrenzenden Wald durchgeführt. Der „Schleusegrund“ ist ein tief eingesenktes Kerbtal, ein typisches Landschaftselement des mittleren Thüringer Waldes. Aktuell dominieren Fichten im Projektgebiet, insbesondere im Quellbereich der „Bösen Schleuse“. Der Wald ist dicht geschlossen, so dass wenig Licht zum Boden dringt. Es fehlen Samenbäume (insbesondere Weißtanne, Erle, Weide und Bergahorn) im weiteren Umfeld. Daher können sich potentiell natürlichen Baumarten nicht selbstständig ansiedeln. Markant ist dies gerade auch im Bereich der Bachaue, dadurch fehlen hier die typischen Laubbäume (v.a. Roterle, Weide, Bergahorn) weitestgehend. Ursprünglich wuchsen hier hauptsächlich Buchen. Die Raumstruktur der Wälder ist überwiegend einschichtig, d. h. es gibt nur ein „Stockwerk“ aus etwa gleichhohen Bäumen eines Alters im Wald. An manchen Stellen gibt es auch zweischichtige Bestände, vor allem aus Fichtennaturverjüngung. Stehendes und liegendes Starktotholz sowie Habitatbäume sind auf Grund der strukturarmen Ausprägung der Wälder nur in geringen Anteilen vorhanden. Aktuell sind im Projektgebiet keine Waldlebensräume gemäß Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie) nachgewiesen.

Die „Böse Schleuse“ lässt die Abfolge strömungsärmerer und turbulent fließender Bereiche vermissen.  Im Vergleich zu natürlichen Waldbächen (z.B. in Naturwaldreservaten) ist die Menge an Totholz in der „Bösen Schleuse“ deutlich geringer. Überwiegend handelt es sich um kleine Totholzreste. Da große Totholzelemente im Fließgewässer fehlen, gibt es kaum Nebenbäche, Stillwasserbereiche und Kolke. Die Wegedurchlässe sind zu schmal und beeinträchtigen daher die Durchgängigkeit in den Nebenbächen.

Prognose

Durch die geplanten Pflanzungen, vor allem mit Buche, Weißtanne, Bergahorn, Roterle und Weide, wird die Baumartenzusammensetzung deutlich diverser, eine aktive Pflege sichert langfristige die Mischungsanteile der eingebrachten Baumarten. Die derzeit sehr hohen Fichtenanteile werden weiter abnehmen, die Fichte wird zukünftig nicht mehr bestandsbildend sein. Die Auflichtung der reinen Fichtenbestände fördert eine vielfältige und üppige Bodenvegetation. Der sich entwickelnde Bergmischwald wird arten- und strukturreicher sowie stabiler und klimaangepasster. Die Raumstruktur wird bereits durch die Pflanzmaßnahmen verbessert, da hier eine neue zweite Baumschicht entsteht. Durch das Belassen von Altbäumen, stehendem und liegendem Totholz sowie Habitat- und Höhlenbäumen gibt es genügend typische Lebensraumstrukturen für die Besiedlung durch angepasste Arten.

Insbesondere durch das aktive Einbringen von Starktotholz im Fließgewässerbereich bilden sich neue Seitenbäche, Überflutungsbereiche und Stillwasserzonen, die u.a. von Feuersalamander, Grasfrosch, Berg- und Fadenmolch sowie Zweigestreifter Quelljungfer genutzt werden können. Der Austausch der zu klein dimensionierten Wegedurchlässe durch gewässerökologisch angepasste Rohrdurchlässe dient der Verbesserung bzw. Wiederherstellung der Durchgängigkeit und ist eine wichtige Voraussetzung für die Förderung artenreicher, gewässergebundener Lebensgemeinschaften.

Ziel ist die mittelfristige Entwicklung der Projektflächen in Waldlebensräume gemäß FFH-Richtlinie (LRT 9110 „Hainsimsen Buchenwald“ und LRT 91E0* „Auenwälder“), hierzu bieten die Flächen ein hohes Aufwertungspotential.

Wälder

Die geplanten Maßnahmen umfassen den Quell- und Oberlaufbereich der „Bösen Schleuse“ und deren angrenzende Waldbereiche.
Zur Verbesserung des Zustandes der angrenzenden Wälder und Fließgewässer sind im Umfeld des ca. 1,8 km langen Bachabschnittes der „Bösen Schleuse“ folgende lebensraumverbessernde Maßnahmen vorgesehen:

Waldumbaumaßnahmen

Aktuell dominieren Fichtenwälder im Projektgebiet, durch das Fehlen weiterer Samenbäume, insbesondere von Weißtanne und Bergahorn sowie Erle und Weide, wird eine natürliche Wiederansiedlung der ursprünglichen Wälder weitgehend verhindert. Daher soll durch aktive Pflanzmaßnahmen, der Grundstein für die Entwicklung struktur- und artenreicherer Bergmischwälder sowie seltener bachbegleitender Auwälder gelegt werden.
In der Bachaue der „Bösen Schleuse“ sowie deren Nebenbächen sind daher Initialpflanzungen von Roterle, Weide und Bergahorn vorgesehen, damit kann sich hier ein lebensraumtypischer Auwald entwickeln. Die angrenzenden Hangbereiche werden mit Buche, Weißtanne und Bergahorn bepflanzt, hier wird zukünftig ein ursprünglicher Bergmischwald entstehen. Durch Pflegemaßnahmen werden die Anteile der neu eingebrachten Baumarten langfristig gesichert. Die jungen Bäume erhalten eine Umzäunung als Schutz vor Rot- und Rehwild. Die neu entstehenden artenreichen Laubmischwälder können sich besser an Klimaveränderungen anpassen und sind wesentlich stabiler. Die Maßnahmen haben auch positive Effekte auf die Bodenvegetation, da der Wald strukturreicher wird und mehr Sonnenlicht auf den Boden gelangt. Dadurch können sich weitere Pflanzenarten im Unterwuchs ansiedeln, was wiederum Einfluss auf Tiere und Insekten hat. Die biologische Vielfalt wird erhöht.

In diesem Projekt arbeiten wir zur Umsetzung der geplanten Maßnahmen mit folgenden regionalen Partnern zusammen:

Biosphärenreservat Thüringer Wald

Hohe Gipfel, ausgedehnte Bergmischwälder mit alten stattlichen Buchen, mosaikartig eingestreute blütenreiche Bergwiesen, klare sprudelnde Bergbäche und kleine Moore prägen das Landschaftsbild. Schiefer gedeckte Häuser geben den Waldsiedlungen ihr Gepräge und in den schmalen Tälern dehnen sich die Dörfer oft über Kilometer aus. Auch alte Handwerke, wie die Köhlerei und die Glasbläserei und gebietstypische Siedlungsstrukturen sind das Spiegelbild eines jahrhundertelangen Miteinander von Mensch und Biosphäre. Seit nun mehr 40 Jahren ist das Biosphärenreservat Thüringer Wald als UNESCO-Biosphärenreservat anerkannt und gehört neben dem Biosphärenreservat Mittelelbe zu den ältesten Biosphärenreservaten in Deutschland.

Weitere Informationen zum Biosphärenreservat: http://www.nationale-naturlandschaften.de/gebiete/biosphaerenreservat-thueringer-wald/