Erste Blüten sprießen an den Ästen der Streuobstbäume und auch die Wiese strahlt bereits in sattem Grün. Jetzt dauert es noch eine Weile bis alle Gräser und Wiesenblumen ihre Blüten entfalten und die Wiese in ein buntes Farbenmeer verwandeln. Während am Boden hier und da die ersten Frühjahrsblüher sprießen, geht es im Kronendach der Streuobstbäume schon bunter zu. Die Zeit der Obstblüte bricht an und schmückt die Obstbäume mit einem zarten weiß-rosa Blütenhimmel. Der Rausch der Farben erfreut jedes Frühjahr zwischen April und Juni Besucher*innen der Streuobstwiesen. In Japan wird die Kirschblüte unter dem Namen „Hanami“ gefeiert. Das traditionelle Fest der Obstblüte fand auch Einzug in Deutschland. Birnen-, Äpfel-, Zwetschgen- und Kirschbäume alle zeigen zu dieser Zeit ihre Blütenpracht und das freut auch eine Vielzahl bestäubender Insekten. Jede Obstart hat eine andere Blütezeit. Auch die Witterung beeinflusst, wann sich die ersten Blüten zeigen. Ist es sehr kalt, blühen die Obstbäume später im Jahr. Einige Arten wie die Birne oder die Kirsche sind besonders frostempfindlich und durch ihre frühe Blütezeit durch Frostschäden gefährdet. Daher sollten geschützte Lagen als Standort gewählt werden, wie auf unserer Projektfläche im Biosphärenreservat Rhön nahe Hümpfershausen. Im Biosphärengebiet Schwäbische Alb ist die Blüte bereits in vollem Gange. Auf unseren Projektflächen in Weilheim an der Teck zeigen sich die Streuobstbäume von ihrer besten Seite. Frühstarter unter den Obstbäumen sind die Steinobstsorten, wie Mirabelle, Aprikose und Zwetschge. Darauf folgen Süß- und Sauerkirsche. Im zarten weiß und rosa Farbton schmücken sie zeitig im Jahr ihre Zweige. Auch einige Heckenpflanzen fangen ab Mitte März mit der Blüte an. Dazu gehören Kirschpflaume, Schlehe und Weißdorn. Mitte April bis Anfang Mai haben Apfel- und Birnbäume ihren großen Auftritt, gefolgt von der Quitte. Die Apfelblüte markiert den phänologischen Vollfrühling. Ab diesem Zeitpunkt werden die Temperaturen immer milder und der Winter ist endgültig vorbei. Besonders wichtig ist die Obstbaumblüte für Insekten, insbesondere Honig- und Wildbienen, denn die Blüten sind ergiebige Nektarquellen, wenn in der Wiese noch nicht viel blüht. Gleichzeitig sorgen die Insekten für die Bestäubung der Obstbäume und einen reichen Fruchtansatz im Herbst. Während Honigbienen Apfelblüten bevorzugen, fliegen Wildbienen gern Kirschblüten an. Auf unseren Projektflächen leben Wildbienenarten wie die gehörnte Mauerbiene und die kleine Sandbiene sowie die Acker- und die Wiesenhummel. Ihre Nester bauen sie in den sandigen, tonigen Erdboden, legen ihre Eier aber auch in hohle Pflanzenstängel oder Mauerritzen ab. Unter den Obstsorten gibt es frühe und späte Arten, so dass bei geschickter Pflanzung den ganzen Frühling über etwas blüht. Auch die Wiesenpflanzen haben unterschiedliche Blühzeitpunkte. Einige öffnen schon zeitig im Jahr ihre Blütenknospen, wie zum Beispiel das Wiesen-Schaumkraut, das Scharbockskraut und die Echte Schlüsselblume. Durch angepasste Mahdzyklen bleiben immer irgendwo auf der Wiese einige blühende Pflanzen stehen. Das ist auch für die Bestäuber günstig, denn so finden sie über den gesamten Frühjahrszeitraum immer eine Nektarquelle. Viele Wildbienenarten fliegen schon zeitig im Jahr und sorgen ab März für die Bestäubung. Das liegt auch daran, dass Wildbienen bereits ab einer Temperatur von drei bis vier Grad aktiv werden. Honigbienen werden erst ab acht Grad munter und sind im Frühjahr zunächst mit dem Aufbau ihres Volks beschäftigt, bevor man sie öfter an den Blüten sieht.
Birnenblüte / Foto: Dieter Weisenburger
Apfelblüte / Foto: Dieter Weisenburger
             
Kirschblüten / Foto: Heidrun Hinner
Schlehenblüte / Stephanie Schubert © Nationale Naturlandschaften e. V.
          Titelbild: An den Streuobstbäumen zeigen sich die ersten Blüten. / Foto: Schwäbisches Streuobstparadies e. V.