„Naturschutz als positive Lebensphilosophie“ war das Motto von Heinz Sielmann. Auch die Infozentren in den deutschen Großschutzgebieten vermitteln ihren Gästen die heimische Natur und ihren Schutz als etwas Positives. Das ist nicht immer einfach, denn viele sehen den Naturschutz eher als Verhinderer und Bremser. Umso lohnender, sich dieser Aufgabe mit Engagement, Professionalität und Herz zu widmen!“
Dr. Stefan Büchner, Leiter Naturschutzzentrum Südschwarzwald

Insgesamt sind über 100 Einrichtungen aus deutschen Großschutzgebieten an der AG Infozentren beteiligt, ca. 30 – 40 davon nehmen aktiv an den jährlich stattfindenden Arbeitstreffen der AG teil. Vertreten sind Zentren aus Nationalparks, Biosphärenreservaten und Naturparks sowie zwei Häuser aus großen Naturschutzgebieten. Schwerpunkte der AG-Arbeit sind der aktive Informations- und Erfahrungsaustausch untereinander, die Unterstützung von Schutzgebieten beim Aufbau neuer Infozentren und die Professionalisierung des Betriebs der Infozentren.

Zum Jahrestreffen 2019 trafen sich die Leiter*innen zahlreicher Einrichtungen aus ganz Deutschland im Wattenmeer-Besucherzentrum Cuxhaven an der deutschen Nordseeküste. Die Hauptthemen der Arbeitstagung waren

  • lebende Tiere in der Bildungsarbeit von Schutzgebieten und Infozentren,
  • Schritte vom Umwelt verstehen zum umweltbewusst handeln und
  • Schutzgebiete und Infozentren in den Nachbarländern: Dänemark.

Lebende Tiere sind in vielen Einrichtungen hoch attraktive Anziehungspunkte für Gäste. Mit ihnen kann man einerseits den Erkenntnisprozess „Empfinden – Lernen – Verstehen – Handeln“ sehr viel besser steuern und fördern als ohne sie. Andererseits ist die Haltung von Tieren betreuungsintensiv (und damit teuer und ggf. störungsanfällig), zugleich erfordert der Umgang mit ihnen eine hoch sensible Herangehensweise. Gerade in Nationalparks, wo immer wieder die Grundregel vermittelt wird „Nichts entnehmen!“, kommt einer bestens an die Zielgruppe angepassten Vermittlung wie auch einer intensiven Schulung des mit den Tieren arbeitenden Personals eine immense Bedeutung zu, so eine der zentralen Botschaften der Arbeitstagung.

Wenn es um den wichtigen Schritt vom Umwelt verstehen zum umweltbewusst handeln geht, zeigt sich schnell, dass hier zahlreiche Barrieren zu überwinden sind: So fehlt der Bezug zur Natur, den viele Ältere noch hatten, den jetzt nachfolgenden Generationen. Zugleich erweist sich die Wertekonkurrenz, in der die Umweltinformation steht, als ein sehr ernst zu nehmendes Hindernis. Viele andere Werte (z. B. wirtschaftlicher Art), so formulierte ein Tagungsteilnehmer, seien viel einfacher zu vermitteln als die eher auf langfristige Wirkungen ausgerichteten Werte des Naturschutzes.

Wie bei jedem AG-Treffen bildete die wohlwollend-kritische Besichtigung des gastgebenden Zentrums einen wichtigen Bestandteil der Tagung. Besonders spannend war für die meisten Teilnehmenden in Cuxhaven die Darstellung des Lebensraums Wattenmeer in der Ausstellung des Besucherzentrums, aber auch technische Details, Eintrittspreise und Öffnungszeiten, das verwendete Audioguide-System, Flächengrößen, Planungsverfahren oder auch das gastronomische Angebot im Zentrum wurden eingehend diskutiert. Klaus Melbye vom Vadehavscentret, einem großen Wattenmeerzentrum in Ribe an der dänischen Westküste, gab ergänzend einen Überblick über Schutzgebiete und Infozentren in Dänemark.