Für die Umsetzung von Maßnahmen zum Erhalt der biologischen Vielfalt und für die Förderung von Bewusstsein für die Anliegen des Naturschutzes in Schutzgebieten kommt der Schutzgebietsbetreuung eine Schlüsselrolle zu. Der Beruf hauptamtlicher Schutzgebietsbetreuer*innen ist in Deutschland noch relativ jung und benötigt eine weitere Professionalisierung. Die AG Schutzgebietsbetreuung liefert dafür wertvolle Bausteine.

Das 5. Treffen der AG Schutzgebietsbetreuung fand mit 23 Teilnehmer*innen vom 18. – 20. April 2018 im Nationalpark Hainich statt.
Die Berichte der Einzelnen aus ihren Schutzgebieten machten deutlich, dass sich Ranger*innen zahlreichen neuen Herausforderungen ausgesetzt sehen, u. a. durch

  • regionale Zunahme der Aktivitäten in Schutzgebieten bei Nacht,
  • neue Trendsportarten wie E-Mountainbiking,
  • illegale GPS-Touren in schützenswerte Bereiche,
  • Drohnen,
  • Internet-Bewerbung in Blogs mit falschen Darstellungen.

Dem Umgang mit diesen Herausforderungen wird während des nächsten Treffens ein eigener Workshop gewidmet.
Bei einem Austausch zur Dienstkleidung ging es um die Erfahrungen mit Sortimenten unterschiedlicher Hersteller und die Vorstellung unterschiedlicher Beschaffungsverfahren. Der weitaus größte Teil der Gruppe vertrat den Wunsch nach Wiedererkennbarkeit von Ranger*innen in allen Großschutzgebieten Deutschlands. Dem Ranger-Hut wurde dabei eine besondere Bedeutung zugemessen. Die meisten Ranger*innen-Gruppen tragen die Kleidung aus dem entsprechenden Sortiment von Fjäll-Raven. Allerdings werden die Kleidungsstücke dieses Sortiments immer wieder verändert. Außerdem finden gerade Frauen hier teilweise keine passenden Kleidungsstücke. Schließlich hält die Firma lediglich gegenüber Mitarbeitenden in Europa und in Bezug auf verwendete Materialien Nachhaltigkeitskriterien ein, lässt die Kleidung aber imperial in einem Land mit niedrigem Lohnniveau und niedrigen Sozialstandards produzieren. Eine Alternative könnte möglicherweise ein deutsch-portugiesischer Hersteller bieten, was aber noch weiter geprüft werden muss.
Die Beschaffung wird teilweise durch die Schutzgebietsverwaltung vorgenommen. Ein anderes Modell ist die Ausreichung eines Kleidergelds und der Kauf nach den Vorgaben einer Dienstkleidungsordnung in Eigenverantwortung der Mitarbeitenden.
Bei einem Workshop zur Ausstattung der Ranger*innen wurde unter anderem der Cyber Tracker vorgestellt, der die Datenerfassung im Gelände erheblich erleichtern kann.
Ein weiterer Workshop widmete sich dem Thema der hoheitlichen Befugnisse von Ranger*innen. Diese sind bundesweit sehr unterschiedlich. Dort, wo Befugnisse umfangreich sind, können sie teilweise nicht umgesetzt werden. Andererseits kann ein Verwarnblock gegenüber Menschen mit nur geringem Unrechtsbewusstsein mehr Autorität verleihen.
Die von der AG angestoßene Reihe „Train the Trainer“ ist mit einer Schulung zum Thema „Barrierefreiheit und Inklusion“ im Nationalpark Eifel fortgesetzt worden.
Es wurde über eine Studie zur Schutzgebietsbetreuung in Deutschland informiert, die die Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde in Zusammenarbeit mit der Stiftung Naturschutzfonds Brandenburg vorbereitet hat, und für die gerade ein Antrag auf Förderung beim BfN gestellt wurde. Die Studie soll die derzeitige Situation der Schutzgebietsbetreuung in Deutschland in allen Schutzgebietskategorien untersuchen, Defizite benennen und Best-Practice-Beispiele identifizieren. Es ist geplant, die Ergebnisse über Workshops in alle Bundesländer zu transferieren und schließlich Praxisempfehlungen zu erstellen.
Weitere Berichte behandelten das EUROPARC-Programm „Junior Ranger Plus“ am Beispiel des Nationalparks Bayrischer Wald sowie neue Entwicklungen bei EUROPARC Deutschland und beim Bundesverband Naturwacht.
Schöne Exkursionen sowie eine gastliche Atmosphäre, die die Kolleg*innen aus dem Nationalpark Hainich schufen, rundeten die Veranstaltung ab.