„Nicht jede/r weiß, was in einem Nationalpark oder Biosphärenreservat geschützt werden soll.  Nicht für alle ist Wildnis etwas Gutes. Und viele wissen nicht, dass in vielen Schutzgebieten auch gegen die Natur gearbeitet werden muss, um ganz Besonderes zu erhalten. Die Infozentren der Nationalen Naturlandschaften tragen wesentlich dazu bei, ohne erhobenen Zeigefinger Verständnis für den Schutz unserer wertvollsten Lebensräume zu vermitteln.“
Dr. Stefan Büchner, Leiter Naturschutzzentrum Südschwarzwald

Insgesamt sind rund 70 Einrichtungen aus deutschen Großschutzgebieten an der AG Infozentren beteiligt, ca. 30 bis 40 davon nehmen aktiv an den jährlich stattfindenden Arbeitstreffen der AG teil. Vertreten sind alle drei Großschutzgebietskategorien sowie zwei Infozentren aus großen Naturschutzgebieten. Schwerpunkte der AG-Arbeit sind der aktive Informations- und Erfahrungsaustausch untereinander sowie die Unterstützung von Schutzgebieten beim Aufbau neuer Infozentren.
Großer Wert wird auf die Professionalisierung des Betriebs der Infozentren gelegt. Betriebswirtschaftliche Aspekte und Marketing, Rechtsfragen, Personalplanung und Managementstrategien, aber auch didaktische Ansätze, Möglichkeiten zum Einsatz moderner Medien oder Ausstellungskonzepte sind entscheidende Stellgrößen, die den Erfolg einer Informationseinrichtung beeinflussen können.
Die Einbeziehung von Erfahrungen aus Einrichtungen und Schutzgebieten im inner- und außereuropäischen Ausland bietet den hilfreichen Blick „über den Tellerrand“.
Ein wichtiger Aspekt ist bei jedem Treffen die Besichtigung und durchaus kritische Beurteilung des jeweils gastgebenden Infozentrums. Mit der AG Kommunikation wird regelmäßig ein Austausch über die gegenseitige Teilnahme an den AG-Treffen gepflegt sowie für beide AGs interessante Themen und Dokumente weitergegeben.
Das Jahrestreffen 2017 im Nationalparkzentrum Vogelsang (Nationalpark Eifel) widmete sich besonders dem Thema „Barrierefreiheit“ in Infozentren und Ausstellungen. Schnell wurde deutlich, dass Barrierefreiheit weit mehr bedeutet als die in vielen Einrichtungen bereits realisierte Erreichbarkeit der Räumlichkeiten für Rollstuhlfahrer*innen: Leitsysteme und Lernangebote für Blinde bzw. Sehbehinderte oder Hörgeschädigte sind dabei ebenso zu entwickeln wie Angebote in leichter Sprache für Menschen mit eingeschränktem Sprachverständnis.
Alle diese Maßnahmen wurden in dem erst 2016 eröffneten Nationalparkzentrum Vogelsang in vorbildlicher Weise realisiert. In einem spannenden Selbstversuch mit Spezialbrillen konnten die am Jahrestreffen teilnehmenden Infozentren-Leiter*innen nachvollziehen, wie schwierig ein Ausstellungsbesuch für Menschen mit Sehbehinderung sein kann und wie Leitsysteme und Audiodeskriptionen hier helfen können.
Informationen zur Situation der Schutzgebiete und Infozentren in Holland sowie über die Arbeit der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt zum Schutz der letzten Wildnisgebiete in Europa rundeten das AG-Treffen ab.
Aufgrund des starken Interesses am Jahrestreffen wurde von der AG im April 2017 ein zweites Fachtreffen organisiert. Besonderes Augenmerk wurde hier speziell auf digitale Medien als Ausstellungsguides sowie auf Audiosysteme gelegt, mit deren Hilfe Ausstellungselemente auch für Menschen mit Sehbeeinträchtigung erlebbar gemacht werden können. Gastgeber dieses Treffens waren die Infozentren Torfhaus und Brockenhaus im Nationalpark Harz.
Über das Jahr wurden an die AG wieder zahlreiche Fachanfragen zu Betriebsformen, Ausstellungskosten, Besucherzahlen, Fragen der Warenwirtschaft und der Zusammenarbeit mit Agenturen gerichtet und aus dem Netzwerk bestmöglich beantwortet. Eine für das Wildnisgebiet Lieberoser Heide in Brandenburg durchgeführte Fachberatung hatte die Standortfindung und möglichen betrieblichen Eckdaten eines dort geplanten Infozentrums zum Ziel.