“ Großschutzgebiete sind Referenzräume für die Erforschung von Ökosystemen und die langfristige Umweltbeobachtung. Als Flaggschiffe des Naturschutzes sollten sie besonderen Wert auf angemessene Standards in den Bereichen Forschung und Monitoring legen. Die Qualitätskriterien von EUROPARC bieten wichtige Orientierungswerte dazu.“
Achim Frede, Nationalpark Kellerwald-Edersee

Die ursprünglich aus den Waldnationalparks begründete Arbeitsgruppe vereinigt inzwischen mehr als 50 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen verschiedener Großschutzgebietskategorien unterschiedlicher Landschaftsräume. Mit der AG besteht eine interdisziplinär orientierte Plattform für Information, Austausch und Kooperation von Schutzgebieten und wissenschaftlichen Partnern. Der Praxisbezug steht hierbei im Vordergrund.
Schwerpunktthemen der AG-Tätigkeit sind:

  • Schnittstellen zu Wissenschaft, Forschungsverbünden, Fördermittelgebern und externen Verbänden
  • Standardisierung und Harmonisierung von Monitoringmethoden und Meta-Datenbanken
  • Prozessforschung und Management
  • Biodiversität und Klimawandel
  • Ökosystem-Dienstleistungen (ESS)
  • Barcoding (Inventarisierung und genetische Charakterisierung, GBOL)
  • Fernerkundung
  • Sozioökonomie

Zu ihrer 16. Jahrestagung reisten die Mitglieder vom 15.-17. Oktober 2018 nach Kammerforst im Nationalpark Hainich. Das Nationalparkamt hatte die Organisation vor Ort u. a. zur im Rahmen des 20jährigen Jubiläums der Nationalparkgründung dankenswerterweise übernommen. NLP-Leiter Manfred Großmann richtete als einer der früheren Mitinitiatoren der AG seine Grußworte an die Gäste des Treffens. Mit der zeitgleichen Zusammenkunft der AG „Forschung und Monitoring in Großschutzgebieten“, „Sozialwissenschaftliches bzw. sozialökonomisches Monitoring in Großschutzgebieten“ (SÖM-Community) und „Wildtiermonitoring in deutschen Nationalparks“ wurde erstmals in dieser Form und mit stark interdisziplinarer Ausrichtung getagt. Sowohl der AG-Sprecher als auch die im Dachverband für den AG-Bereich „Forschung und Monitoring“ verantwortliche Frau Dr. Neele Larondelle begrüßten den somit erweiterten Teilnehmerkreis von 61 Personen aus 12 Nationalparks, 6 Biosphärenreservaten, der Stiftung Naturlandschaften Brandenburg und mehreren Universitäten und Forschungseinrichtungen mit Begeisterung.
Dem Austausch zu aktuellen Forschungen und Monitoringvorhaben  in den GSG wurden von den Organisatoren mehrere interessante Fachvorträge vorangestellt. Neben einzelnen Fragen der Biodiversitätsforschung wurde hier u. a. die Entwicklung von Standards zur Absicherung von Langzeituntersuchungen diskutiert. Ziel ist jeweils die gebietsüber-greifende Etablierung eines methodisch konsistenten und vielseitig nutzbaren Datenpools, ganz im Interesse der AG-Zielstellung. Ergebnisse aus den Biodiversitätsexploratorien im Hainich, dem Waldstruktur- und Vegetationsmonitoring sowie dem Brutvogel- und Tagfaltermonitoring wurden vorgestellt und methodische Empfehlungen formuliert.  Strategische Überlegungen aus dem Hainich zur Etablierung eines gebietsübergreifenden Forschungsservers forderten zur Überwindung oft landesspezifischer Hemmnisse bei der Bildung von umfassenden Datenplattformen heraus.
Im Rahmen der Kurzberichte aus den GSG wurde das erfreulich anhaltende Interesse an Beispielvorhaben anderer Nationaler Naturlandschaften zur Neuetablierung bereits bewährter Monitoringverfahren deutlich. Um dazu leichter in Kontakt zu kommen und auch Ergebnisberichte leichter nutzen zu können hat die Europarc-Geschäftsstelle inzwischen eine komfortable gemeinsame Internetplattform für den Austausch, die Kommunikation und Information der AGs, verfügbar gemacht. Auf diesem Weg wird die AG-Tätigkeit auch für die Geschäftsstelle besser sichtbar. Alle AGs trafen sich weiterhin zu separaten Sitzungen, um den fachspezifischen Austausch im kleineren Kreis fortzusetzen. Für die aufwändige Tagungsvorbereitung und Ausgestaltung einschließlich der drei angebotenen Fachexkurisonen ist den Mitarbeitern des Nationalparks Hainich an dieser Stelle besonders zu danken!
Die Verbindung der Schutzgebietsgemeinde zum Gremium des deutschen Langzeitfor-schungsverbundes LTER-D wird inzwischen über die Geschäftsstelle von Frau Dr. Neele Larondelle in Zusammenarbeit mit Dr. Mark Frenzel vom UFZ realisiert. Aktuell kooperieren 30 Gebiete in Deutschland (davon 8 NNL) mit dem Netzwerk der ökologischen Langzeitforschung. Neben einem Methodenhandbuch, einer Metadatenverwaltung und der internationalen Vernetzung können Teilnehmende Gebiete vom Lobbying und der Beteiligung an EU-Förderprojekten konkret profitieren. 2018 wurde dazu eine Abfrage zur Beteiligung der NNL an einem gebietsübergreifenden Vorhaben zum Biodiversitätsmonitoring (Malaisefallenprojekt) auf den Weg gebracht.
Die AG ist ein zunehmend gefragter Ansprechpartner und Fachberater für die EUROPARC-Geschäftsstelle und andere Institutionen. Die Bereitstellung von Fachinformationen und Basiswissen ist für die strategische Ausrichtung des Schutzgebietsmanagements ebenso wie für die Etablierung neuer Standards von Bedeutung. Aktuelles Beispiel ist die Etablierung des Integrativen Monitorings. Die Teilnahme des AG-Sprechers am EUROPARC-Strategie-workshop des erweiterten Vorstandes im Juni 2018 in Havelberg bot erneut die Möglichkeit, das Anliegen der gebietsübergreifenden Nutzung der NNL-Gebietskulisse zur Erforschung und Beantwortung von Fragen der Biodiversitätsdynamik in den Dachverband zu tragen.
Wiederholt macht die AG auf die bundesweit sehr heterogene Situation der personellen und finanziellen Kapazität der NNL aufmerksam. Die sich daraus ergebenden Einschränkungen erschweren die Sicherung langfristiger Vorhaben, deren Wert für die objektive Bewertung von Umweltänderungen mittels Forschung und Monitoring das Fundament für den umfassenden Schutz, ein erfolgreiches Management und die weitere Entwicklung der Großschutzgebiete bilden und damit essentiell für die Erfüllung der Anforderungen und Evaluierungsstandards in den Schutzgebieten sind.