„Nicht jede/r weiß, was in einem Nationalpark oder Biosphärenreservat geschützt werden soll. Nicht für alle ist Wildnis etwas Gutes. Und viele wissen nicht, dass in vielen Schutzgebieten auch gegen die Natur gearbeitet werden muss, um ganz Besonderes zu erhalten. Die Infozentren der Nationalen Naturlandschaften tragen wesentlich dazu bei, ohne erhobenen Zeigefinger Verständnis für den Schutz unserer wertvollsten Lebensräume zu vermitteln.“
Dr. Stefan Büchner, Leiter Naturschutzzentrum Südschwarzwald

Insgesamt sind rund 70 Einrichtungen aus deutschen Großschutzgebieten an der AG Infozentren beteiligt, ca. 30-40 davon nehmen aktiv an den jährlich stattfindenden Arbeitstreffen der AG teil. Vertreten sind alle drei Großschutzgebietskategorien sowie zwei Infozentren aus großen Naturschutzgebieten. Schwerpunkt der AG-Arbeit sind der aktive Informations- und Erfahrungsaustausch untereinander sowie die Unterstützung von Schutzgebieten beim Aufbau neuer Infozentren.
Großer Wert wird auf die Professionalisierung des Betriebs der Infozentren gelegt. Betriebswirtschaftliche Aspekte und Marketing, Rechtsfragen, Personalplanung und Managementstrategien, aber auch didaktische Ansätze, Möglichkeiten zum Einsatz moderner Medien oder Ausstellungskonzepte sind entscheidende Stellgrößen, die den Erfolg einer Informationseinrichtung beeinflussen können. Die Einbeziehung von Erfahrungen aus Einrichtungen und Schutzgebieten im inner- und außereuropäischen Ausland bietet den hilfreichen Blick „über den Tellerrand“.
Ein wichtiger Aspekt ist bei jedem Treffen die Besichtigung und durchaus kritische Beurteilung des jeweils gastgebenden Infozentrums. Mit der AG Kommunikation wird regelmäßig ein Austausch über die gegenseitige Teilnahme an den AG-Treffen gepflegt sowie für beide AGs interessante Themen und Dokumente weitergegeben.
2018 fand das Jahrestreffen der AG Infozentren im deutsch-französischen Biosphärenreservat Pfälzer Wald/Vosges du Nord statt. Haupttagungsthema war die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien bei Einrichtung und Betrieb von Infozentren. Als Einrichtungen mit besonderem Nachhaltigkeitsprofil wurden das Stiftsgut Keysermühle (zugleich auch Tagungsort und Unterkunft der Teilnehmenden), das Haus der Nachhaltigkeit in Johanniskreuz und das Biosphärenhaus in Fischbach bei Dahn besucht. Die Leiterinnen und Leiter dieser Häuser gaben detaillierte Einblicke in Planung und Betrieb ihrer Einrichtungen und stellten sich den zahlreichen Rückfragen der AG-Mitglieder. Vorträge aus den eigenen Reihen ergänzten das Programm z. B. im Hinblick auf nachhaltig erzeugte Produkte in den Shops der Infozentren.
Spannend und für alle Zentren immer wieder aktuell waren darüber hinaus Insider-Einblicke und Tipps zum Thema Fundraising. Schnell wurde deutlich, dass es dabei keineswegs nur darauf ankommt, wen man anspricht, sondern auch wer das tut, wie die Ansprache erfolgt und dass man nicht zu schnell aufgeben darf. Auch formale Rahmenbedingungen sind zu berücksichtigen, da beispielsweise nicht jede Organisationsform Spenden annehmen darf, so dass gemeinnützige Parallelstrukturen wie Fördervereine, Stiftungen o. ä. erforderlich sind.
Die Nähe des Tagungsortes zu Frankreich legte nahe, dass sich der Blick ins Ausland bei diesem Treffen auf Infozentren im benachbarten Elsass richtete, aber auch niederländische Bildungseinrichtungen wurden vorgestellt. Großes Interesse galt – wie immer – den organisatorischen und finanziellen Rahmenbedingungen für den Betrieb solcher Einrichtungen in den Nachbarländern.