„Da Naturschutz und Nationalparks Aufgaben der Bundesländer sind, ist die fachliche Arbeit der AG unverzichtbar, um über alle Ländergrenzen hinweg Ziele und Maßnahmen abzustimmen. Auf diese Weise kann die Umsetzung der für alle geltenden Standards unterstützt werden. Nur so lässt sich eine synchrone Weiterentwicklung der deutschen Nationalparks sicherstellen.“
Manfred Bauer, Leiter Nationalpark Kellerwald-Edersee

2017 war für die AG ein ausgesprochen schwieriges Jahr. Die längere Erkrankung unseres Sprechers Dirk Treichel und vor allem der plötzliche und unerwartete Tod von Karl Friedrich Sinner, der auch die Nationalparks im Vorstand von EUROPARC Deutschland vertrat, ließen Zeitpläne und Agenden der AG Makulatur werden. Die Frühjahrssitzung musste ausfallen und wurde durch eine kurzfristig angesetzte, kompakte Runde im Mai in Kassel ersetzt, bei der das weitere Vorgehen besprochen wurde. Auf dieser Sitzung wurde beschlossen, dass Peter Südbeck, Leiter des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer, die Nationalparks bis zu den Neuwahlen im Herbst 2018 im Vorstand von EUROPARC Deutschland vertreten solle. Manfred Bauer, Leiter des Nationalparks Kellerwald-Edersee, werde zunächst kommissarisch die Rolle des Sprechers der AG übernehmen.
In der zweiten Jahreshälfte konzentrierten wir uns auf die Themen, die seit Längerem in der Diskussion waren. Bei zwei AG-Treffen, einmal im Vorfeld der Mitgliederversammlung im Oktober auf Rügen und dann bei einem Workshop in Tönning, wurden diese Themen weiter behandelt und schließlich gemeinsame Positionen erarbeitet.
Ausgehend vom Positionspapier der AG zum Wildtiermanagement in Nationalparks wurden die Begriffe „Naturnähe“ und „Prozessschutz“ intensiv behandelt. Die Moderation übernahm in bewährter Weise Dr. Ursula Diepolder, dadurch waren eine konzentrierte, ergebnisorientierte Arbeitsweise und eine ausführliche Dokumentation der Arbeitsergebnisse sichergestellt.
Konsens bestand schließlich, in der folgenden Definition die Grundlagen des Nationalparkhandelns in Deutschland zu sehen: „Die Natur hat – anders als wir Menschen – keine Maßstäbe für Zeit, Ordnung und Schönheit. In der Natur gibt es weder Chaos noch wirtschaftliche Ziele, weder Nutzen noch Schaden. Die Natur kennt nur einen dynamischen Prozess von Werden, Wachsen und Vergehen.“
Daraus wurde – den sperrigen Begriff „Prozessschutz“ vermeidend – folgender Handlungsgrundsatz abgeleitet: „Natur Natur sein lassen“ bedeutet natürliche Dynamik ohne Zielfestlegung. Das „Da sein“ ist unser Selbstwert, warum Nationalparks existieren. Das versuchen wir im Handeln als Nationalparkverwaltungen einzubringen. Je nach Rahmenbedingungen bedarf es spezifischer Instrumente für die Nationalparkverwaltung. Dabei gilt der Grundsatz „So wenig wie möglich – so viel wie nötig“. Nationalpark meint den dynamischen Ansatz im Naturschutz (Natur Natur sein lassen),das Zulassen natürlicher Abläufe ohne das Gestalten der Menschen und ohne vorgefertigtes Wissen über Weg und Endpunkt des Prozesses.
Daraus folgt auch, dass es keine weiteren Positionspapiere zu Begrifflichkeiten wie „Naturnähe“ oder „Prozessschutz“ geben solle, da sie entweder im Sinne einer Zielbestimmung missverstanden werden können (Naturnähe) oder als Begriff in seiner funktionalen Kühle wenig charismatisch sei (Prozessschutz).
Aus diesen Begriffsdefinitionen abgeleitet wurde das vorhandene Positionspapier zum Wildtiermanagement überarbeitet, konkretisiert und verabschiedet.
Bei der Sitzung am Rande der Mitgliederversammlung wurden der Stand der Zwischenevaluierung der deutschen Nationalparks besprochen und in kleineren Arbeitsgruppen Beiträge zu den jeweiligen Berichten erarbeitet. Die abgestimmten und finalisierten Berichte sollen im Frühjahr 2018 vorliegen. Einig war sich die AG, dass bei den Treffen übergreifenden Themen und fachlichen Debatten mehr Raum gegeben werden müsse. Mehr als jährlich zwei Treffen sind jedoch aufgrund der Arbeitsbelastung der AG-Mitglieder nicht realisierbar, es wurde aber beschlossen, die Dauer der Treffen etwas zu verlängern. Dabei sollte die Frühjahrssitzung künftig dem Austausch zwischen den Nationalparks und der Behandlung nationalparkspezifischer Themen gewidmet, die Herbstsitzung hingegen unter Beteiligung von der Geschäftsstelle, Vertretern von Wildnisgebieten und teilweise Vertretern von BMU und BfN abgehalten werden.