Damit unsere Streuobstbäume mit zunehmendem Alter noch tip top in Form bleiben, müssen sie regelmäßig geschnitten werden. Der beste Schnittzeitpunkt ist das Frühjahr zwischen Januar und März. Der Baumschnitt erfüllt verschiedene Aufgaben und es gibt für jedes Lebensalter eine bestimmte Schnittart. Ziel ist eine höhere Stabilität der Obstbäume, eine bessere Besonnung der Krone und ein reicher Fruchtertrag. Im Herbst hängt die große Last der Früchte in der Krone. Dafür braucht der Streuobstbaum ganz schön Kraft in den Zweigen. Ein Erziehungsschnitt in jungen Obstbaumjahren verhilft ihnen ein stabiles Gerüst auszubilden, welches der großen Belastung gewachsen ist. Der natürlich runde Wuchs der Krone verwandelt sich durch den Schnitt in eine Pyramide. Einer der Äste verlängert in senkrechter Linie den Stamm, davon zweigen seitlich drei bis vier Leitäste ab, von denen wiederum Seitenäste abzweigen. Die Pyramidenkrone ist nach oben hin verjüngt und an den Seiten breiter. Mit dieser Schnittform möchte man erreichen, dass jedes Blatt im Inneren der Krone mit ausreichend Licht versorgt wird. Die Leitäste und Seitenäste wachsen schräg nach oben. Die Fruchtäste, an denen später die Früchte hängen werden in eine waagerechte Richtung erzogen. Das Fruchtholz bezeichnet die Seitentriebe, die im Frühjahr immer blühen und an welchen im Herbst das Obst reift. Das Fruchtholz vergreist mit der Zeit, dann ist es Zeit für einen Fruchtholzschnitt, damit neue Fruchtriebe wachsen. Junge Bäume erziehen, mit dem Erziehungsschnitt Der Erziehungsschnitt in den jungen Jahren legt das Grundgerüst für die weitere Entwicklung des Obstbaumes fest. In dieser frühen Phase können die Leitäste ausgewählt werden und so die Richtung des Wuchses bestimmt werden. Sind sich Äste im Weg konkurrieren sie miteinander um den Platz in der Krone. Solche Konkurrenztriebe werden entfernt. In den kommenden Jahren stutzt man die Leitäste etwas, um die Bildung von Seitenästen anzuregen. Junge Obstbäume haben noch kein Fruchtholz. Das sind jene Zweige, an denen sich später mal die Früchte entwickeln. Vier bis zwölf Jahre kann es bei einem Apfelbaum dauern, bis er Früchte trägt. Daher richten wir in den ersten Jahren unser Augenmerk auf die Ausrichtung der Krone. In den ersten Baumjahren sind die Obstbäume noch in den Kinderschuhen und benötigen all ihre Energie für das Längenwachstum des Stammes und der Entwicklung der Leitäste und Seitentriebe. Erst wenn sich ein stabiles Kronengerüst ausgebildet hat, sprießen aus den Seitenästen die Fruchtäste. Kronengerüst erhalten, mit dem Pflegeschnitt Nach ein paar Jahren hat der Obstbaum sein Grundgerüst entwickelt. Nun muss nicht mehr jedes Jahr geschnitten werden. Nur alle paar Jahre muss jetzt noch hier und da ein Zweig entfernt werden, um die Wuchsrichtung zu korrigieren. Dennoch kontrollieren wir jedes Jahr die Verzweigung des Astaufbaus auf den Projektflächen. Ziel des Pflege- oder Erhaltungsschnitts ist es ein Gleichgewicht zwischen Neuaustrieb und Fruchtwachstum zu erreichen. Treibt der Baum stark aus, bildet aber nur wenige Früchte, muss er stärker zurückgeschnitten werden. Bildet er viele Früchte, sollte er weniger geschnitten werden. Beachtet man dies, befindet sich der Obstbaum im physiologischen Gleichgewicht. Altes Fruchtholz, welches keine Früchte mehr ausbilden kann, wird bis auf den Astansatz abgeschnitten. Seitliche, waagerecht stehende Austriebe bleiben stehen. Das Innere der Krone muss ausreichend Sonne abbekommen, damit Triebe, Blätter und Früchte wachsen können. Andernfalls verkahlt der Baum und die Früchte entwickeln kein ausgeprägtes Aroma. Nach innen wachsende, sich überkreuzende oder zu dicht stehende Äste müssen entfernt . Sind die Leitäste zu lang, müssen auch sie gekürzt werden. Zu lange Fruchttriebe schneiden wir auch ab, da sie sonst unter der Last der Früchte abbrechen können. Auf unseren Projektflächen planen wir die Pflegeschnitte immer im Frühjahr, um März herum. Zu diesem Zeitpunkt setzt der Saftaufstieg ein und die Wunden im Holz können besser heilen. Revitalisierungsschnitt – eine Aufbaukur für alte Streuobstbäume Einige unserer alten Obstbaumgreise wurden schon seit Jahren nicht mehr geschnitten. Damit sie nicht absterben, machen wir sie durch einen Revitalisierungsschnitt wieder fit. Durch den Schnitt werden Krankheiten vermieden und die Vitalität des Baumes gesteigert. Wichtig ist das Auslichten der Krone. Zunächst schauen wir uns an, wie stark der Baum noch austreibt. Das erkennt man an den Triebspitzen. Besitzt der Baum noch eine starke Wuchskraft, ist beim Rückschnitt Vorsicht geboten. Entnehmen wir zu viele Äste und Zweige, tut das dem Obstbaum nicht gut. Er treibt dann in den kommenden Jahren noch stärker aus und kommt aus dem Gleichgewicht. In diesem Fall heißt es weniger ist mehr. Wir verteilen die Rückschnitte auf mehrere Jahre und entnehmen immer nur ein paar Äste. Obstbäume mit schwachem Wuchs benötigen einen kräftigeren Rückschnitt. Ohne den Schnitt erschöpfen sie sich, bilden nur noch wenig Obst aus und sterben schließlich ab. Wachsen die Äste wild durcheinander muss eine neue Struktur aufgebaut werden und das Kronengerüst ausgelichtet werden. Alles was nach innen wächst kommt ab. Wasserschoße, die senkrecht in die Höhe wachsen müssen auch weg, sie bilden keine Blüten und Früchte, nur Blätter. Wir wählen vier Leitäste aus, die wir um ein Drittel einkürzen. Im Folgejahr treibt der Streuobstbaum wieder kräftig aus und bildet neue Fruchtansätze.
Baumschnitt an einer Mostbirnensorte / Foto: © Schwäbisches Streuobstparadies e. V.
              Titelbild: Mit der Handsäge werden Äste im oberen Kronenbereich entfernt. / © Schwäbisches Streuobstparadies e. V.