„Der Beruf der Ranger*innen hat sich in zahlreichen Nationalen Naturlandschaften Deutschlands gut etabliert. Im Zusammenhang mit der Betreuung von FFH-Gebieten sind Ranger*innen-Stellen auch außerhalb von Großschutzgebieten entstanden. Die AG Schutzgebietsbetreuung schafft ein Forum, um die deutschlandweite Zusammenarbeit zu Fördern, Lösungen für besondere Herausforderungen der Ranger*innen zu finden und die Weiterbildung zu unterstützen.“
Michael Großmann und Manfred Lütkepohl

Das 4. Treffen der AG Schutzgebietsbetreuung fand mit 23 Teilnehmer*innen am 28. und 29. März 2017 im Nationalpark Kellerwald-Edersee statt.
Am Beginn standen Statements zu neuen Entwicklungen in der Schutzgebietsbetreuung. Die Personalsituation der Ranger*innen-Gruppen ist in einigen Gebieten weiterhin sehr angespannt. Im Nationalpark Hainich ist die Mitarbeiterzahl von 29 auf 23 gesunken, soll aber wieder auf 27 aufgestockt werden. Im Nationalpark Sächsische Schweiz sind von 24 Stellen nur 16 besetzt. Das Biosphärenreservat Niedersächsische Elbtalaue, das bislang über keine Ranger*innen verfügte, wird jetzt erfreulicherweise mit einer Ranger*innen-Gruppe ausgestattet.
Positive Entwicklungen gibt es in vielen Gebieten im Bereich der Umweltbildung. So hat die Anzahl der Schutzgebiets-Schulen zugenommen, erste Schutzgebiets-Kitas sind vorhanden
oder befinden sich in Planung.
Im Bereich des Monitorings ist eine wertvolle Innovation durch eine speziell entwickelte App im Nationalpark Schwarzwald entstanden.
Unter den Störungen in den Schutzgebieten bereiten Drohnenflüge vielfach neue Probleme.
An der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung in Eberswalde hat der 2. Jahrgang den Studienschwerpunkt „Schutzgebietsbetreuung“ im Studiengang „Landschaftsnutzung und Naturschutz“ absolviert.
In seinem Bericht über Aktivitäten des Bundesverbandes der Naturwacht ging der Vorsitzende Carsten Wagner auf die Übersetzung der DVD „The Thin Green Line“ ins Deutsche ein. Sie macht auf die Situation von Rangern*innen international aufmerksam und kann auf Veranstaltungen zum World Ranger Day und bei der Umweltbildung eingesetzt werden.
Ein weiterer Bericht behandelte die Gründung der European Ranger Federation (ERF) unter dem Dach der International Ranger Federation (IRF). Bei dieser Initiative geht es darum, der
Idee der weltweiten Natur- und Artenschutzbemühungen, insbesondere in Großschutzgebieten, und ihrer wichtigen Repräsentanten nach außen, den Rangern, ein Gesicht zu geben. Unter anderem sollen Kooperationsprojekte mit Ranger*innen des Globalen Südens auf den Weg gebracht werden. Die Gründung wurde inzwischen, im Mai 2017, im Rahmen des Europa-Kongresses der Ranger*innen in Tschechien, verwirklicht. An dem Treffen nahmen 126 Ranger*innen aus 26 Ländern teil.
Ebenfalls wurde über den 8. World Ranger Congress der IRF berichtet, der vom 21. bis 26. Mai 2016 mit über 300 Rangern aus 62 Staaten im Rocky Mountain National Park in Colorado stattfand. Kongressthemen waren die Bedrohung für Ranger*innen in Afrika und Teilen Asiens durch die organisierte Wilderei, die Verbesserung der Situation von Rangern*innen, insbesondere in den armen Ländern des Globalen Südens, und die Kooperation mit Indigenen innerhalb der Parks. In der Abschlusserklärung des Kongresses wird die Bedeutung der Ranger*innen für die Betreuung von Schutzgebieten, die Information von Besuchern, die Bildungsarbeit und die Zusammenarbeit mit lokalen Gemeinschaften herausgestellt. Der Ranger-Beruf verdient demnach dieselbe Anerkennung wie andere für die Gesellschaft wichtige Berufe auch. Ranger*innen benötigen eine gute Ausbildung und ausreichende staatliche Unterstützung.
Henning Werth stellte das System der bayerischen Schutzgebietsbetreuer vor. Sie betreuen als Angestellte des Bayrischen Naturschutzfonds und in Zusammenarbeit mit regionalen Trägern 37 ökologisch sensible Gebiete außerhalb von Nationalen Naturlandschaften.
Michael Großmann ging auf die Erfolge der Cluster-Bildung zwischen Ranger*innen-Gruppen, des Fortbildungsprogramms „Train the Trainer“ sowie von Twinning-Projekten ein und stellte Möglichkeiten der einheitlichen Ergebnisdarstellung zur Dokumentation und Imagewerbung vor. Ein Cluster hat sich mit den süddeutschen Gebirgsnationalparken Bayerischer Wald, Berchtesgarden und Schwarzwald gebildet, ein weiterer besteht mit den 15 Nationalen Naturlandschaften Brandenburgs. Train-the-Trainer-Veranstaltungen fanden zu den Themen „Auerhuhn“ im Nationalpark Schwarzwald, „Wildkatze“ im Nationalpark Hainich, „Luchs“ im Nationalpark Harz und „Biber“ im Biosphärenreservat Mittelelbe statt.
Das Faltblatt „Was sind Ranger*innen?“ wurde endabgestimmt und liegt inzwischen in gedruckter Form vor. Es umreißt die Einsatzgebiete und Aufgaben der Schutzgebietsbetreuer*innen sowie die Kompetenzen, die sie für die Ausübung ihres Berufs benötigen.
Evaluierung, Qualitätssicherung und Image der Ranger*innen-Arbeit wurden in einem Workshop behandelt. Ein Input kam aus dem Nationalpark Harz, wo man sich intensiv mit den Zielen der Bildungsund Informationsarbeit befasst hat sowie mit der Frage, wie erfolgreich die Arbeit in diesen Bereichen ist und wie man sie weiter verbessern kann.
Ein zweiter Workshop befasste sich mit besonderen Herausforderungen für die Ranger*innen-Arbeit, insbesondere durch flexible Arbeitszeiten auch an Wochenenden,
Feiertagen und des Nachts. Bundesweit existieren bei den Ranger*innen-Gruppen unterschiedliche Vereinbarungen zur Flexibilisierung der Arbeitszeit. Dabei sind viele praktikable Lösungen im Sinne der Mitarbeitenden gefunden worden.
Der dritte Workshop behandelte die Aufgaben von Rangern*innen in Kontext von FFH-Gebieten. Bundesweit besteht hier eine große Heterogenität. In einigen Gebieten werden FFH-Gebiete jedoch in einem bestimmten Rhythmus und nach Checklisten, die mit den Naturschutzbehörden abgestimmt sind, kontrolliert. Bei naturkundlichen Kartierungen in FFH-Gebieten bietet es sich an, nach allgemein üblichen Methodenstandards zu arbeiten, die die gute Vergleichbarkeit der Daten ermöglichen.
Eine abschließende Exkursion führte in das Tiergehege des gastgebenden Schutzgebiets und bot wunderschöne Einblicke in die eindrucksvollen Landschaften des Nationalparks Kellerwald-Edersee.